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Die große Wanderung hat längst begonnen

Vielen Tier- und Pflanzenarten wird es in den ursprünglichen Lebensräumen schon jetzt zu warm. Eine neue Studie zeigt, dass sie in den vergangenen 40 Jahren schneller als prognostiziert in kühlere Regionen geflüchtet sind - weg vom Äquator oder hoch ins Gebirge.

Der Kommafalter ist eine Schmetterlingsart, die vor zwanzig Jahren noch hauptsächlich in Zentralengland zu finden war. Mittlerweile hat sich ihr Verbreitungsgebiet verändert. Jetzt ist dieser Schmetterling 220 Kilometer weiter nördlich anzutreffen - im schottischen Edinburgh und Umgebung. Der Grund: Dem kleinen Kerl wurde es wohl in seiner ursprünglichen Heimat zu warm.

Während der Klimawandel für einen Großteil der Menschheit noch abstrakt ist, reagiert die Tier- und Pflanzenwelt längst darauf. Das berichten Forscher aus Großbritannien und Taiwan im Fachmagazin "Science". Ihrer Studie zufolge beeinflusst die Erderwärmung Flora und Fauna weitaus stärker als bislang angenommen. Zwei- bis dreimal schneller als bisher vorausgesagt flüchten die Arten in kühlere Regionen.

Flucht zu den Polen

Die Forscher um I-Ching Chen von der University of York haben alle verfügbaren Studien ausgewertet, die sich mit der Verschiebung von Lebensraum befasst haben - meist wanderten die Arten in höhere Regionen oder Richtung Erdpole. Darunter waren unter anderem Vögel, Schmetterlinge, Grashüpfer, Käfer, Spinnen, Bergpflanzen und Algen.

Die Berechnungen zeigen, dass die Arten sich innerhalb eines Jahrzehnts knapp 17 Kilometer vom Äquator entfernen oder sich ihr Lebensraum rund 11 Meter bergaufwärts verschiebt. "Das entspräche einer Bewegung der Pflanzen und Tiere von um die 20 Zentimeter pro Stunde vom Äquator weg und das jede Stunde, jeden Tag des Jahres", sagt der an Studie beteiligte Biologe Chris Thomas. Er erwartet, dass diese Wanderungen mindestens bis zum Ende des Jahrhunderts andauern.

Als erste Studie überhaupt belege die vorgestellte Arbeit, dass eindeutig die globale Erwärmung der vergangenen 40 Jahre für die Verschiebung des Lebensraumes der Arten verantwortlich ist, berichten die Forscher. Entscheidender Hinweis dafür sei die Tatsache, dass die größten Veränderungen bei Arten in den am stärksten erwärmten Regionen auftraten.

Motten fliegen in höhere Regionen

Um sich einen Überblick zu verschaffen, werteten die Wissenschaftler vorhandene Studien aus. Insgesamt konnten sie auf Ergebnisse von mehr als 2000 Tier- und Pflanzenpopulationen zurückgreifen. Beispielsweise hatte sich das Verbreitungsgebiet einer Mottenpopulation am Mount Kinabalu auf Borneo in 42 Jahren um rund 60 Meter nach oben verschoben. Die meisten Daten stammten allerdings aus Europa und Nordamerika.

Trotz der oft allgemeingültigen Aussagen haben die Forscher durchaus auch individuelle Unterschiede festgestellt. So bewegten sich einige Arten wesentlich langsamer, andere deutlich schneller, als die Berechnungen erwarten ließen. Wieder andere Arten wechselten ihren Lebensraum überhaupt nicht oder zogen sich gar vollkommen zurück. Die Ursachen dafür sind nach Ansicht der Forscher vielfältig.

Vom Aussterben bedroht

Während einige Arten nur in ihrem angestammten Gebiet überleben können, reagieren andere bei bestimmten Temperaturgrenzen besonders sensibel. Um genauere Aussagen treffen zu können, seien weitere detaillierte Forschungsarbeiten zu Lebensraum und Lebensweise der einzelnen Arten nötig, so die Forscher. Ihre Arbeit könnte helfen, den Einfluss des Klimawandels auf die Artenvielfalt besser zu verstehen.

Die Schnelligkeit mit der sich manche Arten von ihren angestammten Lebensräumen wegbewegen, deute darauf hin, dass vielen von ihnen aufgrund des Klimawandels tatsächlich das Aussterben drohe, meint Forscher Thomas. Andere Spezies wiederum würden sich erfolgreich neue Lebensräume erobern. "Daher wird es wohl Gewinner und Verlierer geben", so das Fazit des Wissenschaftlers.

lea/DPA/DPA
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