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Verkeimtes kühles Nass

Fäkalkeime, Algen, Pseudomonaden - in öffentlichen Wasserspendern lebt so einiges, was dort nichts zu suchen hat. Bei einer aktuellen Untersuchung war jedes dritte Gerät verkeimt.

Von Angelika Unger

Sie stehen in Supermärkten, Krankenhäusern, Büros und Kindergärten. Sie sind eine Anlaufstelle für Durstige. Und sie können zum Gesundheitsrisiko werden. Denn Wasserspender sind häufig unhygienisch und verkeimt, warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Die Lebensmitteluntersuchungslabore der Bundesländer hatten Proben aus 799 Wasserspendern genommen und untersucht.

"Den untersten Grad der Anständigkeit gibt die Trinkwasserverordnung vor", sagt Lüppo Ellerbroek vom BfR. Höchstens 100 Keime dürfen laut der Verordnung in einem Milliliter Trinkwasser zu finden sein; bestimmte Mikroben, beispielsweise Fäkalkeime, sind gar nicht zulässig. Aber diesen "untersten Grad der Anständigkeit" unterschritt mehr als ein Drittel der getesteten Wasserspender: Die Tester beanstandeten 291 der 799 Proben. "Allein diese Zahlen haben mich erschüttert. Hier stehen wir vor einem erheblichen lebensmittelhygienischen Problem", sagt Ellerbroek. In einigen Proben seien bis zu 250.000 Keime gefunden worden.

Durchfall, Erbrechen und Fieber

Aber wie kommt diese extreme Verkeimung überhaupt zustande? Schließlich muss das Wasser beim Abfüllen der Gallonen hygienischen Mindeststandards genügen - auch wenn nicht klar geregelt ist, ob Wasserspender unter die Trinkwasserverordnung fallen oder gar der strengeren Mineral- und Tafelwasserverordnung genügen müssen. "Wenn die Gallonen lange stehen, vermehren sich die Keime exponentiell, vor allem wenn es warm ist oder der Wasserspender dem Sonnenlicht ausgesetzt ist", sagt Ellerbroek. Sogar Algen könnten dann in den Geräten entstehen.

Gefährlicher als diese sichtbaren Veränderungen sind aber die Mikroorganismen, die man nicht sieht, wie Coli-Bakterien und Pseudomonaden. "Pseudomonaden können Durchfall, Erbrechen und Fieber auslösen", erläutert Ellerbroek. Besonders gefährdet seien Menschen, deren Abwehrkräfte nicht voll funktionieren: Kinder, alte Menschen, Schwangere und alle, deren Immunsystem durch Krankheiten oder Medikamente geschwächt ist. "Im Kindergarten, im Krankenhaus und im Altenheim haben Wasserspender darum nichts verloren."

Auch so genannte coliforme Keime haben in Trinkwasser nichts verloren: "Das sind Darmbakterien, also Fäkalkeime. Sie stellen keine direkte Gesundheitsgefahr dar - aber wenn man sie findet, ist es ein Signal dafür, dass mit der Hygiene etwas nicht stimmt. Sie können außerdem auf gefährliche Erreger wie Salmonellen hindeuten."

Lieber Wasser aus dem Hahn

Wenig appetitlich also, was sich in Wasserspendern nach einer Weile so alles tummelt. Spätestens alle zwei Wochen sollte deshalb die Gallone ausgewechselt und dabei auch die Zapfhähne gereinigt werden, empfiehlt das BfR. Gesetzlich geregelt ist dies jedoch nicht - für Ellerbroek ein Versäumnis. "Beim Bier gibt es eine Schankverordnung, derzufolge die Gastwirte ihre Zapfanlagen regelmäßig reinigen müssen. Das wird auch sehr konsequent umgesetzt - weil das Bier sonst nicht schmeckt. Aber bei Wasserspendern schenkt man der Hygiene offenbar nicht die gleiche Aufmerksamkeit."

Angesichts dieser Befunde mag Lüppo Ellerbroek niemandem so recht nahe legen, seinen Durst mit Wasser aus dem Wasserspender zu löschen. Sein Rat: Wenn möglich, stattdessen Wasser aus dem Wasserhahn trinken. "Wir haben in Deutschland eines der besten Wässer weltweit: Das Trinkwasser, das bei uns aus dem Wasserhahn kommt, hat eine hervorragende Qualität. Da wundert es mich sogar, dass die Leute Mineralwasser kaufen."

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