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Von Flugservolatoren und schnüffelnden Käfern

Ein Flugservolator, Insekten, die Gifte erriechen und eine Software, die Daten in Bildern versteckt - zum 42. Mal wurden zehn Nachwuchsforscher mit dem "Jugend forscht"-Preis geehrt. Und als ganz besondere Belohnung gibt es ein ganz besonderes Treffen.

Noch lange nach der Preisverleihung fand die 15-jährige Ajescha Prozell aus Berlin kaum Worte: "Beste von Deutschland, na ja", sagte sie strahlend und schaute sich in dem Zelt der Hamburger Beiersdorf AG um. Auf dem Gelände des Sponsors präsentierten auch die anderen Teilnehmer des Wettbewerbs "Jugend forscht" ihre Projekte. "Die wirken doch irgendwie toller", meinte Ajescha. Zehn von 109 vorgestellten Projekte von Nachwuchsforschern sind am Sonntag in Hamburg als Bundessieger ausgezeichnet worden.

"Ich bin mit den Nerven total am Ende"

Unter den Ergebnissen, die in den Augen der Biologie-Siegerin Ajescha toller wirken, fällt vor allem der "Flugservolator" auf: Die Pilotenkanzel eines Segelflugzeugs, auf Achsen montiert, mit Laptop vor dem Sitz und an einen Schaltschrank angeschlossen, zieht schnell die Blicke der Besucher auf sich. Die drei 19- bis 22-jährigen Jungforscher Jürgen Stadelmaier, Matthias Müller und Ralph Strobel aus Baden-Württemberg gewannen mit ihrem Simulator den ersten Preis in der Kategorie Arbeitswelt und werden damit womöglich die Ausbildung von vielen künftigen Segelflugzeugverbessern. Zum 42. Mal hat die Stiftung "Jugend forscht" die Preise in sieben Fachgebieten sowie Sonderpreise vergeben. Vor rund 1.200 Gästen erhielten die jungen Wissenschaftler in einer Feierstunde ihre Auszeichnungen - was manchen mehr Kraft kostete als aller Forscherdrang.

"Ich bin mit den Nerven total am Ende", sagte der 16-jährige Dominik Schubert, der den Sonderpreis des Bundespräsidenten abräumte. Seine Erfindung: Ein Spektrometer, das ähnlich einer Digitalkamera ein Bild aufnimmt, jedoch für jeden Bildpunkt die Farbzusammensetzung analysiert, um so etwa Verunreinigungen im Wasser oder Mineralien sichtbar zu machen. Andere dagegen blieben lockerer, wie die 17- und 18-jährigen Geschwister Dragana und Milan Gerovac aus Hessen, die den Sonderpreis der Bundesbildungsministerin für die beste interdisziplinäre Arbeit erhielten. Sie schlugen zwei Fliegen mit einer Klappe, indem sie aus Gülle Dünger herstellten, der weder stinkt noch der Umwelt schadet. Dragana hatte die Nerven, das Publikum über die Bedeutung des Projektnamens "STM" aufzuklären: "Shit to money. Scheiße zu Geld."

Treffen mit der Bundeskanzlerin

Und auch Raphael Errani, 17-jähriger Gewinner des Sonderpreises der Bundeskanzlerin für die originellste Arbeit, war ganz cool. Anhand der Häufigkeit von Kratern auf der Mondoberfläche hatte er die Wahrscheinlichkeit eines Asteroiden-Einschlags auf der Erde errechnet und wird als Belohnung auch bald einen Termin bei Angela Merkel haben - dem er gelassen entgegensieht: "Beruhigen muss ich sie ja nicht, weil meine Ergebnisse ja eindeutig sind."

Einer anderen Art von Gefahr hat sich der 19-jährige Martin Maas aus Sachsen-Anhalt angenommen. Er erkannte, dass sich über das Internet verschickte Daten verdächtig machen, gerade wenn sie verschlüsselt sind. Denn so erscheinen sie als auffällig unsinniger Zeichensalat. Das rufe beispielsweise regelmäßig die Schnüffler autoritärer Staaten auf den Plan. Martin Maas löste das Problem elegant, indem er eine Software schrieb, die die Daten versteckt, etwa in Urlaubsfotos oder Filmen.

Ajescha gewann mit tierischen Biosensoren

Ajescha Prozell, für die die anderen Projekte alle so toll wirken, hat ihren Preis gerade auf Grund der Einfachheit ihrer Mittel bekommen: Wespen und Kornkäfer. Wegen deren Empfindlichkeit gegenüber Insektiziden machte sie sie zu Biosensoren, um die auch für Menschen giftige Belastung von Räumen zu analysieren. Die Höhe der Schadstoffbelastung variiert dabei je nach dem, welche Tiere zuerst sterben. Weil bisherige Verfahren langwierig, aufwändig und teuer sind, könnte Ajeschas Methode vor allem dort von Nutzen sein, wo das Geld fehlt, etwa in Schulen. Denn, so fasst sie ihr Verfahren zusammen: "Es dauert nicht lang und kostet nicht viel."

Michael Carlin/AP/AP

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