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Schwache Dosis für Deutschland

Schon bald erreichen radioaktive Partikel des AKW-Unfalls in Fukushima auch Deutschland. Wissenschaftler beruhigen: Die Dosis, die hierzulande ankommt, werde "kaum messbar" sein.

Von Lea Wolz

Als am 12. März die Geigerzähler in Japan zum ersten Mal ausgeschlugen und erhöhte Radioaktivität in der Umgebung des Kraftwerks Fukushima maßen, war die Katastrophe noch weit weg: Bis radioaktive Partikel aus dem verheerenden Atomunfall bei uns ankommen, so hieß es, könne es zwei bis vier Wochen dauern. Nun meldet das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS): Luftströmungen mit Strahlenlast aus Japan könnten schon in den nächsten Tagen Mitteleuropa und damit auch Deutschland erreichen.

"Wir wissen, dass etwas nach Deutschland kommt", sagt Gerald Kirchner vom BfS zu stern.de. Hinweise liefert den Behörden ein Netz aus ungefähr 60 Stationen weltweit, die eigentlich überwachen sollen, ob ein UN-Abkommen zum Test von Atomwaffen eingehalten wird. Damit kann allerdings auch die Strahlenlast, die von Fukushima um die Welt wandert, nachgewiesen werden. In den vergangenen Tagen hatten Wissenschaftler sowohl in Kalifornien als auch in Island erhöhte Werte gemessen. "Bis Mitteleuropa ist es von da aus nur noch eine kurze Strecke", sagt Kirchner.

Müssen wir uns also Sorgen machen? Nein, sagt Kirchner. Die Aktivität werde "kaum messbar sein". Man erwarte Werte im Bereich von Hunderttausendstel Becquerel pro Kubikmeter Luft. "Diese Strahlenlast entspricht ungefähr dem, was sie zusätzlich abbekommen, wenn sie auf einen Kirchturm steigen", sagt Kirchner. Aus Strahlenschutzsicht sei dies zu vernachlässigen, die gewöhnliche Strahlenbelastung werde durch die radioaktiven Partikel - vornehmlich rechnen die Experten mit radioaktivem Jod und Xenon - nahezu gar nicht beeinflusst.

Belastung bleibt voraussichtlich niedrig

Die Radioaktivität sei daher auch nur mit aufwendigen Methoden in einem Speziallabor nachzuweisen, vermutet Kirchner. Dieses Labor befindet sich in der vom BfS betriebenen Frühwarnstation auf dem Schwarzwald-Berg Schauinsland bei Freiburg, die Teil des weltweiten Messnetzes ist.

Auch langfristig werde die Belastung in Deutschland durch die weite Entfernung zum Unglücksort niedrig bleiben, sagt Kirchner. "Nach allem, was wir bis jetzt sehen, wird sie in diesem Bereich bleiben." Allerdings werde radioaktive Aktivität vermutlich über einen längeren Zeitraum hinweg gemessen. Bis jetzt seien die Werte in Deutschland aber noch nicht gestiegen. "In unserer Probe von heute morgen konnten wir noch nichts nachweisen", sagt der BfS-Experte für Strahlenschutz.

Von den radioaktiven Partikeln, die nun möglicherweise nach Deutschland gelangen, geht nach Einschätzung der Ernährungswissenschaftlerin Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg keine Gefahr für regional produzierte Lebensmittel aus. "Die Warnungen nach Tschernobyl sahen ganz anders aus", sagt sie stern.de. "Damals war die Luft deutlich belasteter. Diesmal werden so geringfügige Strahlenwerte erwartet, dass sie kaum messbar sein werden." Die Milch vom Bauern um die Ecke oder der Kopfsalat könnten daher noch problemlos verzehrt werden.

Importe werden überwacht

Doch wie steht es um importierte Lebensmittel? Sind diese noch sicher? Nach Berichten über erhöhte radioaktive Strahlung in Japan wächst auch in dieser Hinsicht weltweit die Sorge über mögliche Folgen des Reaktorunglücks.

In Deutschland sollen vor allem Fische und Fischprodukte auf radioaktive Strahlung überprüft werden, wie Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) mitteilte. Die Bundesländer hätten die nötigen Maßnahmen eingeleitet, der Bund sammle alle Messergebnisse. "Die deutschen Behörden bleiben sehr wachsam, vor allem was mögliche Importe aus der Krisenregion betrifft", sagte Aigner. Gefahren für Verbraucher sieht die Ministerin derzeit allerdings nicht. Insgesamt würden ohnehin nur wenig Lebensmittel von Japan nach Deutschland importiert. Auch das Thünen-Institut gibt bis jetzt Entwarnung: Im Pazifik seien keine gravierenden Kontaminationen von Fischen zu erwarten, heißt es in einer Mitteilung.

Auch die US-Lebensmittelbehörde kündigte strengere Vorschriften für den Import von Lebensmitteln aus Japan an. Milch und Milchprodukte sowie Gemüse und Obst aus Fukushiam und den nahegelegenen Präfekturen Ibaraki, Tochigi und Gunma müssen auf Radioaktivität untersucht werden, bevor sie in die USA eingeführt werden. Frankreich forderte von der Europäischen Kommission eine "systematische Kontrolle aller frischen Lebensmittel", die aus Japan nach Europa gelangen. Für ein generelles Einfuhrverbot sprach sich das Land nicht aus.

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