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Ein Goldfisch an der Leine

In der Pubertät kommen Jungs auf furchtbare Ideen. Einmal schenkte mir ein Freund zum Geburtstag einen Goldfisch. Darunter hatten wir beide zu leiden - der Fisch und ich.

Von Carsten Heidböhmer

  Goldfische sind nicht besonders kommunikativ

Goldfische sind nicht besonders kommunikativ

Das ganze Verhängnis nahm an meinem 15. Geburtstag seinen Anfang. Zuvor hatte es mit dem Ehrentag nie Probleme gegeben. Solange ich noch im Grundschulalter war, schenkten mir meine Kameraden Playmobil oder Lego, wie ich es mir gewünscht hatte. Etwas später waren dann "Drei Fragezeichen"-Bücher der Renner. Auch mit allem rund ums Thema Fußball konnte man mir eine große Freude machen. Wunderschöne Jahre waren das, zumindest im Rückblick. Jedes Jahr nette Geburtstagsfeste mit Kakao, Kuchen und ausschließlich brauchbaren Geschenken.

Schwieriger wurde es, als die ungetrübten Jahre behüteter Kindheit sich dem Ende neigten. Auf einmal war fast alles anders: In meinem Gesicht sprossen Pickel, und auch bei den Mädchen meiner Klasse tat sich was. Ihr hervorstechendes Merkmal war nicht mehr, dass sie nie mit Fußball spielen wollten. Überhaupt schien es plötzlich albern, auf dem Pausenhof mit einem Tennisball zu kicken.

Dralle Blondine auf dem Plattencover

Was sollte man sich nun also zum Geburtstag wünschen? Für Playmobil zu alt, für Fußball-Artikel zu cool, ließ ich mir spätestens ab 14 von meinen Klassenkameraden Schallplatten schenken. Wie das nun in dem Alter so ist, besaß nicht jeder meiner Freunde die gleiche Geschmackssicherheit. Während Jörg mit Bruce Springsteens "Born in the USA" eine Platte mitbrachte, für die ich mich auch heute nicht zu schämen brauche, brachte mich Wolfgang mit der LP von Samantha Fox in große Verlegenheit. Mal ganz abgesehen von der Musik - wie sollte ich meinen Eltern das Cover mit der vollbusigen Blondine erklären?

Aus diesem Fehler hatte ich gelernt und gab für meinen 15. Geburtstag die Devise aus: "Lasst euch was einfallen, bloß keine Musik". Das sollte ich noch schwer bereuen.

"Das ist Clemens Bertram",

sagte Holm und überreichte mir mit einem hämischen Grinsen einen Goldfisch in einem mit Wasser gefüllten, durchsichtigen Plastikbeutel. Die Idylle unsere beschaulichen vierköpfigen Normalfamilie (Vater, Mutter, zwei Kinder, keine Tiere) war urplötzlich gesprengt.

Doch auch für Clemens Bertram war es nicht leicht: Mein Verhältnis zu Tieren war bis dato so innig wie das von Oliver Kahn zu Jens Lehmann. Daran hat sich in all den Jahren nicht wirklich was geändert. Man kann nicht sagen, dass der Goldfisch die Liebe und Nestwärme bekommen hat, die er brauchte.

Dass sich auf einmal meine Freunde einmischten und für Clemens Bertram ein besseres Leben einforderten, machte die ganze Angelegenheit auch nicht besser. Um meine Tierschutz-bewegten Kritiker ruhig zu stellen, schaffte ich mir ein kleines Aquarium an, in dem dann mit Engelbert Bartnik ein zweiter Goldfisch sein Zuhause fand.

Die Normalfamilie ist wiederhergestellt

Doch die Geschichte ging nicht gut aus: Nach und nach verloren die einstmals in kräftigem Orange schimmernden Goldfische ihre Farbe, bis eines Tages Clemens Bertram an der Oberfläche schwamm und von mir feierlich in unserem Garten bestattet wurde. Und wie das bei alten Ehepaaren üblich ist, hatte Engelbert Bartnik kurz darauf auch keine Lust mehr, sodass - rechtzeitig zur Volkszählung 1987 - in unserem Haushalt die Normalfamilie wiederhergestellt war. Seither lebe ich glücklich ohne Haustiere, und konnte meinen Freundinnen dies auch bislang immer erfolgreich ausreden.

Vor drei Jahren bin ich nach Hamburg gezogen. Für meine damaligen Freunde bin ich nur "der Fischkopp". Irgendwie gleicht sich im Leben doch alles aus.

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