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Der Herr der Lüste

Mit Schmuddelseiten wie Youporn oder MyDirtyHobby ist er reich geworden. Jetzt ist Fabian Thylmann in Belgien verhaftet worden. Wer ist der Mann, der das größte Porno-Imperium der Welt errichtet hat?

  Das Pornoportal "Youporn" war das populärste Angebot der Manwin Holding, die Fabian Thylmann zugeordnet werden.

Das Pornoportal "Youporn" war das populärste Angebot der Manwin Holding, die Fabian Thylmann zugeordnet werden.

Während die Unterhaltungsindustrie seit Jahren schrumpft und auch die Erotikbranche mit Umsatzrückgängen zu kämpfen hat, hat ein deutscher Unternehmer in den letzten Jahren geräuschlos ein gewaltiges Firmen-Konglomerat aufgebaut. Still und heimlich ist der Deutsche Fabian Thylmann zum "Porno-König" der Welt aufgestiegen, sein Reich umfasst kostenlose Angebote wie bezahlpflichtige. Insgesamt werden seine Internetseiten von 60 Millionen Nutzern aufgerufen - täglich.

Dabei ist der private Mensch immer im Hintergrund geblieben. Über Fabian Thylmann ist nur wenig bekannt, bislang gelang es ihm, sich aus den Medien weitestgehend herauszuhalten. Nicht einmal ein offizielles Pressefoto existiert. Fest steht nur: Thylmann ist 34 Jahre alt, kommt aus Aachen und lebt nach Informationen des "Focus" im belgischen Raeren, kurz hinter der deutschen Grenze. Im Internet kursieren Fotos, die ihn mit Ehefrau und Tochter zeigen. Auf anderen Bildern präsentiert sich der Millionenschwere Unternehmer bebrillt und leger im Kapuzenpulli - darin ähnelt er ein bisschen dem Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.

Als Programmierer erfolgreich

Obwohl er inzwischen ein gewaltiges Firmenimperium beherrscht, ist Thylmann kein gelernter Betriebswirtschaftler. Er gehört zu der digitalen Unternehmergeneration, die als Programmierer angefangen haben. Thylmann programmierte die Software NATS, die ein sogenanntes Affiliate-System organisiert. Damit wird im Netz die Vermittlungsprovision geregelt, was gerade für die Bezahlung erotischer Inhalte interessant ist.

Sein Grundkapital erhielt Thylmann, indem der das Programm 2006 nach Insiderschätzung für einen Millionenbetrag verkaufte. Dann kam YouTube - und revolutionierte das Netz. Denn User können hier die Inhalte selbst hochladen und zum kostenlosen Abruf zur Verfügung stellen. Ähnlich funktioniert ist auch die Internet-Plattform Youporn, auf der Nutzer erotische Inhalte kostenlos zur Verfügung stellen und damit der traditionellen Porno-Industrie das Wasser abgraben.

Thylmann kaufte zunächst die Internetseite PrivatAmateure, doch das war nur der Einstieg. Schrittweise errichtete er ein gigantisches Imperium: Für geschätzt 140 Millionen Dollar investierte er in Porno-Websites mit schönen Namen wie MyDirtyHobby oder Webcams.com. 2007 gründete er den Mutterkonzern Manwin, deren alleiniger Gesellschafter er ist. Zu dem Konzern gehört auch Brazzers.com. Das Angebot nennt sich auf seiner Homepage vollmundig "The World's Best Pornsite!", ist in Wirklichkeit aber ein Bezahlnetzwerk von 29 Anbietern. Seit 2011 vertreibt Manwin auch eben jene Youporn-Plattform, die den Niedergang der Porno-Branche massiv beschleunigt hat und inzwischen die bekannteste Erotik-Website im Netz ist.

16 Milliarden Seitenabrufe im Monat

Die Unternehmensholding Manwin hat ihren Sitz in Luxemburg und ist ein unübersichtliches Konglomerat. Mindestens 35 Firmen gehören dazu. Manwin bezeichnet sich selbst als das "größte Netzwerk für Erwachsenen-Unterhaltung der Welt". Neben der Zentrale in Luxemburg verfügt die Holding über Niederlassungen in Kanada, den USA, Großbritannien, Irland, Deutschland und Zypern. Die zu Manwin gehörenden Seiten kommen auf 16 Milliarden Abrufe im Monat. Damit spielt die Firma in einer Liga mit Amazon und Wikipedia. Die Investitionen kann Thylmann schon lange nicht mehr aus eigener Tasche finanzieren, bei einem New Yorker Hedgefonds soll er sich 362 Millionen Dollar geliehen haben.

Zwar wird nur jeder tausendste Nutzer auf einer der Manwin-Sites tatsächlich zahlender Kunde, wie Thylmann der "Financial Times Deutschland" im Oktober verriet. Bei der großen Menge an Kunden bleibt aber ordentlich was hängen. "Die Leute geben noch Geld aus, man muss ihnen nur zeigen, was sie wirklich haben wollen", sagte er damals der Wirtschaftszeitung. Insgesamt kommt die Holding so auf mehrere hundert Millionen Euro Umsatz und 1000 Mitarbeiter.

Zuletzt gelang Thylmann sogar der Vorstoß ins seriöse Geschäft: Er kooperiert seit 2011 mit dem "Playboy" und erhielt Rechte für "Playboy TV". Auch wenn er sich damit vom Schmuddelimage ein wenig befreien konnte - dauerhaft genützt hat es ihm nicht. Denn seit der vergangenen Woche sitzt er in Belgien in Auslieferungshaft. Die Kölner Staatsanwaltschaft wirft ihm Steuerhinterziehung vor. Die belgischen Behörden prüfen nun, ob sie den Unternehmer der deutschen Justiz überstellen. Thylmann muss erklären, ob er mit der Auslieferung einverstanden ist. Ist dies der Fall, kann er innerhalb von zwei Wochen überstellt werden. Sollte er dagegen Einwände erheben, verzögert sich die Entscheidung um sechs bis acht Wochen.

Thylmann wies die Gerüchte stets zurück

Worin genau die Verfehlung von Thylmann bestehen soll, dazu äußert sich die Kölner Staatsanwaltschaft nicht: Es gilt das Steuergeheimnis. Gerüchte stehen schon länger im Raum. Mitte September hatte die "Welt am Sonntag" anonym eine Steuerkanzlei mit der Behauptung zitiert, Manwin sei "ein Fall für die Steuerfahndung". Dagegen hatte Thylmann eine einstweilige Verfügung erwirkt, gegen die die Sonntagszeitung Widerspruch eingelegt hat. Am 19. Dezember entscheidet ein Gericht darüber.

Doch der Ausgang dieses Prozesses ist nur Nebensache. Viel schwerwiegender sind die nun gegen ihn erhobenen Vorwürfe der Steuerhinterziehung. Offenbar geht es dabei um große Summen - denn die eigentlich zuständige Staatsanwaltschaft Aachen hat das Verfahren an die Spezialisten in Köln abgegeben. Bislang hat Thylmann die Beschuldigungen immer zurückgewiesen, zuletzt in der "FTD": "Diese Vorwürfe haben weder Hand noch Fuß." Manwin sei zwar "steueroptimiert" aufgebaut, das als Steuerhinterziehung zu deuten, sei jedoch "nicht korrekt".

Keine Frage, dass das Internet für viele wegen der frei zugänglichen Erotikinhalte ein schlechtes Image hat, daran ist auch Thylmann nicht unschuldig. Doch nicht dafür möchte ihn die Staatsanwaltschaft belangen, sondern für seinen offenbar kreativen Umgang mit Steuergesetzen.

che

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