HOME

Die schlafenden Riesen

Sie brechen nur alle paar hunderttausend Jahre aus - aber dann richten sie verheerende Zerstörungen an wie ein Meteoriteneinschlag: Supervulkane, die aus riesigen unterirdischen Magmakammern bestehen.

Es gibt sie fast überall auf der Erde. In Indonesien, auf den Philippinen, in Neuseeland, den USA und auch in Italien schlummern so genannte Supervulkane fast unbemerkt viele 1000 Jahre lang, bis ihre Zeit gekommen ist. Dabei handelt es sich jedoch nicht um die charakteristischen kegelförmige Berge, die alle paar Jahrhunderte ausbrechen und Asche und Lava spucken. Supervulkane sind an der Oberfläche kaum erkennbar - riesige unterirdische Magmakammern, die sich im Laufe vieler Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende füllen und dabei immer größeren Druck aufbauen, der sich hin und wieder in einem gigantischen Ausbruch entlädt.

Auch wenn es in der geschichtlichen Zeit noch keinen gab, erlebte die Erde immer wieder solche Ausbrüche, berichtet das Magazin "bild der wissenschaft". Wie häufig die verheerenden Explosionen auftreten, hängt von der Größe des Vulkans ab: Je größer er ist, desto seltener sind die Ausbrüche. Der Supervulkan, der unter dem Yellowstone-Nationalpark im US-Staat Wyoming liegt, hat beispielsweise eine Magmakammer, die 60 Kilometer lang, 40 Kilometer breit und 10 Kilometer hoch ist und statistisch nur etwa alle 600.000 Jahre ausbricht.

So zerstörerisch wie ein Meteroriteneinschlag

Gegen die Kraft solcher Explosionen erscheint sogar der verheerende Ausbruch des Vesuvs harmlos, der die Stadt Pompeji im Jahr 79 nach Christus zerstörte: Fünf Kubikkilometer Magma stieß der Vulkan aus - nur ein Hundertstel bis ein Tausendstel der Gesteinsmenge, die ein Supervulkan in die Luft schleudert. Die größten diese Vulkane können insgesamt bis zu 5000 Kubikkilometer Material freisetzen.

Im Schnitt muss statistisch betrachtet etwa alle 500.000 Jahre mit einem Ausbruch dieser Größenordnung gerechnet werden. Kleinere mit einem Volumen von 200 bis 300 Kubikkilometern Gestein finden dagegen immerhin alle 10.000 Jahre statt und solche mit 100 Kubikkilometern ausgestoßener Lava ungefähr alle 3000 Jahre. Selbst die kleinen Ausbrüche haben immer noch das Zerstörungspotenzial wie der Einschlag eines Meteoriten mit einem Durchmesser von eineinhalb Kilometern, kommen jedoch vier bis fünfmal so häufig vor.

Diese Zahlen sind jedoch ungenau, denn es sind bei weitem noch nicht alle Standorte von Supervulkanen bekannt. Da sie sich außerdem so lange ruhig verhalten, kann nicht einmal von den bisher entdeckten sicher gesagt werden, wie groß sie eigentlich sind. Hinweise darauf geben hauptsächlich die so genannten Calderen - breite Senken, die entstehen, wenn nach einer Entleerung der Magmakammer die darüberliegende Gesteinsschicht einbricht.

Die größte bisher bekannte ist die des Toba auf der indonesischen Insel Sumatra: Sie ist etwa 75 mal 45 Kilometer groß und bildete sich nach dem letzten Ausbruch des Supervulkans vor knapp 75.000 Jahren, als mehrere 100 Kilometer lange Spalten ungefähr 3000 Kubikkilometer Lava freisetzten.

100 Kilometer lange Spalten voller Lava

Besser abschätzen als ihre Lage und ihre Anzahl können Geologen jedoch die Folgen, die ein Supervulkanausbruch für die Erde hätte: Neben den Primärschäden wie Erdbeben und riesigen Flutwellen würde die Asche des Ausbruchs einen großen Teil der Pflanzen in einem weiten Gebiet um den Vulkan zerstören.

Nach dem Yellowstone-Ausbruch vor 630.000 Jahren war beispielsweise das gesamte Gebiet der heutigen USA betroffen - wobei schon eine Schicht von einem Zentimeter ausreicht, um Feldpflanzen zu töten. Geologen schätzen, dass der Ausbruch des Toba sogar eine Ascheschicht von 15 Zentimetern Stärke hinterließ, und das nicht nur in Indonesien, sondern auch auf dem indischen Subkontinent.

Noch problematischer wären aber die klimatischen Folgen: Die vulkanischen Gase würden in die Stratosphäre gelangen und dort Aerosole aus schwefelsäurehaltigen Tröpfchen bilden. Wie ein Schleier legen sich diese Aerosole um die Erde und fangen die Sonnenenergie ab - mit der Folge, dass die Erde jahrelang auskühlt.

Ein Ausbruchh lässt sich nicht verhindern

In kleinerem Maßstab hat die Menschheit so etwas bereits 1815, nach dem Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora, erlebt: Im folgenden Jahr gab es in Europa und Nordamerika praktisch keinen Sommer, die Temperaturen ähnelten selbst im Juli denen im Winter. Ein Ausbruch wie der des Toba würde die Temperaturen auf der gesamten Nordhalbkugel gar um 10 Grad senken.

Es ist unter Experten völlig unumstritten, dass es in der Zukunft weitere Supervulkanausbrüche geben wird. Verhindern kann man sie nicht - im Gegensatz zu Meteoriteneinschlägen, für deren Abwehr schon heute verschiedene Techniken entwickelt werden. Das einzige, was die Menschheit tun kann, ist die intensive Erforschung der Supervulkane. Nur so könnte der Zeitpunkt eines Ausbruchs vorhergesagt werden, und nur dann könnten Maßnahmen gegen die schlimmsten Folgen ergriffen werden.

Ilka Lehnen-Beyel/DDP/DDP
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools