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Zweifel an der Apokalypse

Der Klimawandel ist eines der zentralen Themen auf dem G8-Gipfel. Doch nach wie vor zweifeln Skeptiker an den gut belegten Thesen zur Erderwärmung. Sie warnen vor einer "Klima-Hysterie" und lästern über Umweltschutz als neue Religion.

Nur noch wenige Politiker in der Welt bestreiten die Gefahren globaler Erwärmung - auch wenn US-Umweltschutzverbände behaupten, US-Präsident George W. Bush bekenne sich nur scheinheilig und auf Druck der Weltmeinung zum Kampf gegen Treibhausgase. Doch tatsächlich gibt es in der Wissenschaftswelt weiterhin Kritiker der gängigen Klimatheorie.

Umweltschutz als Glaubensersatz

Skeptiker der Klimadebatte warnen vor Übertreibungen und einer zunehmenden Irrationalität, wenn es um globale Erwärmung geht. Und sie kritisieren Medien, die vor allem besonders alarmistischen Berichten Platz gäben. Der Bamberger Soziologe Gerhard Schulze schrieb jüngst, es sei erschreckend, wie sich der Brauch einschleiche, "sich in Klimadingen bloß noch auf den "weltweiten" Konsens der "renommiertesten" Experten zu berufen, Gegenmeinungen unmoralisch zu finden und alle begründete Skepsis als vorgestrig abzutun".

Manche sehen ein fast religiöses Phänomen in dem Glauben, nur eine radikale Umkehr von den Umweltsünden der Moderne könne die Menschheit retten. Der Soziologe Ulrich Beck beschrieb leidenschaftliches Engagement für Umweltschutz auch als eine Form des Glaubensersatzes in einer verunsicherten Gesellschaft. "Kratz' an einem Umweltschützer und Du entdeckst einen religiösen Fanatiker", schrieb polemisch die konservative US-Publizistin Ann Coulter. Für die Öffentlichkeit wird die Beurteilung der Klimadebatte noch dadurch erschwert, dass sich Wissenschaftler und Verbände gegenseitig beschuldigen, finstere Eigeninteressen zu vertreten.

Die "Klima-Skeptiker" verweisen auf Milliardensummen, die Forschung, Umweltindustrie und Verbände bekommen, wenn apokalyptische Klimavisionen als realistisch eingestuft werden. Im Gegenzug werden die Ketzer einer Klimakatastrophe beschuldigt, von Energiekonzernen und reaktionären Gruppen finanziert und manipuliert zu werden.

Klimaforscher kritisiert "Katastrophengerede"

Der Publizist Michael Miersch zitierte Ende Mai eine Umfrage aus dem Jahr 2003 unter 530 Klimaforschern in 27 Ländern. Dabei hätten der Soziologe Dennis Bray und Hans von Storch, der Direktor des Küstenforschungsinstituts Geesthacht, festgestellt, dass nur jeder zehnte Klimaforscher fest überzeugt sei, dass der Mensch den Klimawandel bewirkt habe. Weitere 46 Prozent tendierten zu dieser Meinung, der Rest habe Zweifel. Diese Studie war allerdings zuvor bereits vom Fachjournal "Science" zurückgezogen worden. Bray musste zwei weitere Artikel in renommierten Fachjournalen zurücknehmen.

Der Hamburger Klimaforscher von Storch tritt zwar für die Begrenzung von Treibhausgasen ein. Er kritisiert jedoch die Berichte des UN-Klimarates IPCC, vor allem aber deren Wahrnehmung in den Medien als "Katastrophengerede". Es gehe heute um "Anpassung an den Wandel". Das aber sei ein "Tabu, das zum Management des Bösen" gehöre. Die Öffentlichkeit habe den falschen Eindruck, "einer einhelligen Wissenschaft gegenüber zu stehen", die von Politik und Bürgern Aktionen fordere. Das stimme aber nicht. In Wirklichkeit habe die Politik die Wissenschaft "gekidnappt", um ein "Privileg des Recht-Habens" zu erhalten.

Die Zweifler der Treibhausgas-Theorie

Trotz der Eindeutigkeit der jüngsten Berichte des UN-Klimarats mit seinen 2500 Forschern gibt es Wissenschaftler, die den international zumeist akzeptierten Papieren nicht trauen. Der als Kritiker in deutschen Medien oft zitierte US-Klimaforscher Richard Lindzen vom Massachusetts Institute of Technology bestritt in der Zeitschrift "Cicero" vehement, dass es einen wissenschaftlichen Beleg für einen wesentlichen Beitrag von Treibhausgasen zur Erderwärmung gebe. Bisher könne nur ein "kleiner, unregelmäßiger Temperaturanstieg" seit 100 Jahren festgestellt werden. Das aber könne auch an üblichen Klimaschwankungen liegen. Lindzen bewertet die IPCC-Modelle über den Klimawandel als hoch spekulativ und beschuldigt Umweltschützer, das "Rad der Geschichte" in eine vorindustrielle Zeit zurückdrehen zu wollen. Das sei "nicht nur vergeblich, sondern auch dumm, unmoralisch und kontraproduktiv".

Argumente, die bei einigen Politikern auf fruchtbaren Boden fallen. "Globale Erwärmung ist ein Mythos", meint der tschechische Präsident Vaclav Klaus. Er wirft Politik und Medien eine "hysterische" Debatte vor. Das Thema Klima diene vielen nur als Vorwand, um die Freiheit der westlichen Welt anzugreifen, meint Klaus.

Auch Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt sagte in der "Bild"-Zeitung, klimatische Wechsel habe es immer schon gegeben, und verwies auf Gehäuse von Meeresmuscheln in seinem Garten in Hamburg 15 Meter über dem Meeresspiegel. Die Klima-Debatte nannte er "überhitzt, auch und vor allem durch die Medien". Es sei "reine Hysterie und dummes Zeug", zu glauben, Beschlüsse in Heiligendamm könnten den Klimawandel aufhalten.

Theorie der Sonnenaktivität gilt als widerlegt

Zudem gibt es eine Reihe von Wissenschaftlern in aller Welt, die keine Klimatologen sind, aber an den gängigen Analysen zweifeln. Wie andere auch macht der Astronom Ismailowich Abdusamatow von der russischen Akademie der Wissenschaft vor allem Sonnenaktivitäten für Temperaturveränderungen auf der Erde verantwortlich. Dies ist jedoch längst widerlegt: "Seit 1940 ist die Sonnenaktivität annähernd konstant", sagt Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Es gebe Hinweise, dass die Sonnenaktivität in der Erdgeschichte eine Rolle für das Klima gespielt habe, in der derzeitigen Erwärmung tue sie das aber nicht.

Laszlo Trankovits/DPA/DPA
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