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Streit ums 24-Millionen-Delfinarium

Mehr Raum und Rückzugsmöglichkeiten sollten die Delfine im Nürnberger Zoo bekommen. Doch der Bau des neuen Delfinariums ist umstritten: Tierschützer kritisieren die Haltung der Meeressäuger als nicht artgerecht. Die Organisation Peta meint sogar, die Tiergärten würden Delfin-Massaker in Japan fördern.

Von Christian Gressner, Nürnberg

Nächsten Monat wird Eisbärin Flocke ein Jahr alt. Doch derzeit gerät der Tiergarten Nürnberg wegen seiner Delfine in die Schlagzeilen: Für die neue Lagune haben Bayerns Umweltminister Markus Söder (CSU), Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) und Tiergartendirektor Dag Encke am Montag den ersten Spatenstich gesetzt. Es klingt erst einmal gut: Die sieben Tiere des Zoos - zwei neue sind am Wochenende aus dem Heidepark Soltau eingetroffen - sollen mehr Platz bekommen. Dafür wird die Wasserfläche von derzeit 700 auf 1540 Quadratmeter erweitert. Wichtig sei dabei vor allem, dass den Delfinen auch Rückzugsräume geboten werden, betont der stellvertretende Tiergartendirektor Helmut Mägdefrau. Hinzu kommt ein Tropenhaus für die Seekühe, das dem Zuschauer den Eindruck eines überfluteten tropischen Urwalds vermitteln soll. Außerdem werden Räume für eine Delfintherapie geschaffen, die der Tiergarten bereits jetzt mit der Universität Würzburg und der Humboldt-Universität Berlin durchführt.

Doch der Bau ist umstritten, Tierschützer veranstalteten sogar eine Mahnwache. Bereits im Vorfeld haben sie die Haltung der Meerestiere als nicht artgerecht kritisiert und bei der Regierung von Mittelfranken beantragt, den Bau nicht zuzulassen. Gegen die Therapie mit einem Großen Tümmler hat das Wal- und Delfinschutzforum (WDSF) am 30. Juli Strafanzeige gestellt. Dieses Tier dürfe nach europäischem Recht nicht kommerziell genutzt werden, sagt der Vorsitzende des Forums, der westfälische Anwalt Jürgen Ortmüller. Außerdem fordert das WDSF, dass zumindest während der Bauphase bis 2011 das Delfinarium geschlossen bleibt, um die Tiere vor dem Lärm zu schützen. Das Forum tritt dafür ein, mittelfristig sämtliche Delfinarien zu schließen.

Delfin-Massaker in Japan

Die Tierschützer von Peta gehen in ihrer Kritik einen Schritt weiter. Sie fürchten, dass der Nürnberger Zoo mit seiner Nachfrage nach Delfinen für Massaker in Japan mitverantwortlich sein könnte. 20.000 Delfine werden nach Angaben von Peta in der Bucht von Taiji bei Tokio abgeschlachtet. Das Fleisch sei für den Verzehr gedacht. Doch "besonders schöne Tiere werden teuer an internationale Delfinarien verkauft und erzielen dabei Preise von etwa 200.000 Dollar", sagte Tanja Breining, die bei dem Tierschutzverein für Meerestiere zuständig ist. Möglich sei daher, dass die Treibjagden erst durch die Nachfrage von internationalen Zoos zustande kommen, so Breining weiter. Denn die Zoos brauchen Nachschub und bislang seien Nachzuchten in Gefangenschaft vielfach gescheitert. "Woher also sollen die Delfine kommen, wenn nicht aus Wildfängen?", so Breining.

Die Kritik weist Tiergartensprecherin Nicola Mögel entschieden zurück. In Nürnberg nehme man schon seit Jahren keine Wildfänge mehr auf. Zwar seien Tiere wie der 48 Jahre alte Delfin Moby und seine fast gleichaltrige Gefährtin Eva vor mehr als 30 Jahren gefangen worden, doch seitdem habe man in europäischen und amerikanischen Zoos ausreichend Nachzuchten bekommen, versicherte Mögel. Die beiden Tiere hätten zudem bereits mehrere Umbauten erlebt und seien den damit verbunden Lärm gewöhnt. Die übrigen Tiere des Zoos haben laut Mögel während Erdarbeiten für das neue Gebäude im September zwar einige Zeit lang das Futter verweigert, sich dann aber rasch an die neue Situation gewöhnt.

24 Millionen Euro soll die Lagune kosten, bis sie voraussichtlich im Mai 2011 fertig gestellt ist. Für Zoobesucher könnte sich daher auch etwas ändern: Der Eintrittspreis könnte steigen. Derzeit kostet der Besuch des Tiergartens 7,50 Euro, der des Delfinariums 4,50 Euro. Ab 2011 werde es einen Einheitspreis geben, sagte Mögel. Die Höhe stehe noch nicht fest.

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