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Chinas brennende Flöze

Es ist eine globale Umweltkatastrophe und eine gigantische Vernichtung von Energiereserven. Seit Jahren, zum Teil sogar Jahrhunderten kokelt Kohle in Chinas Erde.

Es ist eine globale Umweltkatastrophe und eine gigantische Vernichtung von Energiereserven. Seit Jahren, zum Teil sogar Jahrhunderten kokelt Kohle in Chinas Erde. Experten schätzen, dass die schwelenden Kohleflöze so viel Treibhausgase produzieren wie der gesamte Autoverkehr der USA und zwei bis drei Prozent zum weltweiten Kohlendioxidausstoß beitragen. Was früher meist ein Naturphänomen war, geht heute zum größten Teil auf Bergbau zurück.

Seit den 90ern erst nimmt die Regierung das Problem ernst

"Das Problem ist immer schlimmer geworden", sagt der Experte Guan Haiyin. In sieben Provinzen gibt es heute 56 Brände, allein 38 in der Region Xinjiang im Nordwesten. Von dort zieht sich Chinas Kohlegürtel über 5000 Kilometer quer nach Osten. Jahrzehntelang vernachlässigt, nimmt die Regierung das Problem seit den 90er Jahren ernst. Es gibt erste Erfolge. Früher als erwartet konnten dieses Jahr die Feuer im "Schwefeltal" bei Urumqi gelöscht werden, die zu einem Drittel schuld waren an der Luftverschmutzung der Hauptstadt von Xinjiang. Ein "gewaltiger Erfolg", sagt der deutsche Fachmann Jörg Mazcadlo.

Ein Projekt der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (gtz) hilft durch Messungen und spezielle Bohrverfahren, die Feuer in der Erde zu lokalisieren und beim Löschen die Temperatur zu verfolgen. "Wir helfen, schneller und effektiver zu löschen", sagt Mazcadlo. Meist beginnen die Feuer durch spontane Selbstentzündungen. Je nach Beschaffenheit oxidiert Kohle mit Luft und entwickelt Wärme. Wenn Luftzirkulation zwar Sauerstoff für die Oxidation liefert, aber zu wenig für die Kühlung, steigt die Temperatur. Bei mehr als 80 Grad Celsius sondert die Kohle flüchtige Teile ab, die sich entzünden und einen Schwelbrand auslösen können.

Die meisten Flöze entzünden sich durch menschliche Nachlässigkeit

Auch Blitzschlag, Hitze und Waldbrände können an die Erdoberfläche reichende Flöze entzünden. Aber heute steckt meist der Mensch dahinter: Nachlässigkeit im Bergbau, Sprengungen, Funken, Kurzschlüsse oder Lagerfeuer in Schächten. Die Schließung tausender kleiner oder illegaler Zechen in jüngster Zeit hat das Problem verschärft. Werden die Gruben nicht richtig versiegelt, bildet sich jene gefährliche Luftzirkulation, die Brände entstehen lässt.

Nicht nur 16 Millionen Tonnen Kohlendioxid, sondern auch 2,4 Millionen Tonnen des weitaus schädlicheren Treibhausgases Methan stoßen die Feuer in China jedes Jahr in die Erdatmosphäre aus. Auch andere Kohleabbauländer wie die USA, Indonesien, Indien, Südafrika, Australien und Deutschland kennen solche Kohlebrände, doch im Reich der Mitte ist es ein brennendes Problem. Dabei ist die Eindämmung der Kohlefeuer eine billige Methode, den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) weltweit zu reduzieren. Kostet es 5 bis 15 Dollar, in Deutschland eine Tonne CO2 zu vermeiden, sind es beim Löschen der Kohlefeuer in China nur 0,7 oder 2 Dollar, rechnen Experten vor.

Mit seiner Bergbautradition ist China durchaus erfahren im Kampf gegen die Brände, die mit Wasser heruntergekühlt und mit Schlamm erstickt werden. "Der Geldmangel bleibt das größte Problem", sagt Guan Haiyan. "Alle Feuer zu löschen, ist auch fast unmöglich, solange es Bergbau gibt."

Andreas Landwehr, DPA

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