. .
Panorama-Nachrichten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
15. Juli 2008, 12:12 Uhr

Extrem-Bergläufer sind erfroren

Die beiden an der Zugspitze umgekommenen Bergläufer sind an Unterkühlung gestorben. Das ergab die Obduktion der Leichen. Allerdings kommen bei einem der Männer auch Herz-Kreislaufprobleme als Todesursache infrage. Dem Veranstalter des Berglaufs könnte nun ein Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Tötung drohen.

Helfer der Bergwacht tragen einen verletzten Läufer in einen Hubschrauber© AP

Der Tod von zwei Sportlern beim Extrem-Berglauf auf die Zugspitze geht vor allem auf Unterkühlung der Männer zurück. In einem Fall habe die Obduktion Unterkühlung als Todesursache ergeben, beim zweiten Opfer kämen daneben auch Herz-Kreislaufprobleme infrage, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München.

Ein 41-Jähriger aus dem nordrhein-westfälischen Witten und ein 45 Jahre alter Sportler aus Ellwangen in Baden-Württemberg waren bei dem Lauf unter dem Gipfel des 2962 Meter hohen Berges nach einem Wettersturz trotz Wiederbelebungsversuchen gestorben. "Ich kann nur mein tiefstes Bedauern ausdrücken", sagte der Veranstalter des Extremlaufes, Peter Krinninger.

Die Staatsanwaltschaft habe ihn als Zeugen vernommen und ihm geraten, in der Öffentlichkeit nicht Stellung zu nehmen, berichtete Krinninger. Je nach Verlauf der Vorermittlungen könnte Krinninger ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung drohen.

"Wir sind dabei, zu prüfen ob wir einen Anfangsverdacht haben", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Rüdiger Hödl. Die Anklagebehörde untersucht derzeit die Umstände des Unglücks. Zunächst sollen Zeugen und Betroffene vernommen und Wetterdaten eingeholt werden. "Wir prüfen einzelne Parameter, die für uns wichtig sind. Dann erst werden wir entscheiden, ob wir ein Ermittlungsverfahren einleiten", sagte Hödl. Die Entscheidung werde nicht mehr am Dienstag fallen.

Bei dem Lauf mit rund 600 Teilnehmern auf Deutschlands höchsten Berg waren auch sechs Sportler mit Unterkühlungen und völlig erschöpft ins Klinikum Garmisch-Partenkirchen gebracht worden. Die fünf Männer und eine Frau zwischen 27 und 58 Jahren konnten jedoch nach einem Tag das Krankenhaus wieder verlassen. Bis zu 100 Helfer waren im Einsatz, um die frierenden, erschöpften und vielfach nur leicht bekleideten Läufer im Schneetreiben zu versorgen.

Es war der achte Extremlauf auf die Zugspitze. Im Vorjahr wurde nach Angaben eines Teilnehmers wegen schlechten Wetters nicht bis zum Gipfel gelaufen. Die Distanz beträgt 16,1 Kilometer bei 2100 Metern Höhenunterschied.

DPA
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
GlobalKlaus (15.07.2008, 15:19 Uhr)
Wenn jetzt noch jemand sagt, dass ..
... Eigenverantwortung nicht relevant ist dem sind diese O-Töne angeraten!
Andere Läufer sehen keinerlei Versäumnisse. "Es ist ein Extremlauf, das wusste man", sagt die 54-jährige Rosi Bayer aus Mittenwald, die in 3:28 Stunden problemlos den Gipfel erreichte. "Mir ging es bis oben hin gut. Für mich war der Lauf sehr schön." Die bergerprobte Sportartikelverkäuferin räumt aber ein: "Ich habe noch nie einen so schnellen Wetterumsturz erlebt." Unterwegs seien ihr Läufer nur in T-Shirts begegnet, mit einer Frau im Netz-Shirt sei sie beinahe in Streit geraten, weil sie ihr zur Umkehr riet. Auch der 69-jährige Georg Groß aus Marktoberdorf kam gut an - 3:27 Stunden brauchte er, seine Bestzeit lag bei 2:55 Stunden. "Ich war patschnass und durchgefroren", sagt er. Aber: "Den Veranstaltern kann man nichts vorwerfen." Jeder laufe auf eigene Verantwortung - die Temperaturen zum Start seien sogar angenehm gewesen.
Meteorologen hatten für das Wochenende schlechtes Wetter angesagt. Es habe unterschiedliche Warnungen vor Dauerregen, Sturmböen, Hagel und Gewitter gegeben, sagte der Leiter des Deutschen Wetterdienstes München, Volker Wünsche. Es sei klar gewesen, dass am Sonntag die Schneefallgrenze auf etwa 2500 Meter sinken würde. "Das ist ein Vorgang, der ganz normal ist im Hochgebirge", sagt Wünsche. "Im Internet hätte man sich darüber informieren können." Die Sportler seien schon weit oben gewesen, als sich das Drama abspielte, sagt der Weilheimer Polizeisprecher Klaus Schürgers. Nur 100 bis 200 Höhenmeter trennten die beiden Läufer vom rettenden Ziel, als sie zusammenbrachen und starben. "Die Läufer befinden sich wie in einem Tunnel - es geht nur noch nach vorne", erläuterte Schürgers. "Auch für die Streckenposten ist oft schwer zu erkennen, wen man eigentlich aus dem Rennen nehmen müsste."
Chaotische Szenen schildert auch Thorsten Klein aus Idar- Oberstein. Der 28-jährige Zeitsoldat, der mehrere Marathonläufe mitgemacht hat, half mit anderen einer Frau, die kurze Hose, Handschuhe und Mütze trug, bis zum Bergbahnstation Sonnalpin auf 2576 Metern Höhe. "Sie konnte gar nicht mehr gerade gehen, weil sie so gefroren hat, konnte keinen Fuß mehr vor den anderen setzen." Jemand habe versucht, die Bergwacht zu alarmieren. "Sie waren schon so überlastet, da konnte sich keiner um uns kümmern." Oben habe die Frau eine Infusion und Sauerstoff bekommen. Zwei Räume der Bergstation seien voll gewesen mit völlig erschöpften, frierenden Läufern, die teils ihre Füße im warmen Wasser wärmten.
Viele hätten keine Wahl mehr gehabt als weiterzulaufen, weil es nach oben schon kürzer war als zurück, sagte Systemtechniker Schurig. Die Unterkühlung habe ein Übriges getan - klares Denken sei unter dieser Extrembelastung nicht unbedingt mehr möglich: "Wenn jemand unterkühlt ist, der läuft - der läuft auch auf den Abgrund zu, weil er das nicht mehr mitkriegt." Viele seien aus dem Flachland angereist. "Denen fehlt die Trittsicherheit und das Vermögen, eine Krise einzuschätzen - sie verlassen sich auf den Veranstalter", sagt der 39-Jährige. "Wenn man einen Extremlauf zum Volkslauf degradiert, muss man sehen, wo man am Ende landet."
Kein Zurück für Bergläufer mit "Tunnelblick"
GARMISCH-PARTENKIRCHEN (dpa) "Wir wollten nur noch aus der Wand raus", schildert am Montag der 39-jährige Dirk Schurig aus dem oberbayerischen Waakirchen die letzten Meter vor dem rettenden Ziel. Zwei Männer - darunter ein Sportler aus Ellwangen (Ostalbkreis) schafften es nicht mehr - sie starben kurz unter dem Gipfel des 2962 Meter hohen Berges an Erschöpfung und Unterkühlung. Fünf weitere Männer und eine Frau wurden einen Tag im Klinikum Garmisch- Partenkirchen behandelt. Die Staatsanwaltschaft hat sich eingeschaltet, zunächst wurde aber nicht konkret wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.
"Wir haben alle gezittert im Laufen, keiner konnte mehr etwas sagen", sagt Schurig, der Achter wurde und dessen Finger einen Tag später noch von der Kälte schmerzten. Oben im Klettersteig an den Seilen sei es nur noch darum gegangen, irgendwie durchzukommen. Schon die Ersten und Besten seien völlig erschöpft und ausgekühlt angekommen, sagt der Systemtechniker. Zu dieser Zeit hätte die Strecke seiner Ansicht nach weiter unten abgeriegelt werden müssen. "Man kann froh sein, dass nicht mehr Schnee gefallen ist, dann hätte es vielleicht noch mehr Tote gegeben."
Andere Läufer sehen keinerlei Versäumnisse. "Es ist ein Extremlauf, das wusste man", sagt die 54-jährige Rosi Bayer aus Mittenwald, die in 3:28 Stunden problemlos den Gipfel erreichte. "Mir ging es bis oben hin gut. Für mich war der Lauf sehr schön." Die bergerprobte Sportartikelverkäuferin räumt aber ein: "Ich habe noch nie einen so schnellen Wetterumsturz erlebt." Unterwegs seien ihr Läufer nur in T-Shirts begegnet, mit einer Frau im Netz-Shirt sei sie beinahe in Streit geraten, weil sie ihr zur Umkehr riet. Auch der 69-jährige Georg Groß aus Marktoberdorf kam gut an - 3:27 Stunden brauchte er, seine Bestzeit lag bei 2:55 Stunden. "Ich war patschnass und durchgefroren", sagt er. Aber: "Den Veranstaltern kann man nichts vorwerfen." Jeder laufe auf eigene Verantwortung - die Temperaturen zum Start seien sogar angenehm gewesen.
Meteorologen hatten für das Wochenende schlechtes Wetter angesagt. Es habe unterschiedliche Warnungen vor Dauerregen, Sturmböen, Hagel und Gewitter gegeben, sagte der Leiter des Deutschen Wetterdienstes München, Volker Wünsche. Es sei klar gewesen, dass am Sonntag die Schneefallgrenze auf etwa 2500 Meter sinken würde. "Das ist ein Vorgang, der ganz normal ist im Hochgebirge", sagt Wünsche. "Im Internet hätte man sich darüber informieren können." Die Sportler seien schon weit oben gewesen, als sich das Drama abspielte, sagt der Weilheimer Polizeisprecher Klaus Schürgers. Nur 100 bis 200 Höhenmeter trennten die beiden Läufer vom rettenden Ziel, als sie zusammenbrachen und starben. "Die Läufer befinden sich wie in einem Tunnel - es geht nur noch nach vorne", erläuterte Schürgers. "Auch für die Streckenposten ist oft schwer zu erkennen, wen man eigentlich aus dem Rennen nehmen müsste."
Chaotische Szenen schildert auch Thorsten Klein aus Idar- Oberstein. Der 28-jährige Zeitsoldat, der mehrere Marathonläufe mitgemacht hat, half mit anderen einer Frau, die kurze Hose, Handschuhe und Mütze trug, bis zum Bergbahnstation Sonnalpin auf 2576 Metern Höhe. "Sie konnte gar nicht mehr gerade gehen, weil sie so gefroren hat, konnte keinen Fuß mehr vor den anderen setzen." Jemand habe versucht, die Bergwacht zu alarmieren. "Sie waren schon so überlastet, da konnte sich keiner um uns kümmern." Oben habe die Frau eine Infusion und Sauerstoff bekommen. Zwei Räume der Bergstation seien voll gewesen mit völlig erschöpften, frierenden Läufern, die teils ihre Füße im warmen Wasser wärmten.
Viele hätten keine Wahl mehr gehabt als weiterzulaufen, weil es nach oben schon kürzer war als zurück, sagte Systemtechniker Schurig. Die Unterkühlung habe ein Übriges getan - klares Denken sei unter dieser Extrembelastung nicht unbedingt mehr möglich: "Wenn jemand unterkühlt ist, der läuft - der läuft auch auf den Abgrund zu, weil er das nicht mehr mitkriegt." Viele seien aus dem Flachland angereist. "Denen fehlt die Trittsicherheit und das Vermögen, eine Krise einzuschätzen - sie verlassen sich auf den Veranstalter", sagt der 39-Jährige. "Wenn man einen Extremlauf zum Volkslauf degradiert, muss man sehen, wo man am Ende landet."
(Erschienen: 15.07.2008) SZON
MEHR ZUM ARTIKEL
Drama auf der Zugspitze Schuldsuche nach dem Todeslauf

Zwei Bergläufer kommen auf der Zugspitze ums Leben. Sie waren leicht bekleidet, starben im Schneetreiben. Wie konnte dieses Unglück passieren? Ein Grund für den dramatischen Ausgang des Laufs könnte die mangelnde Kommunikation zwischen zwei Verbänden sein. mehr...

Zugspitze Staatsanwalt ermittelt nach Todeslauf

Das tödliche Rennen auf die Zugspitze hat ein juristisches Nachspiel: Staatsanwälte und Polizei prüfen derzeit, ob es bei dem Extrem-Berglauf ein Verschulden Dritter gibt. Zwei Läufer waren nach einem Wetterumsturz bei dem Wettlauf ums Leben gekommen. mehr...

Drama auf der Zugspitze Der Bergtod des Hans P.

Laufen war sein Hobby, nun kostete ihn der Sport das Leben: Hans P. aus dem baden-württembergischen Ellwangen ist einer der beiden Todesopfer des Extremberglaufs auf die Zugspitze. Der 45-jährige Familienvater war nicht nur ein erfahrener Läufer, sondern auch selbst ein Lebensretter. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe