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Tierschützer fordern Kastrationspflicht

Belgien will ein großes Programm starten, in dem sämtliche Kater und Katzen kastriert oder sterilisiert werden. Auch in Deutschland sprechen sich Tierschützer dafür aus, weil es zu viele streunende Katzen im Land gibt.

Millionen Deutsche lieben Katzen: Rund 8,2 Millionen Stubentiger leben nach Schätzungen des Tierschutzbunds bundesweit in privaten Haushalten. Hinzu kommen rund zwei Millionen wildernde Katzen - und es werden Tag für Tag mehr. Die schnelle Vermehrung der Katzen bereitet Tierschützern mittlerweile Sorge, sie sehen die Gesundheit der Tiere stark gefährdet.

"Die Tiere sind durch das Streunen oft verwundet, unterernährt und von Parasiten befallen", sagt Thomas Schröder, der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Tierschutzbundes. Zum Wohl der Tiere fordert der Verein daher eine Kastrationspflicht. Insbesondere Privathalter sollten ihre Katzen kastrieren lassen. "Rund die Hälfte der Kater in privaten Haushalten ist nicht kastriert", schätzt Schröder. Da Katzen im Durchschnitt zweimal pro Jahr jeweils rund fünf Junge werfen, vermehren sich diese Tiere schnell. Zahlreiche Katzen bleiben anschließend nicht in den Häusern und Wohnungen, sondern werden zu wilden Katzen.

Bereits vor einigen Monaten legte der Tierschutzbund der für Tierschutz zuständigen Bundesministerin Ilse Aigner eine Verordnung zur Kastrationspflicht vor. Diese werde derzeit geprüft. Das Ministerium habe allerdings darauf verwiesen, dass erst die Kommunen in der Pflicht stünden, bevor der Bund ein Gesetz in die Wege leite, sagt Schröder.

Kastrationspflicht in Paderborn und Delmenhorst

So haben etwa die Städte Paderborn und Delmenhorst bereits eine Kastrationspflicht eingeführt. Andere Kommunen sollen folgen, aber noch schrecken viele aus Kostengründen davor zurück. "Eine Kastration kostet zwischen 80 bis 100 Euro", sagt Tierschutzexperte Schröder. Diese Kosten würden bislang nur dann von der Kommune übernommen, wenn es sich um Fundkatzen halte. Bei allen anderen Kastrationen kämen Tierschützer auf. "Es muss eine Lösung für die Finanzierung gefunden werden, damit weitere Kommunen eine Kastrationspflicht einführen."

Ähnlich sieht es die Bundestierärztekammer. Da sich wildernde Katzen besonders schnell vermehrten, müssten alle Kommunen eine Kastrationspflicht einführen, sagt der Vorsitzende des Tierschutzausschusses der Bundestierärztekammer, Karl Fikuart. "Sonst greift die Maßnahme nicht, da Katzen nicht vor Stadtgrenzen Halt machen". Zudem müssten Tierhalter Verantwortung übernehmen. "Wir fordern eine Änderung des Tierschutzrechts. Es muss ein Gebot geben, das den Tierhalter dazu verpflichtet, seinen Kater zu kastrieren und für diese Kosten aufzukommen." Zusätzlich dazu muss es der Bundestierärztekammer zufolge eine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht geben.

Gewebe zu zerstören ist zwar laut Tierschutzrecht nicht erlaubt, aber es gibt Ausnahmen: Kastrationen dürfen beispielsweise durchgeführt werden, um eine unkontrollierte Vermehrung zu verhindern, erklärt Fikuart.

Belgien plant umfassendes Programm

In Belgien klagen Tierschützer über eine regelrechte Katzenschwemme. Das Nachbarland ist bei der Kastrationspflicht weiter. Der Tierschutzrat im belgischen Gesundheitsministerium hat einen Sechs-Jahres-Plan ausgearbeitet, der vorsieht, bis 2016 sämtliche Kater und Katzen kastrieren oder sterilisieren zu lassen. Immer mehr der Streuner lebten in erbärmlichen Zustand auf den Straßen, sagt die Tierärztin Catherine Terclavers aus dem Ministerium. Und weil die Tierheime überquellten, werde dort jede dritte abgegebene Katze eingeschläfert.

Das Kastrationsprogramm soll im kommenden Jahr starten. Zunächst wird in Tierheimen operiert, in der letzten Phase sollen alle Katzen in Privathaushalten unters Messer.

Seit der Vorschlag publik wurde, tobt eine hitzige Debatte. Das eine Lager tobt über die geplante Verordnung: "Katzen schaden der Gesellschaft nicht", schreibt etwa ein Nutzer mit dem Namen "citoyen" im Blog der Zeitung "Sud Presse". "Mit dem Kastrieren sollten wir bei denen beginnen, die wirklich Schaden anrichten: Politiker, Gangster und so weiter. Viele Tierliebhaber unterstützen dagegen den Plan. "Wenn die Besitzer ihre Katzen nicht streunen ließen, wäre das Gesetz nicht notwendig", meint User "magma". "Aber leider sind die unglückseligen, unterernährten, ausgesetzten Katzen nicht mehr zu zählen."

Ob die Tiere tatsächlich leiden, sorgt in Deutschland für Diskussionsstoff. Tierschutzbundchef Schröder sagt, dass Aigners Ministerium mitteile, dass das nicht bewiesen werden könne. "Wir kennen aber die Lage in den Tierheimen und an den Futterstellen". Die Heime seien überfüllt, die Tiere oftmals krank und die Futterstellen stets leer gefressen.

Patricia Czarkowski und Tobias Schmidt/APN/APN
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