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Statusbericht Planet Erde

Alle paar Jahre legt das IPCC einen Statusbericht zum Klimawandel vor - das Standardwerk für Klimaforscher. Bald wird das vierte, bislang geheime Mammutwerk, der Öffentlichkeit vorgestellt. Eins ist schon jetzt klar: Die Aussichten sind düsterer als beim letzten Bericht aus dem Jahr 2001.

Von Thomas Langkamp

Hunderte Forscher aus aller Welt sind an dem vierten Assessment Report Climate Change 2007 beteiligt, einem Forschungsbericht zum Klimawandel, der bereits in vollem Gange ist. In ihm zusammengefasst sind die Erkenntnisse aus den Klimastudien der vergangenen Jahre - für Klimaforscher eine Bibel. Bereits im dritten Bericht hieß es: Ein bedeutender menschlicher Einfluss auf das Klima ist "wahrscheinlich". Der kommende Bericht soll die Formulierung "sehr wahrscheinlich" verwenden.

Herausgegeben wird der Bericht von einem Forscher-Gremium der Vereinten Nationen, kurz IPCC. Die Forscher haben sich zur Aufgabe gemacht Öffentlichkeit und Politik über die Veränderungen des globalen Klimas zu informieren und sie wollen zeigen, wie die globale Erwärmung abgeschwächt werden kann.

Nicht ganz streng geheim

Der Bericht 2007 wurde geheim gehalten, Regierungen erhielten schon vor Monaten vertraulich zu behandelnde Entwürfe. Die dennoch vorab bekannt gewordenen Daten stammen wahrscheinlich von Informanten aus Regierungskreisen. Zusätzlich sind bereits offizielle Daten einzelner Institute verfügbar, die in den IPCC-Bericht einfließen:

So wird am Deutschen Klimarechenzentrum (DKRZ) in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Meteorologie (MPI-M) in Hamburg ein bedeutender Teil der IPCC-Klimaprognosen berechnet. Dafür braucht es Rechenpower: SX-6-Supercomputer mit zusammen über 192 Prozessoren haben diesen Job erledigt.

Erwärmung für Deutschland: 3,5 Grad Celsius

Laut den Hamburger Forschern wird die mittlere globale Temperatur in der unteren Atmosphäre bis zum Jahr 2100 um 2,5 bis 4,1 Grad Celsius steigen. Im IPCC-Entwurf 2007 wird eine etwas breitere Temperaturspanne angegeben: von 2,0 bis 4,5 Grad Celsius. Abhängig davon, wieviele Treibhausgase wie Kohlendioxid oder Methan noch in die Luft gelangen.

Derzeit liegt die Konzentration von Kohlendioxid bei 380 ppm. So hoch wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte und auch deutlich höher als zu Zeiten vor der Industrialisierung. Bohrkerne aus dem Polareis belegen, dass die atmosphärische CO2-Konzentration mindestens 650.000 Jahre lang nur zwischen 200 und 280 ppm schwankte. Ähnliches gilt für die anderen Treibhausgase.

Als wahrscheinlichsten Temperaturanstieg nennt der Entwurf eine Erhöhung um etwa drei Grad. Damit wird erstmals in einem IPCC-Bericht ein konkreter Wert angegeben. Jedoch werden die Temperaturveränderungen regional sehr unterschiedlich sein. Der Durchschnittswert von 3 Grad berücksichtigt, dass sich manche Regionen wie die über den Ozeanen sogar abkühlen könnten. Sicher ist aber, dass sich die bodennahe Luft deutlich stärker erwärmen wird als die Luft über den Ozeanen. Für Deutschland wird mit einer Erwärmung um 3,5 Grad gerechnet.

Dramatischste Folge der Erwärmung: eisfreier Nordpol

Einer der Schwerpunkte des IPCC-Berichts 2007 sind die Auswirkungen der Erwärmung. Schon in den nächsten Jahrzehnten könnte das Grönlandeises vollständig abschmelzen. Der Meeresspiegel würde deutlich ansteigen. Ein bedrohliches Szenario, da der Großteil der Menschheit an der Küste lebt.

Bei einer verstärkten Verbrennung von Gas, Öl und Kohle (Szenario A2) würde das Meereis der Arktis im Sommer ganz verschwinden. Das optimistischere Szenario B1 nimmt einen Rückgang des Treibhausgas-Ausstoßes an. Folglich würde noch etwas Eis zurückbleiben. Dazu aber dürfte sich der heutige Kohlendioxid-Gehalt bis zum Jahr 2100 nicht mal mehr verdoppeln. Um das zu erreichen, muss die Staatengemeinschaft den CO2-Ausstoß um mindestens 60 Prozent drosseln.

Die möglichen Folgen der Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts fassen die Forscher vom Max-Planck-Institut so zusammen:

- Die stärkste Erwärmung wird in der Arktis erwartet. Sie liegt bis zu dreimal höher als im globalen Mittel (die kritische Temperaturschwelle, bei der das Abschmelzen des grönländischen Eisschilds nicht mehr aufgehalten werden kann, könnte schon bei einer Temperaturerhöhung von 2-4 Grad liegen)

- In Europa nimmt die winterliche Schneemenge um 80-90 Prozent ab, in den Gebirgen um 30-50 Prozent.

- Der Meeresspiegel steigt an der Nordsee um 0,5 Meter, andernorts um mehr als einen Meter. Die Unterschiede ergeben sich aus Veränderungen von Wasserdichte und Meeresströmungen.

- Trockenzeiten dauern weltweit länger an, insbesondere im Mittelmeergebiet, in Südafrika und Australien. Gleichzeitig werden Niederschläge außer in den trockenen Subtropen intensiver. Die Hochwassergefahr steigt.

- Winterstürme in Mitteleuropa werden stärker, im Mittelmeergebiet schwächer. Dieses Ergebnis ist aber noch mit einer großen Unsicherheit behaftet.

- Die Verdünnung des Oberflächenwassers durch Schmelzwasser schwächt den Nordatlantikstrom um etwa 30 Prozent. Wie oft befürchtet führt die Verlangsamung unserer Wärmepumpe jedoch vorerst nicht zu einer merklichen Abkühlung für Nordeuropa. Die Erwärmung durch Treibhausgase überlagert diesen Effekt deutlich.

Der Teufelskreis kann noch durchbrochen werden

Um gegenzusteuern, wäre nach Ansicht der meisten Forscher eine starke Minderung des Treibhausgas-Ausstoßes notwendig.

Beunruhigend jedoch ist ein möglicher Rückkopplungseffekt, der bisher nicht mit eingerechnet werden konnte - die Kohlenstoffkreisläufe der Erde sind noch nicht vollständig erforscht. Je mehr sich die Erde erwärmt, desto schneller steigt die Kohlendioxid-Konzentration. Denn je wärmer Vegetation, Erdboden und Ozean werden, desto weniger können sie Kohlendioxid speichern - ein Teufelskreis. Nur durch massive zusätzliche Energie-Einsparungen oder zum Beispiel durch unterirdische Speicherung von Treibhausgasen könnte er noch durchbrochen werden.

Ebenfalls beunruhigend ist, dass sich Länder wie die USA bisher weigerten, verbindliche Gesetze zu erlassen, um dem Teufelskreis zu entkommen. Und das obwohl die meisten der hier vorgestellten Erkenntnisse bereits seit dem IPCC-Bericht von 2001 vorliegen.

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