HOME

Die Letzten ihrer Art

Jedes Jahr steigt die Anzahl der gefährdeten Spezies. Viele von Ihnen könnte es bald nicht mehr geben. Naturschützer veröffentlichten jetzt eine Liste der hundert am stärksten bedrohten Arten.

Zwergfaultiere gehören zu den 100 bedrohtesten Arten der Welt.

Zwergfaultiere gehören zu den 100 bedrohtesten Arten der Welt.

Das Tarzan-Chamäleon, der Kalifornische Schweinswal oder das Zwergfaultier - sie alle könnte es bald nicht mehr geben. Und die rote Liste der bedrohten Tier- und Pflanzenarten wächst stetig weiter: Fast ein Drittel aller bekannten Spezies gilt inzwischen als gefährdet. Einhundert von Ihnen könnten nach Ansicht von Experten schon bald aussterben. Diese alarmierende Bilanz zog die Weltnaturschutzunion IUCN am Dienstag auf ihrem Kongress in Südkorea.

"Alle aufgelisteten Spezies sind einzigartig und nicht zu ersetzen. Wenn sie verschwinden, kann sie kein Geld mehr wiederbringen", kommentierte die Mitverfasserin der Liste, Ellen Butcher von der Zoologischen Gesellschaft von London (ZSL).

Bei den in dem Report aufgeführten 100 Tieren und Pflanzen handelt es sich um größtenteils weitgehend unbekannte, hochspezialisierte Arten mit einem oft sehr begrenzten Lebensraum. Unter Naturschützern sei die Sorge verbreitet, dass ein Aussterben dieser Lebewesen deshalb hingenommen werde, weil sie für den Menschen keinen offensichtlichen Nutzen hätten, teilten die Autoren mit.

Äußerst alamierende Ergebnisse

Spender und die Naturschutzbewegungen gewichteten Tierarten und Lebensräume zunehmend nach ihrem Nutzen für den Menschen, kritisierte ZSL-Direktor Jonathan Baillie. "Das macht es für Artenschützer extrem schwer, die am meisten bedrohten Arten zu retten." Mit ihrer Liste wollen die Verfasser Umweltgruppen nun weltweit für den Schutz dieser vermeintlich "nutzlosen" Arten gewinnen.

So sind Zwergfaultiere (Bradypus pygmaeus) ausschließlich auf einer kleinen Insel vor der Küste Panamas beheimatet. Erst vor zwei Jahren hatten Forscher von der Entdeckung einer neuen Chamäleonart berichtet, die sie nach dem Fantasie-Dschungelhelden Tarzan benannten (Calumma tarzan). Das Tier lebt in den Regenwäldern Madagaskars. Auf der Liste der am stärksten vom Aussterben bedrohten Arten stehen auch der Kalifornische Schweinswal (Phocoena sinus), der Zagros-Molch (Neurergus kaiseri) sowie Pflanzen und Pilze.

Die Umweltstiftung WWF (World Wide Fund for Nature) bezeichnete die Ergebnisse in einer Mitteilung als "äußerst alarmierend" und forderte Sofortprogramme zur Rettung der bedrohten Spezies. Ursache für das Artensterben seien unter anderem die ungebremste Lebensraumzerstörung, der Klimawandel und die Wilderei. "Die hundert Arten auf dieser Liste sind nur die Spitze des Eisbergs", betonte Volker Homes, Leiter Artenschutz beim WWF Deutschland. "Nur der Mensch als Verursacher des Artensterbens kann es auch beenden."

Die IUCN (Genf) ist das weltweit größte Netzwerk staatlicher und nichtstaatlicher Umweltorganisationen. Sie erstellt auch die Rote Liste gefährdeter Arten.

as/jwi/DPA/AFP/DPA
Weitere Themen

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools