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Japan lässt seine Harpunen nicht ruhen

Trotz des 1986 in Kraft getretenen weltweiten Moratoriums gegen den kommerziellen Walfang, tötet Japan weiterhin alljährlich Hunderte von Walen für sein so genanntes "Forschungsprogramm".

Trotz des 1986 in Kraft getretenen weltweiten Moratoriums gegen den kommerziellen Walfang, tötet Japan weiterhin alljährlich Hunderte von Walen für sein so genanntes "Forschungsprogramm". Und auf der diesjährigen Tagung der Internationalen Walfang-Kommission (IWC) vom 16. bis 19. Juni in Berlin bekommt es voraussichtlich Unterstützung. Auch Island will die "wissenschaftliche" Jagd aufnehmen.

Fleisch von Buckel- und Finnwalen nachgewiesen

Walfang in Japan ist nach Ansicht von Walschützern jedoch lediglich ein Vorwand, um den Markt mit Walfleisch zu versorgen. Japan argumentiert, dass man Wale wie andere Tiere als Nahrung nutzen sollte, solange sie nicht vom Aussterben bedroht seien. Folglich sei Japan nur daran gelegen, Wale - wie zum Beispiel Zwergwale, deren Bestände gesichert seien - zu jagen.

Diese Beteuerung erscheint jedoch nach jüngsten Entdeckungen internationaler Umweltschutzorganisation im Zwielicht. So konnte der neuseeländische Wissenschaftler Scott Baker nach Angaben des Internationalen Tierschutzfonds IFAW unter 88 Walfleisch-Proben aus dem freien Handel in zwei Fällen Buckelwal und Finnwal nachweisen. Buckelwale seien seit 1966 streng geschützt, und Finnwale seien zuletzt offiziell 1989 von Island gejagt worden.

Japan sieht in Walen eine Gefährdung für den Fischbestand

Um die Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs zu stützen, argumentiert man in Japan zudem, dass Wale zu einer Gefahr für die Fischbestände geworden seien. Experten halten dieses Argument jedoch für unhaltbar. Schließlich nutzten die meisten Wale andere Nahrungsquellen als der Mensch. Zudem sei es wissenschaftlich weltweit anerkannt, dass die Überfischung durch den Menschen für den Einbruch vieler Fischbestände verantwortlich sei.

Der WWF bezeichnet die Wissenschaft, die von Japans Institut für Walforschung durchgeführt wird, denn auch als "irreführend oder schlichtweg falsch". Meist ignoriere Japan glaubwürdige Daten, wenn diese den eigenen Walfangstrategien widersprächen. Japans Wissenschaft sei eine "bloße Rechtfertigung für die Ausweitung des Walfangs", so der WWF.

Fleisch von für Forschungszwecke gejagten Walen wird frei verkauft

Japans und Norwegens Beharrlichkeit, die IWC-Beschlüsse zu umgehen und trotz des Moratoriums Wale zu jagen, habe die IWC in eine "gefährliche Sackgasse" geführt. Die Japaner mussten sich als Gastgeber der IWC-Konferenz im vergangenen Jahr den bitteren Vorwurf gefallen lassen, mit ihrer Scheckbuch-Diplomatie kleine und arme Entwicklungsländer auf ihre Seite gezogen zu haben, um wichtige Entscheidungsprozesse der IWC zum eigenen Gunsten zu beeinflussen.

Das Fleisch der "zu Forschungszwecken" erlegten Wale wird in Japan auf dem freien Markt verkauft - laut Regierung, um die Wal-Forschung zu finanzieren. Die Wallobbyisten der Regierung stärken sich mit Umfrageergebnissen, wonach etwa zwei Drittel der Bürger - "bei strenger Überwachung" - den kontrollierten Walfang stützen. Laut Kritikern legt die Fragestellung die positive Antwort nahe. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kommt indes zu ganz anderen Resultaten. Danach interessiert sich die Mehrheit der Japaner weder für den Walfang noch für Walfleisch. Wal ist in Japan tatsächlich mehr eine Spezialität für Spezialisten.

Dennoch hat die Regierung versucht, in der Bevölkerung das Essen von Walfleisch als ureigene japanische "Tradition" zu etablieren. Nach Erkenntnissen des WWF verfolgt Japan sogar Pläne, Walfleisch in Schulen wieder auf den Speiseplan zu setzen. Ob die Japaner damit ihrer Gesundheit einen Gefallen tun, ist allerdings fraglich. Denn immer wieder werden Schadstoffe wie etwa Quecksilber gefunden. Bezeichnenderweise hat Japan, das mit Norwegen eigentlich im Frühjahr 2002 wieder den Handel mit Walfleisch aufnehmen wollte, bisher noch keine Genehmigung für den Import norwegischen Walfleisches erteilt - die Konzentration an polychloriniertem Biphenyl (PCB) in Fettproben lag über den japanischen Grenzwerten.

Lars Nicolaysen

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