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6. Mai 2008, 10:51 Uhr

Berge von Leichen in Myanmar

Zuerst waren es mindestens 3000 Tote, dann 10.000, mittlerweile sind es wohl rund 20.000. Zwar schottet die Militär-Junta Myanmar ab, die Zahl der Opfer der Wirbelsturmkatastrophe muss sie dennoch ständig nach oben korrigieren. Hilfsorganisationen berichten von verheerenden Zuständen. Von Michael Lenz, Bangkok

Eines der wenigen aktuellen Fotos aus Myanmar. Im Vergleich zu der Katastrophe, die sich dort ereignet hat, mutet das Foto harmlos an. Aber selbst zur Beseitigung der Baumschäden scheint es der Junta an Werkzeugen - wie Kettensägen - zu fehlen© AP

Lance Woodruff macht sich große Sorgen um seine Familie. "Mein Haus in Rangun ist völlig zerstört und das der Familie meiner Frau ist schwer beschädigt. Wir haben alles verloren", sagt der derzeit in Bangkok lebende Amerikaner. Über das Schicksal seiner Familie und seiner Verwandten hat Woodruff keine Informationen. Die Telefonleitungen in Myanmar sind fast vollständig zusammengebrochen. Der mit einer Myanmarerin verheiratete Woodruff hofft inständig, dass seine Frau und seine sechsjährige Tochter wohlauf sind. "Die beiden waren auf dem Land nördlich von Rangun. Da war der Wirbelsturm schon schwächer."

Vor vier Tagen fegte Zyklon "Nargis", der tropische Wirbelsturm, mit der mörderischen Geschwindigkeit von bis zu 190 Kilometern in der Stunde vom Golf von Bengalen aus über das Delta des Flusses Irrawaddy und Myanmars Hauptstadt Rangun hinweg. Seither werden die Nachrichten aus den Katastrophengebieten immer bedrückender. "Alleine in Laputto im Irrawaddydelta sind mehr als 10.000 Menschen ums Leben gekommen", sagt in Bangkok James East, Sprecher der internationalen Hilfsorganisation "World Vision" und fügt unter Berufung auf Mitarbeiter vor Ort hinzu: "Von Hubschraubern aus sind Berge von Leichen zu sehen. Das ist die schlimmste Katastrophe in Asien seit dem Tsunami." Die Zahl der Toten ist nach offiziellen Angaben auf über 22.400 gestiegen. Das staatliche Fernsehen meldete weiter, 41.000 Menschen würden vermisst.

Spur der Verwüstung

"Nargis" hat Häuser, Schulen, Krankenhäuser zerstört. Hunderttausende Menschen sind obdachlos geworden. Alleine in der Region Laputto hätten 78.000 Menschen Haus und Hof verloren, schätzt "World Vision". In Rangun, einer Stadt mit mehr als fünf Millionen Einwohnern, ist die Versorgung mit Wasser und Elektrizität weitgehend zusammengebrochen. Die Hilfsorganisation befürchtet den Ausbruch von Krankheiten und Seuchen. "Das größte Problem im Augenblick sind die zerstörte sanitäre Infrastruktur und das Fehlen von sauberem Wasser", warnt East. Unicef befürchtet, dass vor allem Frauen und Kinder Opfer von "Nargis" geworden sind. "Frauen und Kinder machen 60 Prozent der Bevölkerung Myanmars aus", sagt eine Unicef-Sprecherin in Bangkok.

Die Hilfe für die Betroffenen läuft nur sehr schleppend an. Myanmarer klagen gegenüber den Exilorganisationen und Exilmedien in Thailand über Untätigkeit der Behörden und der Armee in Myanmar. Augenzeugen in Rangun sagten, ohne ihre Namen zu nennen, dem im thailändischen Chiang Mai erscheinenden Exilmagazin "Irrawaddy", die 400.000 Mann starke Armee unternehme bisher kaum was, um den Opfern des Wirbelsturms zu helfen. Einer fragte sarkastisch: "Wo sind all diese Uniformierten, die immer bereit sind, Zivilisten zu verprügeln? Sie sollten herkommen, bei den Aufräumungsarbeiten helfen und die Stromversorgung wieder herstellen."

Massenmord an Häftlingen

Zu einem Massenmord ist es nach Angaben der gewöhnlich gut informierten "Assistance Association for Political Prisoners in Burma" (AAPPB) im berüchtigten Gefängnis Insein in Rangun gekommen. Die Gefängniswärter hätten in den frühen Morgenstunden des 3. Mai wahllos auf 1500 Häftlinge geschossen, die panisch aus Angst vor dem Wirbelsturm gefordert hätten, in Sicherheit gebracht zu werden, berichtet AAPPB-Sprecher Ko Kyi, selbst ein ehemaliger politischer Häftling in Insein. "36 Häftlinge starben auf der Stelle und mindestens 78 sind verletzt worden", sagt Bo Kyi von seinem Exil in Maesot an der thailändisch-myanmarischen Grenze zu stern.de. In den Tagen danach seien die Häftlinge für ihren "Aufstand" schwer bestraft worden. "Vier wurden zu Tode gefoltert und 98 Gefangene, darunter vier Mitglieder der Oppositionspartei Nationale Liga für Demokratie, sind in Einzelhaft gesperrt worden."

Im Insein-Gefängnis sind auch viele der Anführer des Massenaufstands vom September vergangenen Jahres gegen das verhasste Militärregime inhaftiert. Bo Kyi schätzt, dass die Zahl der politischen Gefangenen in Myanmar sich seit der blutigen Niederschlagung der Revolution auf 2000 verdoppelt hat. Nach dem Ende der von buddhistischen Mönchen angeführten "Saffranrevolution", so benannt nach der Farbe der Mönchsroben, verschwand Myanmar aus den Schlagzeilen.

Spendenkonten Zahlreiche Hilfsorganisationen haben zu Spenden für das vom Zyklon "Nargis" verwüstete südostasiatische Land Birma aufgerufen. Hier einige Spendenkonten: Welthungerhilfe: Stichwort "Nothilfe Myanmar/Birma" Konto 1115, Sparkasse KölnBonn BLZ: 370 501 98 Deutsches Rotes Kreuz: Stichwort "Zyklon" Konto 41 41 41, Bank für Sozialwirtschaft BLZ 370 205.00 Misereor: Stichwort "Zyklon Myanmar" Konto 10 10 10 Paxbank BLZ 370 601 93 Aktion Deutschland Hilft: Stichwort "Zyklon Birma/Myanmar" Konto 10 20 30, Bank für Sozialwirtschaft BLZ: 370 205.00 Bündnis Entwicklung hilft: Stichwort "Zyklon Birma" Konto 51 51, Bank für Sozialwirtschaft BLZ: 370 205.00 Diakonie Katastrophenhilfe: Stichwort "Zyklon Birma" Konto 502 707, Postbank Stuttgart BLZ 600 100 70 Caritas International. Stichwort "Zyklon Birma" Konto 202, Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe BLZ 660 205.00 humedica: Stichwort "Nothilfe Myanmar" Konto 47 47, Sparkasse Kaufbeuren BLZ: 734 500.00, Christoffel-Blindenmission (CBM): Stichwort "Birma" Konto 2020, Bank für Sozialwirtschaft BLZ 370 205.00 Kindernothilfe: Stichwort "Zyklon Birma" Konto 45 45 40, KD-Bank Duisburg BLZ: 350 601 90

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KOMMENTARE (10 von 12)
 
042020 (08.05.2008, 19:56 Uhr)
@normal3000
China hilft meist nicht bei einem naturschaden wie dieser in "BURMA"
und, lese in vielen blogs uber was du beschreibst als "Troll"
kannst mir mal erklaren was eigendlich ein Troll ist ?
z.Zt. sind einige US C130, geladen
mit hilfe in Thailand warten auf
erlaubniss nach Burma zu fliegen.
und eine US Marine einheit ist auch in der nahe um zu helfen. doch keine
erlaubiss kommt aus Burma. ware nun mal zeit den ganzen politischem
kram zu vergessen und die Leute retten ?
Nursery (07.05.2008, 15:42 Uhr)
Babarisch
Man kann das Verhalten des Regimes (und der Unterstützungs China) nur als Babarisch bezeichnen.Ein ganzes Volk in Sippenhaft zu nehmen (siehe Tibet) kann von uns Westlichen Zivilisationen nur aufs Schärfste mißbilligt werden.Klar ist ein Mandat der Uno (daß solch ein Regime in Gewahrsam zu nehmen ist) und sofort nach DEN HAG zu überstellen ist.Das wäre für mich eine Zivilisierte Welt sich aber als marionette vorführen zu lassen. Wenn Menschen zu Tausenden umkommen kann wie der Ruanda Völkermord nur als Verbrechen gegen die Menschlichkeit heißen.So müten die Welt entsprechen reagieren ohne daß ein VETo von China Sicherheitsrat (schon das ist für mich unerklärlich) .Als wacht auf!!
normal3000 (07.05.2008, 01:05 Uhr)
Widerliches China
Wie AP berichtet haben mittlerweile alle Nachbarländer Burma Hilfe angeboten. Alle, nein, den China hat bislang keine Hilfe angeboten. Wäre ja auch zu viel verlangt nachdem die Chinesen schon soviel für die Olympiade ausgegeben haben. Da ist natürlich nichts mehr übrig.
obermotzbruder (06.05.2008, 22:07 Uhr)
Unglaublich
..ich würde gerne spenden. Allerdings befürchte ich, dass meine Kohle bei den Militaristen landet. Ich hoffe nur, dass sich das Volk in Birma obgleich der Untätigkeit ihrer Regierung wehrt und dieses Regime in die Wüste schickt. Allerdings würde ich mich nicht wundern, wenn die gutherzigen Chinesen rettend eingreifen um ihre Kumpels zu retten.
herrfreitag (06.05.2008, 21:23 Uhr)
wirklich unfassbar
was mich wirklich anwiedert ist wie eine angeblich seriöse zeitschrift wie der Stern die Katastrophe an einer Stelle setzt, noch weit hinter einen Artikel über einen französischen Dichter der seine Mutter für tot erklärt hat und hinter fussabll- plus Wahlkampfnachrichten in den USA und einer Nachricht eines irren Sängers der aus den Knast in England entlassen wurde.Mein Gott
was hat man für eine Inszenierung des Tsunami in Thailand veranstaltet,
wahrscheinlich doch mehrheitlich nur in der Berechnung der vielen deutschen und europäischen Touristen die dort betroffen waren.
und nun?
Ihr solltet Euch was schämen!
SchobelGrott (06.05.2008, 21:22 Uhr)
20 Kilotonnen
auf Pyinmana Naypyidaw könnten eventuell helfen.
paulmaz (06.05.2008, 19:58 Uhr)
Michael Lenz
Frage an Michael Lenz: Wieviel Dollar
haben ihnen die von Thailand aus ope-
rierenden ehemaligen Feudalherren und
Sklavenhalter für ihren abstrusen
Erguss gezahlt?
normal3000 (06.05.2008, 18:43 Uhr)
Während in China
die Chinesen "ihrer" Fackel zujubeln sterben die Menschen in Burma. Ich könnt kotzen. Aber wahrscheinlich taucht gleich wieder unser chinesischer Troll auf, und will uns weismachen, daß das alles eine Erfindung der bösen westlichen Medien ist.
BuddhaYogi (06.05.2008, 13:53 Uhr)
Internet-Links für MYanmar-Nachrichten
Bitte lesen Sie auch:
www.irrawaddy.org
www.dvb.no
Gruesse
BuddhaYogi
BuddhaYogi (06.05.2008, 13:51 Uhr)
UN-Gerichtshof Den Haag
Meiner Ansicht nach sind die
Generäle der Junty in Myanmar/Burma/Birma
genau solche Kriegsverbrecher bzw. Verbrecher gegen die Menschlichkeit
wie Milosevic und Genossen.
Es wird Zeit, dass die UN endlich aufwacht und Schritte hin zu einer
Anklage unternimmt.
Los geht's - für das geknechtete Volk von Burma/Myanmar/Burma.
Es ist eine Schande, wenn die ganze Weltgemeinschaft - wie in Tibet und anderswo ! - einfach nur zuschaut und
weiterlebt in Saus und Braus als ob es die Zivilisation der Staatengemeinschaften nie gegeben hätte.
BuddhaYogi
Ein Bewundere des Volkes und der Völkergruppen von Myanmar
Mögen ALLE Wesen glücklich sein.
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