22. April 2012, 06:55 Uhr

Über 100 Verletzte nach Frontalzusammenstoß

Am frühen Samstagabend sind in Amsterdam ein Schnellzug und ein Regionalzug aufeinandergeprallt. Über hundert Menschen wurden verletzt, 13 schweben in Lebensgefahr.

Bei einem Frontalzusammenstoß von zwei Zügen im Zentrum von Amsterdam sind am Samstagabend über hundert Menschen verletzt worden. Nach Angaben eines Sprechers der niederländischen Bahn prallten ein Schnellzug und ein doppelstöckiger Schnellzug unweit des Bahnhofs von Amsterdam-Sloterdijk aufeinander. Die Ursache des Unfalls ist noch unklar.

Feuerwehr und Polizei sprachen nach niederländischen Medienangaben am späten Abend von insgesamt 136 Verletzten. In einem anderen Bericht ist von 125 Verletzten die Rede. Mindestens 56 davon seien schwer verletzt, berichtet der Niederländische Rundfunk, 13 davon befänden sich in einem kritischen Zustand.

Die Verletztenzahl sei vermutlich so hoch, weil viele Passagiere zum Unglückszeitpunkt gestanden hätten oder noch auf der Suche nach einem Sitzplatz gewesen wären. Laut einem Polizeisprecher waren bis zum späten Abend alle Passagiere aus den Zügen gerettet. Doch der Frontalzusammenprall ging noch relativ glimpflich aus. Keiner der beiden Züge stürzte um. Die Zeitung "Volkskrant" veröffentlichte Fotos, die die beiden beschädigten Züge auf einem Gleis stehend zeigen. Die Vorderteile der Lokomotiven sind stark beschädigt, zahlreiche Fenster zerborsten. Die Verletzten hätten vor allem Knochenbrüche und Prellungen erlitten, sagte ein Sprecher der Bahngesellschaft.

Zugbetrieb eingestellt

Nach Angaben der Aufsichtsbehörde für das niederländische Schienennetz, ProRail, war einer der beiden Züge auf dem Weg nach Uitgeest Richtung Westen. Der andere Zug sei nach Nimwegen im Osten der Niederlande unterwegs gewesen, sagte ProRail-Sprecherin Babet Verstappen. Auf einer Brücke zwischen dem Bahnhof Sloterdijk und dem Hauptbahnhof von Amsterdam sei es zu der Kollision gekommen.

Augenzeugen berichteten der niederländischen Nachrichtenagentur ANP zufolge, sie hätten zunächst das Warnsignal eines Zuges gehört, dem Sekunden später das Geräusch des Aufpralls folgte. Laut einem Fernsehbericht soll der Zusammenstoß aber "nicht besonders stark" gewesen sein. Innerhalb von acht Minuten seien die ersten Rettungskräfte an der Unfallstelle gewesen. Sie verschafften sich teilweise mit Leitern Zugang zu den Waggons und hebelten Türen auf. Wegen des Unfalls wurde auch der Zugbetrieb zwischen dem Hauptbahnhof in Amsterdam und dem Flughafen Schiphol eingestellt.

"Ich bin nur gegen das Fenster geknallt", meldete ein Passagier über das Netzwerk Twitter. "Mein Abteil der 1. Klasse war leer, aber die 2. Klasse war sehr voll." Ein Sprecher der Bahngesellschaft sagte, der Sachschaden sei sehr hoch.

Das schlimmste Zugunglück in den Niederlanden ereignete sich am 8. Januar 1962, als zwei Passagierzüge in Harmelen aufeinander prallten. Damals starben 93 Menschen, 52 weitere wurden verletzt.

jwi/DPA/AFP
 
 
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