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UNESCO-Trauminsel verkommt zur Müllkippe

Auf Henderson Island leben keine Menschen - dennoch ist die idyllische Südseeinsel komplett zugemüllt. Forscher entdeckten auf dem Eiland etliche Millionen Plastikteile: Zahnbürsten, Strohhalme, Fischernetze.

Müllkippe Henderson Island: Forscher fanden an den Stränden der kleinen, unbewohnten Insel rund 38 Millionen Kunststoffteile.

Müllkippe Henderson Island: Forscher fanden an den Stränden der kleinen, unbewohnten Insel rund 38 Millionen Kunststoffteile.

Es ist keine Übertreibung, Henderson Island als eine Trauminsel zu bezeichnen: Die Koralleninsel im Südost-Pazifik ist unbewohnt und von einem weißen Strand und Klippen umgeben. Palmen wachsen hier, Krabben wuseln über den Sand, Vögel ziehen ihre Kreise durch die Lüfte. Das Eiland zählt zu einem der letzten Orte, die sich bislang vor dem Zugriff des Menschen entziehen konnten. Flora und Fauna können hier frei gedeihen. Aus diesem Grund zählt die Insel auch zum UNESCO-Welterbe. Die 37 Quadratkilometer große Insel gilt als besonders schützenswert.

Eine Krabbe hat sich in ein Stück angespülten Plastikmüll verkrochen

Eine Krabbe hat sich in ein Stück angespülten Plastikmüll verkrochen

Doch die Idylle von Henderson Island ist in Gefahr - und schuld daran ist der Mensch, obwohl er die Insel nicht einmal bewohnt. Das Eiland liegt am westlichen Rand des Südpazifik-Wirbels, einem bekannten Müllstrudel, in dem sich vornehmlich Plastikteile ansammeln. Am Strand des UNESCO-Eilands landet der Müll, den Menschen anderswo achtlos ins Meer werfen. Und so kommt es, dass sich auf Henderson Island ungeheure Mengen Müll türmen: Plastikflaschen, Seile, Netze, aber auch Zahnbürsten und sogar Strohhalme. 

Plastikmüll - millionenfach

An den Stränden der Insel türmt sich Müll, den Menschen anderswo achtlos ins Meer geworfen haben

An den Stränden der Insel türmt sich Müll, den Menschen anderswo achtlos ins Meer geworfen haben

 38 Millionen Plastikteile befinden sich den Forschern um Jennifer Lavers zufolge auf der Insel, heißt es in dem Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS). Henderson Island ist nach Auffassung der Wissenschaftler damit der Ort mit der größten je gemessenen Plastikmüll-Dichte weltweit. Bis zu 670 Plastikteile tummeln sich pro Quadratmeter, die meisten davon stammen aus Japan, China, Chile und Peru. Ein trauriger Rekord.

Eine Lösung für das Problem gibt es derzeit nicht. Stattdessen könnte sich die Problematik in Zukunft sogar noch verschärfen: Schon jetzt landen nach Angaben der Ellen-MacArthur-Stiftung jedes Jahr acht Millionen Tonnen Plastik in den Weltmeeren. Das entspricht einer Lkw-Ladung Plastikmüll pro Minute. Bis 2030 könne diese Menge sogar auf zwei Ladungen pro Minute anwachsen, befürchten Experten. Für Inseln wie Henderson Island würde das eine traurige Zukunft als ewige Müllkippe der Weltmeere bedeuten.


ikr

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