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Die Geschichte von Ponso, dem Labor-Affen, der vergessen wurde

Weltweit fristen tausende Menschenaffen ein Dasein als Versuchstiere - doch wenn sie nicht mehr gebraucht werden, wollen die Firmen sie oft einfach nur loswerden. Der Schimpanse Ponso lebt auf einer kleinen Insel - einsam und vergessen. Doch nicht von allen.

Ponso trifft auf Estelle Raballand

Ponso freut sich über jeden Kontakt zu anderen Lebewesen - seit drei Jahren ist er ganz alleine auf seiner Insel vor der Elfenbeinküste

Es ist eine sehr traurige Geschichte - die Geschichte von Ponso, dem wohl einsamsten Schimpansen der Welt: Der 40-jährige Menschenaffe lebt seit mehr als 30 Jahren auf einem winzigen Eiland vor der Elfenbeinküste. Ausgesetzt von der New Yorker Blutbank, die einst Versuche an den Tieren anstellte, sie aber nach Ende des Projekts nicht mehr brauchte - und dutzende Schimpansen einfach auf verlassenen Inseln ihrem Schicksal überließ.

Seitdem vor einigen Jahren auch die letzten seiner Artgenossen gestorben sind, ist Ponso ganz alleine auf dem Eiland. Doch existieren hier keine natürlichen Nahrungsquellen für ihn, weswegen er schon lange gestorben wäre, wenn nicht ein örtlicher Wohltäter regelmäßig auf der kleinen Insel halten würde, um das Tier mit einigen Bananen und etwas Brot zu versorgen. Dennoch, Schimpansen sind soziale Lebewesen, die unter Einsamkeit leiden - das wird auch durch die Aufnahmen deutlich, die die Tierschützerin Estelle Raballand vor Kurzem auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichte.

Sie hat Ponso in seinem Exil besucht, die Reaktion des einsamen Menschenaffen ist rührend. Obwohl ihm Menschen in der Vergangenheit Schreckliches angetan haben, ist er überglücklich, Besuch zu bekommen. Überschwänglich umarmt er Raballand bei ihrem Besuch auf der Insel.

Er scheint sich sichtlich zu freuen - und lässt sich von Raballand gerne versorgen. Ponso ist der letzte Schimpanse auf dieser Insel, doch es gibt noch weitere Schimpansen, die auf anderen Inseln ausgesetzt wurden. Über eine geraume Zeit wurden die Tiere noch von der Blutbank geimpft und mit Nahrung versorgt - wie aus einem Bericht der New York Times jedoch hervorgeht, wurde die Versorgung der Tiere letztes Jahr eingestellt. Die Kosten wurden der Blutbank zu viel.

"Niemals zuvor ist mir ein so widerliches Verhalten untergekommen"

Brian Hare, Anthropologe an der US-amerikanischen Duke University, sagte der New York Times damals, “Ich untersuche Menschenaffen nun seit 20 Jahren weltweit und unter jeglichen Umständen - in Laboren, Zoos, in Schutzgebieten und in der Wildnis. Niemals zuvor ist mir ein so widerliches Verhalten untergekommen.“

Seitdem die Tiere nicht mehr versorgt werden, versuchen verschiedene Tierschutzorganisationen den verbleibenden Schimpansen zu helfen. Ein Großteil ist bereits an Unterernährung und Krankheiten gestorben. Das Schicksal der ausgesetzten Primaten scheint dennoch viele Menschen zu berühren. Auf der Crowdfunding-Plattform "gofundme.com" wurden zwei Kampagnen gestartet, bei denen beträchtliche Summen zusammengekommen sind. Doch ist die Versorgung der abgelegenen Schimpansen auch sehr kostspielig. Wie Estelle Raballand heute auf ihrer Facebook-Seite schreibt, wolle sie nun versuchen, Ponso aus seinem Exil zu befreien - und in einem Reservat unterzubringen. 

PONSO- A MIRACLE SURVIVOR ABANDONED BY NYBC:Meet Ponso, lone survivor of 20 lab chimps left to die by the New York...

Posted by New York Blood Center: Do the Right Thing on Donnerstag, 14. Januar 2016
  Enge Bande: Befreundete Schimpansen vertrauen sich – das zeigten Wissenschaftler in einem Versuch.
Menschliche Züge
Affen-Freunde vertrauen sich

Schimpansen sind soziale Tiere: Sie leben in Gruppen und sind mit einigen ihrer Artgenossen sogar befreundet. Diesen schenken sie Vertrauen – ein Verhalten, das dem menschlicher Beziehungen ähnelt.



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