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Ein Hauch von "Yes we can"

Eigentlich haben die USA lediglich offiziell anerkannt, was längst bekannt ist: Treibhausgase sind gesundheitsschädlich. Doch immerhin sorgt die Entscheidung für frischen Wind beim Klimagipfel.

Es herrscht fast schon so etwas wie eitel Sonnenschein im winterlichen Kopenhagen. Nachdem die US-Umweltschutzbehörde EPA CO2-Emissionen als gesundheitsschädliches Gift eingestuft hat und US-Präsident Barack Obama notfalls ohne Zustimmung des Kongresses handeln kann, ist die Skepsis der Vortage vorsichtigem Optimismus gewichen. Offizielle Delegationen sehen ebenso wie Umweltschützer die Chancen für ein weitgehendes Klimaabkommen als deutlich gestiegen an - schließlich gehören die USA zu den größten Umweltverschmutzern der Welt. Ein Hauch von "Yes we can" zieht durch die Flure der Tagungsstätten. "Eine großartige Entscheidung", jubelte der Umweltverband World Wide Fund for Nature (WWF).

Auch der Chef des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, stimmte in dänischen Medien in die allgemeine Begeisterung über die Nachrichten aus Übersee ein: "Das ist außerordentlich bemerkenswert." Damit könne die Regierung in Washington selbst entscheiden, wenn es im US-Senat keine Mehrheit für die gesetzliche Regelung von weniger Emissionen gebe.

Von Obama wird nun Plan B erwartet

Und diese Mehrheit ist alles andere als sicher. Bisher stockt das entsprechende Gesetz im Senat. Wirtschaft und Lobbygruppen machen nach wie vor ihren Einfluss geltend, beschwören den wirtschaftlichen Niedergang, sollten sie künftig Umweltschutzregelungen beachten müssen. Dem entsprechen auch die bisher eher zurückhaltenden Verpflichtungen, die die US-Regierung angeboten hat. Die USA wollen sich bisher auf eine Verminderung ihrer CO2-Emissionen um 17 Prozent gegenüber 2005 festlegen. Das entspricht lediglich drei bis vier Prozent gegenüber dem Stand von 1990. Die EU-Staaten haben für diesen Zeitraum eine Verminderung von 20 oder möglicherweise 30 Prozent angekündigt.

Umweltschützer erwarten von US-Präsident Obama nun neue und verbesserte Angebote für den Gipfel. Er hat nach Überzeugung des WWF "eine neue Trumpfkarte und einen Plan B" für den Klimaschutz in der Hand. Ein Sprecher des Umweltschutzverbandes meinte in Kopenhagen, die EPA-Entscheidung sei "sicher völlig bewusst" am ersten Tag des Klimagipfels bekanntgegeben. Die Welt werde nun genau zuhören, wenn Obama Ende nächste Woche nach Kopenhagen komme, so der WWF weiter. Schließlich könne der US-Präsident nun theoretisch einem Klimaabkommen zustimmen, ohne auf Zustimmung des Senats zu warten.

Treibhauseffekt keine Erfindung

Die US-Regierung wandte sich auch gegen Spekulationen, nach denen der Treibhauseffekt eine "Erfindung" von Wissenschaftlern sein könnte. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Erderwärmung seien solide, betonte ein Sprecher des Weißen Hauses - nicht nur mit Blick auf Skeptiker in der US-Wirtschaft. Anlass der Erklärung ist vielmehr der Diebstahl von Hunderten E-Mails eines renommierten britischen Forschungszentrums, die dann - kurz vor dem Beginn des Weltklimagipfels - öffentlich gemacht wurden und von Gegnern von Klimaschutz-Maßnahmen als Hinweis auf Datenmanipulation bei der Klimaforschung gewertet werden.

Unterdessen legte die Organisation Germanwatch in Kopenhagen den Klimarisiko-Index vor, der auf Daten der Müchner Rückversicherung aus den Jahren 1990 bis 2008 beruht. Danach waren Bangladesch, Birma und Honduras in den vergangenen Jahren am stärksten von Wetterkatastrophen betroffen. Unter den ersten zehn bedrohten Ländern ist kein einziges Industrieland. "Die Ergebnisse unterstreichen die besondere Verwundbarkeit der armen Länder durch Klimarisiken", schreibt Germanwatch in dem Report.

Deutschland belegt auf dieser Liste Platz 23. "Es hat viele kleinere Wetterextreme", erläuterte Studienautor Sven Harmeling. "Hinzu kommt der Hitzesommer 2003 mit mehr als 8000 Todesfällen." Die USA finden sich wegen der vielen Hurrikane auf Platz 18 wieder. Zwar sei nicht alles auf den Klimawandel zurückzuführen, doch es sei nachweisbar, dass die Zahl besonders großer Wetterkatastrophen weltweit zugenommen habe, erläuterte Harmeling. Auch die Schäden seien gestiegen, was nicht nur an der dichteren Besiedlung liege. 2008 waren Birma, der Jemen, Vietnam und die Philippinen am stärksten von schweren Unwettern betroffen.

DPA/AP/AFP/AP/DPA

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