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Warum wir die Genkartoffel hassen dürfen

Dass die gentechnisch veränderte Kartoffel Amflora jetzt in Europa angebaut werden darf, muss nicht auf Begeisterung stoßen. Denn bisher hat die Grüne Gentechnik noch keinen Grund geliefert, sie zu schätzen. Das ändert auch Amflora nicht.

Von Nina Bublitz

  • Nina Bublitz

In Deutschland ist die Grüne Gentechnik so unbeliebt wie in kaum einem anderen Land der Welt. Was wenig überrascht. Für die Verbraucher bietet sich hierzulande folgendes Bild: Der Nutzen gentechnisch veränderter Pflanzen ist nicht ersichtlich, die Risiken sind es dagegen. An die Grüne Gentechnik knüpfen sich eigentlich große Versprechen: Pflanzen, die Dürre und Hitze trotzen. Höhere Erträge in der Landwirtschaft, um die stetig wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Weniger Pestizide, so dass die Umwelt weniger Schaden nimmt. Gesündere Lebensmittel, die beispielsweise mehr Vitamine enthalten.

Eingelöst wurden diese Versprechen bisher nicht, obwohl im Jahr 2009 in 25 Ländern von 14 Millionen Landwirten auf 134 Millionen Hektar Land gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut wurden. Das verkündet jedenfalls ISAAA, eine Organisation, die die umfassendste Statistik in Sachen Grüner Gentechnik präsentiert. Da sie jedoch von den großen Saatgutkonzernen wesentlich mitfinanziert wird, sind die von ihr vorgelegten Zahlen, die Jahr für Jahr den Siegeszug dieser Technologie unterstreichen, leider nur bedingt glaubwürdig. Und als würde das noch nicht reichen, gilt Monsanto, der Marktführer der Grünen Gentechnik, seit der Dokumentation "Mit Gift und Genen" der französischen Journalistin Marie-Monique Robin als Sinnbild des bösen Konzerns.

In Deutschland erlitt Monsanto vergangenes Jahr eine Schlappe: Der Anbau der Maissorte "MON 810" wurde verboten - wegen unklarer Risiken für andere Tiere und Pflanzen. Jetzt aber konnte ein Konkurrent punkten: Die EU-Kommission erlaubt, 13 Jahre nach dem Antrag auf Zulassung, dass die gentechnisch veränderte Kartoffel Amflora in Europa angebaut wird.

Wird Papier jetzt günstiger? Wohl kaum

Eine Maßnahme gegen den Hunger in der Welt? Im Gegenteil. Amflora ist gar nicht als Lebensmittel gedacht. Die Knolle produziert Stärke in einer anderen Zusammensetzung als gewöhnliche Kartoffeln und ist somit optimiert für den industriellen Einsatz. Im Werbeprospekt von BASF klingt das so: "Amflora bringt Druckpapier zum Glänzen, sorgt dafür, dass es die Druckfarben besser annimmt und macht es hochwertiger. Amflora sorgt dafür, dass Sprühbeton besser an der Wand haftet. Amflora macht Garn reißfester." Springt der Funke über? Eher kommt wohl der Gedanke auf, dass auch ohne Amflora hochwertiges Papier und reißfestes Garn auf dem Markt sind. Und dass diese Produkte selbst bei einem großflächigen Amflora-Einsatz nicht günstiger werden würden.

Also wieder kein direkter Nutzen für den Verbraucher. Risiken gibt's dagegen schon, auch wenn die EU-Kommission sie als "kontrollierbar" einschätzt. So werden in der Praxis einige Amflora-Knollen auch unter normale Kartoffeln und damit in die Lebensmittelproduktion geraten. Eine Verunreinigung von 0,9 Prozent in Lebensmitteln ist daher freigegeben - dieser Grenzwert gilt auch für andere gentechnisch veränderte Pflanzen.

Antibiotika-Resistenz in der Knolle

Amflora trägt eine Antibiotika-Resistenz in sich. Und diese könnte sich, wenn Amflora gegessen wird, auf Bakterien des Magen-Darm-Trakts übertragen. Die Mikroorganismen würden dann ebenfalls unempfindlich gegen die Antibiotika Kanamycin und Neomycin werden. Beide Medikamente werden von der Weltgesundheitsorganisation als sehr wichtige Antibiotika eingestuft. Kanamycin kommt zum Beispiel bei der Bekämpfung von Tuberkulose zum Einsatz. Dass die Resistenzen von der Knolle übertragen werden, ist zwar ein geringes Risiko - aber trotzdem vorhanden.

Gering sind allerdings auch die Erfolgsaussichten von Amflora. Große deutsche Stärke-Hersteller verkündeten bereits, sie wollen die Knolle nicht anbauen. Aus Sorge, Geschäftspartner zu verlieren. Weil eine vollständige Trennung von normalen und Genkartoffeln nicht umsetzbar ist, dürfte die Lebensmittelindustrie erst einmal ein klares Veto gegen den Amflora-Anbau einlegen. Ob es dabei bleibt, wird man sehen. So oder so: Einen Vertrauensgewinn für die Grüne Gentechnik wird die Knolle nicht bringen. Dafür müssten die Konzerne endlich überzeugendere Ideen präsentieren.

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