HOME

Wenn die Erde blutet

Vulkane prägen seit Urzeiten das Gesicht unseres Planeten. Die Lava aus ihren Schloten sind der Menschheit immer wieder zum Verhängnis geworden.

Vulkane prägen seit Urzeiten das Gesicht unseres Planeten. Fruchtbare Asche und Lava aus ihren Schloten, die Geologen Aufschluss über die Entstehung und das Innere der Erde geben, sind der Menschheit aber auch immer wieder zum Verhängnis geworden.

Der Charakter eines Vulkans - der Name stammt vom römischen Feuergott "vulcanus" - hängt entscheidend von der Zusammensetzung des Magmas ab, des glutheißen geschmolzenen Gesteins im Erdinnern. Beim italienischen Ätna, dem größten und aktivsten Vulkan Europas, ist die Lava im Vergleich zu der des ebenfalls wieder rumorenden Mayon (Philippinen) eher dünnflüssig. Je mehr sie erkaltet, desto langsamer fließt sie.

Vulkane sitzen meistens an den Plattenrändern

Zur Zeit gelten weltweit etwa 500 bis 600 Vulkane als aktiv (exklusive die untermeerischen Vulkane). Die Zahl der erloschenen Vulkane wird auf 10.000 geschätzt. Besonders häufig findet man Vulkane an den Rändern der tektonischen Platten. Dort wo Kontinentale oder Ozeanische Platten aufeinander treffen, werden Teile der Plattenkrusten in das Erdinnere getrieben, wo sie sich unter hoher Hitze und Druck zu Magma verflüssigen. Das Magma entsteht in Tiefen von 75 bis 250 Kilometern und kann bis zu 1.250 Grad Celsius heiß sein. Es besteht hauptsächlich aus geschmolzenem Gestein und Gasen. Die chemischen und physikalischen Eigenschaften des glutflüssigen Gemischs, das sich bei seinem Aufstieg an die Erdoberfläche verändert, bestimmen die Art eines Vulkanausbruchs.

In Schloten und Spalten dringt das Magma nach oben und sammelt sich in der sogenannten Magmakammer, in relativ geringer Tiefe, an. Sobald der kritische Überdruck erreicht ist, fließt oder schießt es aus dem Schlot in einer Eruption heraus. An die Oberfläche austretendes Magma bezeichnet man als Lava. Im Laufe der Zeit baut die erhärtende Lava den Vulkan auf.

Sie haben Flash deaktiviert oder nicht installiert. Oder Sie benutzen ein iOS-Gerät.

Granitisches Magma ist explosiver

Gasarmes Magma wie das des Ätna führt zu so genannten effusiven Ausbrüchen. Das glühende Gestein tritt dabei als Lava meist aus Klüften und Spalten an die Oberfläche oder schießt in einer Fontäne in die Luft. Basaltisches Magma ist dünnflüssig. Die in ihm zunächst noch gelösten Gase können beim Aufstieg entweichen. Nach effusiven Ausbrüchen strömen häufig Lavaströme mit Geschwindigkeiten von mehreren Kilometern pro Stunde die Vulkanhänge hinab.

Das relativ silikatreiche und deswegen zähere granitische Magma verursacht dagegen explosive Ausbrüche. Bei diesem Vulkan-Typ kann der Schlot von einer Säule erkalteter Lava verschlossen sein. Sie hält das von aufsteigendem Magma freigesetzte Gas zurück. Baut sich in der Magmakammer ein ausreichend großer Druck auf, kann der Lava- Pfropfen wie der vom Bügel befreite Korken einer zuvor geschüttelten Sektflasche mit einer gewaltigten Explosion weggesprengt werden. Dabei werden tonnenweise heißes Gestein und riesige, zum Teil bis in die Stratosphäre aufsteigende Aschewolken ausgestoßen.

Dagegen quillt aus dem gefährlicheren Mayon, dem aktivsten Vulkan der Philippinen, bei einem Ausbruch sehr zähflüssige Lava heraus. Nach dem Austritt explodiert diese gashaltige Steinschmelze. Eine todbringende heiße Gesteinslawine bildet sich, die sehr schnell zu Tal stürzen kann. Obwohl sich Mayon und Ätna stark in ihrer Magma- Zusammensetzung unterscheiden, sind beide "Schicht-" oder "Stratovulkane". Dieser Typ ist kegelförmig und ziemlich steil.

Unberechenbar sind die Feuerberge rings um den Pazifik wie der Popocatepetl in Mexiko. In ihnen ist das Magma so zähflüssig, dass Gase nicht austreten können und sich stauen - bis alles explodiert. Ganze Bergkuppen können so weggesprengt werden.

Vulkan-Ausbrüche haben nur geringe Auswirkungen auf das Klima

Trotz ihrer gewaltigen Rauch- und Aschewolken beeinflussen Vulkanausbrüche das Klima nur wenig. "Die Wirkung von Vulkanausbrüchen ist nachweisbar, aber es ist nichts, was der Mann auf der Straße merkt", sagt Mojib Latif vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. Lokal könne es durch die Lufttrübung starke Temperaturrückgänge geben. Innerhalb von Tagen falle die Asche aber auf den Boden und werde vom Regen aus der Luft gewaschen. "Längerfristige Effekte gibt es nur, wenn Vulkane die Materie über zehn Kilometer hoch schleudern", sagt Latif. Denn was in diese Höhe - in die so genannte Stratosphäre - gelange, bleibe lange dort.

"Der Schwefel richtet in der Stratosphäre den größten Schaden an", sagt der Münchner Vulkanforscher Donald Dingwell. Die Schwefelsäuretröpfchen verschleierten die Sonne. Zuletzt hätten Forscher nach dem Ausbruch des philippinischen Vulkans Pinatubo im Jahr 1991 beobachtet, dass die Temperaturen in einigen Gebieten um ein bis zwei Grad gefallen oder gestiegen seien. Die Effekte seien unvorhersehbar. "Bei der globalen Temperatur gab es eine kleine Zacke nach unten von einem Zehntel Grad", ergänzt Latif. Der Dreck in der Atmosphäre habe zudem einige Monate lang für tief rote Sonnenuntergänge gesorgt.

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren