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Airbus fliegt mit beschädigtem Rumpf über den Atlantik

Eine Lufthansa-Maschine berührt beim Start in den USA die Piste - und fliegt beschädigt bis München. Was bislang nicht bekannt ist: Die Untersuchungsbehörde spricht von einer "schweren Störung".

Von Gerhard Hegmann

  Das Heck des betroffenen Airbus A330-300 mit der Kennung D-AIKJ in der Jumbo-Halle der Lufthansa Technik in Hamburg, aufgenommen am 19. März 2013

Das Heck des betroffenen Airbus A330-300 mit der Kennung D-AIKJ in der Jumbo-Halle der Lufthansa Technik in Hamburg, aufgenommen am 19. März 2013

Ein Airbus A330 der Lufthansa ist beim Start in Chicago mit dem Heck auf der Betonpiste aufgekommen und dann mit beschädigtem Rumpf quer über den Atlantik nach München geflogen - ohne dass den gefährlichen Schaden jemand bemerkt hat. Die Braunschweiger Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen (BFU) stuft nach Recherchen von stern.de den Zwischenfall als "schwere Störung" ein. Damit wird ein Ereignis beschrieben, bei dem es beinahe zu einem Unfall kam. Bislang hat die Behörde den Zwischenfall von Anfang März noch nicht in ihren Unfallberichten veröffentlicht. Die Untersuchungen dauern an.

"Nach derzeitigem Stand wurden drei oder vier Felder an der Rumpfunterseite des Flugzeugs beschädigt. Dabei wurde auch der druckdichte Teil in Mitleidenschaft gezogen. Die Kabine wurde aber nicht undicht", sagte ein BFU-Experte stern.de. Die Lufthansa wollte lediglich bestätigen, dass es zu dem Zwischenfall mit dem Aufsetzen des Hecks beim Start kam, was bei Experten als sogenannter tail strike bezeichnet wird. "Da sowohl Lufthansa selbst sowie die BFU den Vorgang untersuchen, können wir dazu momentan keine weiteren Informationen geben", erklärte die Fluglinie.

Erst nach dem Transatlantikflug wurde der Schaden erkannt

Das Aufsetzen des Hecks beim Start oder der Landung kommt vor allem bei Flugzeugen mit einem langen Rumpf vereinzelt vor. Bei einem unentdeckten Aufsetzen gibt es erhebliche Risiken, weil der sich in Sicherheit wiegende Pilot große Flughöhen ansteuert und damit die Gefahr eines schlagartigen Druckverlustes in der Passagierkabine droht.

Wie es bei der Braunschweiger Behörde heißt, wurde bei dem Lufthansa-Airbus der hintere Druckspant, praktisch der hintere Deckel zur Passagierkabine, bei dem Aufsetzer in Chicago nicht beschädigt. Ein Schaden an diesem Deckel wäre das größte Risiko gewesen.

  Der Airbus bei der Reparatur in der Werft: In der Vergrößerung ist der rot markierte Rahmen an der Unterseite des Hecks sichtbar, wo der Rumpf beschädigt wurde.

Der Airbus bei der Reparatur in der Werft: In der Vergrößerung ist der rot markierte Rahmen an der Unterseite des Hecks sichtbar, wo der Rumpf beschädigt wurde.

Warum die Besatzung des Fluges LH435 mit der Flugzeugkennung D-AIKJ bei ihrem nächtlichen Start in Chicago am 5. März nicht bemerkte, dass die Aluminium-Außenhaut des Flugzeughecks über den Beton kratzte, wird derzeit noch untersucht.

Nach einem achteinhalbstündigen Flug bis in über elf Kilometer Höhe über den Atlantik wurde der Schaden erst am Zielort in München erkannt. Angeblich wurde der Lufthansa-Flieger dann zehn Tage später in nur gut Zweitausend Meter Höhe zur Reparatur nach Hamburg geflogen. In dieser Flughöhe gibt es praktisch keinen Druckunterschied zwischen dem Kabineninnendruck und dem äußern Luftdruck. Nach dem Risikoflug über den Atlantik in großer Flughöhe, ließ die Lufthansa dann möglichst große Vorsicht walten.

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