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Deutschland gefährdet eigene Klimaziele

Die Bundesregierung will die Atomwende mit fossilen Kraftwerken abfedern. Der Klimaexperte Mojib Latif übt daran scharfe Kritik: Der Kampf gegen die globale Erwärmung sei auf einem Tiefpunkt angelangt.

Herr Mojib Latif, Deutschland schaltet Kernkraftwerke ab, gleichzeitig wird der Bau von fossilen Kraftwerken forciert. Ist das gut fürs Klima?
Vordergründig bedeutet das zuerst einmal einen höheren CO2-Ausstoß. Wir haben aber noch zwei Möglichkeiten: mehr Energie einzusparen - da gibt es noch ein immenses Potenzial, gerade bei Gebäuden. Und zum anderen noch schneller in die erneuerbaren Energien zu kommen. Es ist schade, dass die Regierung da nicht ambitioniertere Ziele setzt.

Man hört oft, der Emissionshandel wird es schon richten. Stimmt das?
Es hängt davon ab, wie der Emissionshandel ausgestaltet ist. Bis jetzt ist er ein ziemlich zahnloser Tiger. Wenn er so wäre, wie er eigentlich mal konzipiert war, wäre es etwas anderes. Aber es gibt Ausnahmen über Ausnahmen, gerade auch in Deutschland bei den energieintensiven Industrien. So funktioniert das nicht.

Was bedeutet der Ausstieg für die deutschen Klimaziele?
Es besteht die Gefahr, dass wir unser Ziel von 40 Prozent Reduktion der Treibhausgase gegenüber 1990 nicht schaffen. Das ist eigentlich machbar, und wir sind mit gut 25 Prozent schon weit gekommen. Doch das Ziel ist schwerer erreichbar durch die Art des nicht kontinuierlichen Atomausstiegs, wie er jetzt dasteht.

Wie sehr bekämpft die Staatengemeinschaft noch den Klimawandel?
Wir sind auf einem absoluten Tiefpunkt. Eigentlich waren wir auf Uno-Ebene Anfang der 90er-Jahre schon weiter. Heute ergeht man sich nur noch in Wortakrobatik. Heiligendamm, Kopenhagen oder Cancún haben uns alle nicht weitergebracht.

Ist das Zwei-Grad-Ziel nun völlig unerreichbar?
Es ist das Beste, was wir heute noch erreichen können. Wir können praktisch nicht mehr darunter bleiben. Zur Erinnerung: Es geht um zwei Grad mehr am Ende des Jahrhunderts gegenüber der vorindustriellen Zeit. Wir sind ja schon bei 0,7 Grad. Und wegen der Trägheit des Systems kommt mindestens ein halbes Grad ohnehin dazu. Der Trend ist alarmierend: Seit 1990 ist der CO2-Ausstoß weltweit um 40 Prozent gestiegen.

Friederike von Tiesenhausen/FTD
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