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Weniger Ufo-Meldungen in Deutschland

Über Deutschland werden so wenig Ufos gesichtet wie lange nicht mehr. Das könnte sich jetzt ändern: In den nächsten Wochen scheint die Venus sehr hell und könnte als Besuch von Außerirdischen interpretiert werden.

Während E.T., der Außerirdische, in den deutschen Kinos wieder nach Hause telefonieren will, bleiben seine Artgenossen anscheinend lieber der Erde fern. Deutschlands einziges Ufo-Telefon in Mannheim hat so wenig Anrufe wie nie, und laut einer Allensbach-Umfrage glauben immer weniger Bürger an Besucher aus dem All. Über Ostern könnten die Telefone bei Sternwarten und Ufo-Forschern aber wieder klingeln: Grund sind zwei ungewöhnliche Himmelsphänomene.

Venus sorgt für helles Licht

»Wir warten schon darauf, dass die Leute bei uns anrufen und fragen, was das für ein helles Licht flach über dem Horizont ist«, sagt Dietmar Fürst von der Berliner Archenhold Sternwarte. Das »helle Licht« in der Abenddämmerung ist unser Nachbarplanet Venus, der von der Sonne angestrahlt wird. Nach Sonne und Mond ist die Venus im April das hellste Gestirn am Firmament.

In Deutschland ist der Planet vom kommenden Wochenende an im Westen besonders gut zu sehen. Allerdings nur bei klarem Wetter, »und leider ist die Dunstglocke über Städten oft undurchsichtig.« In der Nacht leuchtet außerdem der Schweif des Kometen Ikeya-Zhang am Nordwest-Himmel im Sternbild Andromeda.

Solche Himmelsobjekte sind oft der Grund, warum verwunderte Menschen auch bei Werner Walter in Mannheim anrufen. Der 44-jährige Einzelhandelskaufmann hat seit 1992 ein »Ufo-Telefon« geschaltet. Dort können Bürger anrufen, die am Himmel Ungewöhnliches beobachtet haben. Walter will diesen »zunächst nicht erklärbaren Phänomenen wissenschaftlich nachgehen«.

Immer weniger außerirdische Begegnungen

Nur 20 Mal klingelte das Telefon im vergangenen Jahr. »Das ist ein absoluter Tiefstand«, sagte Walter. Im Jahr 1995 seien es noch 130 Anrufe gewesen. Auch die Deutsche Flugsicherung in Offenbach, die den Luftraum über Deutschland überwacht, bekommt »nur noch vereinzelt Anrufe« von Bürgern wegen angeblicher Ufo-Sichtungen, sagte ein Sprecher.

Einen Grund für den Rückgang kennt Walter nicht. Dafür hat er einen neuen Trend ausgemacht: Menschen filmen ihre Beobachtungen mit digitalen Videokameras. Weil der Autofokus dieser Amateurkameras aber mit den weit entfernten Planeten nicht klarkomme, »entstehen Aufnahmen mit bizarren Lichteffekten, die man durchaus auf den ersten Blick nicht erklären kann«, sagt Walter. Die meisten Beobachtungen und Aufnahmen entpuppten sich aber als Flugzeuge, starke Werbescheinwerfer von Discotheken »oder eben Planeten wie die Venus«.

Der Mannheimer ist Mitglied der »Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften« (GWUP) in Roßdorf bei Darmstadt. Diese publiziert alle zwei Monate die Zeitschrift »Skeptiker«, in der Ufo-Gläubige kritisiert und angebliche Ufo-Beobachtungen widerlegt werden. »Nur sieben Prozent der Beobachtungen können wir nicht erklären. Das liegt aber oft daran, dass wir nicht genügend Informationen über die Beobachtung haben«, sagt Walter.

Diese sieben Prozent sind für Werner L. Forster Grund genug, außerirdische Besucher »nicht auszuschließen«. Der 48-jährige Verleger aus Obergünzburg bei Kempten bringt alle zwei Monate die seit 1956 erscheinende Zeitschrift »UFO-Nachrichten« heraus. In der aktuellen Ausgabe berichten Menschen über »eigenartige Kugeln« und »Hubschrauber aus dem Nichts« in Russland, Zeitreisen eines italienischen Paters und Botschaften aus dem All.

Nur noch 13 Prozent glauben an Ufos

Forster und seine Mitstreiter fühlen sich zu Unrecht von den Ufo-Skeptikern angegriffen. »Wer an Ufos glaubt, wird oft einer Ufo-Sekte zugeschrieben. Dabei wollen wir nur das Undenkbare nicht ausschließen«, sagt Forster. Das »Undenkbare« können sich laut der Allensbach-Umfrage aus dem vergangenen Jahr immer weniger Deutsche vorstellen. Danach glaubten nur 13 Prozent an den Besuch von außerirdischen Flugobjekten. Im Jahr 1995 waren es noch 18 Prozent. Von der bloßen Existenz außerirdischer Lebewesen irgendwo im All ist dagegen einer Emnid-Umfrage zufolge mit 49,7 Prozent fast die Hälfte der Bundesbürger überzeugt.

Aber vielleicht ist der Gedanke, im Weltraum nicht das einzige intelligente Lebewesen zu sein, auch überheblich. Gefragt nach intelligentem Leben im Universum antwortete im vergangenen Jahr der im Rollstuhl sitzende englische Physiker Stephen Hawking: »Gibt es denn intelligentes Leben auf der Erde?«

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