Zwei Jahre ist es her, dass der Tsunami vor allem Indonesien und Sri Lanka heimsuchte. Die Bilanz des Wiederaufbaus der zerstörten Regionen ist durchwachsen: An einigen Orten blüht der Tourismus wieder, an anderen Orten geraten die Hilfsorganisationen in die Kritik. Von Michael Lenz

Auch zwei Jahre nach der Tsunami-Katastrophe leben noch viele Familien in Notunterkünften© Lakruwan Wanniarachchi/AFP
"Ich brauche keinen besonderen Tag, um an Keong zu denken", sagt Sam Schwartz. "Ich vermisse ihn jeden Tag." Keong war der Geschäftsführer des kleinen Boutique Hotels "Club One Seven" in Patong Beach auf Phuket und Lebenspartner des in Singapur lebenden Schwartz. Das Hotel ist am 26. Dezember 2004 von dem Tsunami total zerstört worden und Keong starb in den Fluten. Für Schwartz und die anderen Miteigentümer des Hotels war es eine schwierige Entscheidung, "Club One Seven" wiederzueröffnen, wenn auch an einem anderen Ort, in sicherer Entfernung vom Strand. "Für uns ist das ein Weg, das Andenken an Keong zu wahren und zu ehren", sagt Schwartz.
"Club One Seven" ist in der zweiten Hauptsaison nach dem Tsunami auf Wochen hinaus ausgebucht. Wie auch der Rest von Phuket. "Phuket hat die beste Saison seit vielen Jahren", strahlt Wolfgang Meusburger, Generalmanager des Holiday Inn Patong, das auch durch den Tsunami stark zerstört worden war. Die asiatischen Urlauber kämen nach Phuket zurück, aber auch die Europäer. Und offenbar ist des einen Leid des anderen Freud. Terrorbomben in Bali und der Militärputsch auf Fidschi treiben die Australier aus ihren traditionellen Urlaubsgebieten nach Phuket.
Stärker als Phuket war das Urlaubsparadies Kao Lak auf dem thailändischen Festland betroffen. Über 5000 Tote hat die Monsterwelle gefordert. Aber Kao Lak stand im Schatten des weltweit bekannteren Phuket und so gingen auch viele der Spenden und Hilfsgüter nach Phuket und nicht nach Kao Lak. Auch Kao Lak ist dabei, sein Comeback zu machen. Von einstmals gut 5000 Hotelbetten stehen in dieser Saison wieder 3000 zur Verfügung und sind weitgehend ausgebucht.
Zum zweiten Jahrestag des Tsunami wird Kritik an den Hilfsorganisationen, aber auch an den Geberländern, laut. Viele Regierungen hätten ihre großzügigen finanziellen Hilfsversprechen nicht eingehalten. Zudem gehe der Wiederaufbau von Häusern, Schulen und Krankenhäusern nur schleppend voran. Was Hilfsorganisationen nicht bestreiten. Von 15.000 benötigten Häusern alleine im Distrikt Batticaloa im Ostern Sri Lankas sind zwei Jahre nach dem Tsunami nur 3000 fertig. "Der Rest wird Mitte 2007 bezugsbereit sein", schätzt Dietrich Stotz, Leiter der GTZ-Projekte in Batticaloa, dessen Organisation in der Region 1000 Häuser baut. Ähnlich ist die Situation im indonesischen Aceh, das mit über 130.000 Toten die am stärksten von dem Tsunami betroffene Region war.
Gründe für den langsamen Wiederaufbau gibt es viele. "Der schlichte Bau eines Hauses geht schnell", sagt Wolfgang Hannig, Chefkoordinator der deutschen Hilfsorganisation GTZ in Banda Aceh. Zeitintensiv sei aber der Planungsprozess. Neben dem eigentlichen Hausbau müsse auch die gesamte Infrastruktur von der Wasser- und Stromversorgung bis hin zur Abwasserentsorgung für die neuen Dörfer geplant werden. "Das wurde nicht erleichtert dadurch, dass Landrechte geklärt werden mussten, weil ein großer Teil der Unterlagen durch den Tsunami vernichtet worden sind", sagt Hannig. Manche Hilfsorganisationen hätten Häuser ohne Toiletten und Küchen gebaut. Die seien unbewohnbar und hätten zum Teil schon wieder abgerissen werden müssen.