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Wie gefährlich ist die Frucht in Pillen?

Vitaminpräparate seien nicht nur unnötig, sondern mitunter sogar ungesund, warnen Wissenschaftler nach neueren Forschungsergebnissen. Wann sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll - und wann schädlich? Eine Bestandsaufnahme.

Von Kirsten Reinhardt

"Esst Vitamine, denn sie sind gesund!" Den Glauben an die Kraft der Vitamine kann uns niemand nehmen. Sie sind lebenswichtig. Der Körper benötigt sie zur Stimulierung und Steuerung von Stoffwechselvorgängen wie zum Beispiel der Energiegewinnung. Sie stärken die Leistungskraft und Abwehr. Vitamine stecken in unserem täglich Obst und Gemüse, in Milch, Fleisch und Korn, aber: Reicht das? Den meisten Menschen ist nicht klar, welches Vitamin sich worin in welcher Menge verbirgt - und ob sie sich ausgewogen genug ernähren, um aus­reichend versorgt zu sein.

An dieser Unsicherheit verdienen die Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln. Sie empfehlen, zum Wohle der Gesundheit Vitaminzusatzpräparate zu schlucken. Kein schlechtes Geschäft: Gut ein Drittel der Bundesbürger greift regelmäßig zu Vitaminzusätzen. Mehr als 465 Millionen Euro wurden im Jahr 2006 mit Nahrungsergänzungsmitteln umgesetzt, sagt der Branchendienst IMS Health - die Brausetabletten, die in Discountern gekauft werden, nicht mitgerechnet.

Ein paar Vitamine mehr können ja nicht schaden. Oder doch? In jüngster Zeit haben negative Schlagzeilen die Vitamingewissheit erschüttert. Bereits mehrfach kamen wissenschaftliche Arbeiten zu dem Schluss, dass einzelne der Vitalstoffe in Tablettenform schädlich sein können. Anfang des Jahres erregte der serbische Forscher Goran Bjelakovic Aufsehen, als er zusammen mit dänischen Kollegen Ergebnisse einer Übersichtsstudie veröffentlichte, wonach Zusatzpräparate mit Vitamin A, dessen Vorstufe Beta-Carotin und Vitamin E das Sterberisiko erhöhen.

Forschungsergebnisse nicht allgemeingültig

Unerwartete Forschungsergebnisse finden schnell den Weg in die Medien. Doch nicht alle sind allgemeingültig. Wird eine Reaktion im Reagenzglas beobachtet, lässt das nicht darauf schließen, dass sie im komplexen System des Körpers genauso abläuft. Machen große Mengen eines Stoffes den Menschen krank, lässt das nicht automatisch darauf schließen, dass auch schon kleinere Dosen davon schädlich sind. Bei genauerer Betrachtung ist auch das, was Goran Bjelakovic mit seiner Untersuchung herausgefunden hat, nicht so einfach zu übertragen.

"Die Ergebnisse der erwähnten Metastudie stammen zum Teil aus klinischen Studien mit Patienten", sagt Regina Brigelius-Flohé, Professorin für Biochemie der Mikronährstoffe am Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke. "Durch hohe Vitamingaben kann es zu Wechselwirkungen mit Me­dikamenten kommen, was eine höhere Sterblichkeitsrate erklären würde. Man kann nicht zwangsläufig daraus schließen, dass der Effekt bei Gesunden der gleiche ist."

Der Mythos der verarmten Böden

Weil der Körper Vitamine - mit Ausnahme von D - nicht selbst herstellt, müssen wir sie mit der Nahrung aufnehmen. Idealerweise geschieht das mit tierischen wie pflanzlichen Lebensmitteln, die neben den Vitaminen Stoffe in unterschiedlichen Konzentrationen enthalten. "Die verschiedenen Nährstoffe ergänzen sich in ihrer Wirkung und müssen in einem bestimmten Verhältnis zueinander stehen, um einen positiven Effekt zu erzielen", sagt Brigelius-Flohé. Tabletten fehlt das Zusammenspiel mit anderen Inhaltsstoffen, darum können sie nicht dasselbe leisten wie Obst, Gemüse, Milch oder Getreide.

Geschickt haben einige Marketing­leute der Nahrungsergänzungsbranche den Mythos lanciert, unsere Böden seien an Nährstoffen verarmt und natürliche Lebensmittel enthielten nicht mehr so viele Vitamine wie früher.

Tat­sächlich ist wohl das Gegenteil wahr: Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung finden sich sowohl in pflanzlichen als auch in tierischen Lebensmitteln heute im Vergleich zu früher eher höhere Nährstoffgehalte.

Für Schwangere und Alte können Präparate sinnvoll sein

Die Bundesrepublik ist jedenfalls kein Vitaminmangelland. Die Mehrheit der Menschen erreicht die empfohlenen Mengen mit normaler Kost oder überschreitet sie sogar. Nur für bestimmte Risikogruppen kann es sinnvoll sein, Vitaminpräparate zu nehmen: Menschen, die unterversorgt sind, weil sie sich sehr einseitig ernähren oder zu wenig essen; Schwangere sollten auf ihre Vitamin-D-Versorgung achten und unbedingt zusätzlich Folsäure einnehmen. Die Vitamingabe verringert das Ri­siko, dass das Baby mit offenem Rücken zur Welt kommt; bei Leistungssportlern kann es zu einem Defizit an B-Vitaminen kommen; Veganer müssen auf ihre Versorgung mit Vitamin B12 achten.

Auch alte Menschen sind gefährdet, vor allem durch einen Mangel an Vitamin D. "Ein Großteil der Menschen über 75 Jahre ist mangelernährt", sagt Hans Konrad Biesalski, Professor für Ernährungsmedizin an der Universität Hohenheim. "Eine normal dosierte Multivitamin-Supplementierung muss dann sein."

Zusammensetzung oft mangelhaft

Viele der angebotenen Produkte sind jedoch nicht empfehlenswert. "Vitaminpräparate sind oft hoch dosiert und in ihrer Zusammensetzung nicht sinnvoll", warnt Sabine Häberlein, Ernährungsreferentin der Verbraucherzentrale Bayern in München. Mit den Vitaminen aus der Nahrung könnten schnell zu große Mengen zusammenkommen. Das kann unangenehme bis gefährliche Folgen haben.

Zu viel Vitamin A kann Kopfschmerzen, Veränderungen der Haut und Leberschäden auslösen. In der Schwangerschaft führt es zu kindlichen Fehlbildungen. Eine Überdosis Beta-Carotin steigert bei Rauchern das Lungenkrebsrisiko. Zu große Mengen Vitamin D bewirken Kalziumablagerungen in der Niere. Vitamin C im Übermaß kann zu Durchfall und bei Veranlagung zur Bildung von Nierensteinen führen. Viel hilft eben nicht viel.

Dass Vitaminpräparate als Nahrungsergänzungsmittel frei verkauft werden dürfen, macht es den Herstellern leicht: Sie müssen nur die Bestimmungen des Lebensmittelrechts einhalten und - anders als für Medikamente - weder einen Wirksamkeits- noch einen Unbedenklichkeitstest für die Produkte durchführen.

Eine Recherche von stern GESUND LEBEN ergab: Die in Apotheken am häufigsten verkauften Präparate enthalten von einigen Nährstoffen nur einen Bruchteil der Referenzmengen der DGE, bei anderen - etwa Vitamin B6 oder Biotin - liegen die Dosen mehrfach über den empfohlenen Mengen. Auch die Zeitschrift "Ökotest" bewertete im Dezember 2006 etliche Vitaminpräparate als ungenügend, weil die Inhaltsstoffe teilweise weit über oder unter dem empfohlenen Tagessatz lagen. Dabei war der Preis kein Kriterium für Qualität.

Obst und Gemüse sind die beste Wahl

"Es ist unbedingt nötig, dass einheitliche Höchstmengen für Nahrungsergänzungsmittel in Europa fest­gelegt werden", fordert Rolf Großklaus, Leiter der Fachgruppe Diätetische Lebensmittel, Ernährung und Allergien vom Bundesinstitut für Risikobe­wertung in Berlin. Er rät dringend von einer Selbstmedikation mit hohen Dosen ab.

Man solle das Essen von Obst und Gemüse ritualisieren wie das Zähneputzen, empfiehlt der Ernährungsmediziner Biesalski, denn "Obst und Gemüse sind die besten Nahrungs­ergänzungsmittel". Habe man sich, aus welchen Gründen auch immer, eine Zeit lang unausgewogen ernährt, könne man durchaus zu Vitaminzusatzpräparaten greifen - aber nicht wahllos. "Achten Sie auf die Prozentzahl, die angibt, wie viel des Tagesbedarfs mit der Dosierung erreicht wird: Sie sollte für alle Vitamine 100 betragen. So besteht kein Risiko und im Zweifel der größte Nutzen."

Mitarbeit: Corinne Benzing

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