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5. Mai 2008, 07:20 Uhr

Wirbelsturm reißt 13.000 Menschen in den Tod

Der Zyklon "Nargis" hat das bitterarme Myanmar offenbar schlimmer verwüstet als bisher bekannt. Der Außenminister rechnet mit 10.000 Toten, weitere 3000 Menschen gelten als vermisst. Das Auswärtige Amt hat deutschen Hilfsorganisationen eine halbe Million Euro zugesagt.

Ein Opfer des Zyklons "Nargis" in Birma vor den Resten einer Unterkunft© Abir Abullah/EPA

Der Zyklon "Nargis" hat in Birma mindestens 13.000 Menschen in den Tod gerissen. Die Militärregierung gehe inzwischen vorläufig von etwa 10.000 Toten und 3000 Vermissten aus, sagte ein Diplomat am Montag. Hunderttausende Menschen sind den Vereinten Nationen zufolge zudem obdachlos und ohne Trinkwasser. Die Generäle in dem südostasiatischen Land stimmten den UN zufolge derweil ausländischen Soforthilfen für die Notleidenden in den verwüsteten Regionen Rangun und Irrawaddy zu. Deutschland stellte Mittel in Wert von einer halben Million Euro bereit.

"Nargis" war am Samstag mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 190 Kilometern pro Stunde über das verarmte Land hinweggefegt. In der Millionenmetropole Rangun deckte das Unwetter die Dächer vieler Häuser ab. Die Elendsviertel der Stadt dürften schwer in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Im Mündungsdelta des Flusses Irrawaddy waren außerdem viele Inseln und Dörfer betroffen. Nach früheren Angaben der Regierung zerstörte der in der Kategorie 3 eingestufte Zyklon allein auf der Insel Haingyi 20.000 Häuser. Dort seien 90.000 Menschen obdachlos geworden.

"Die Regierung hat signalisiert, dass sie über UN-Stellen internationale Unterstützung akzeptiert", erklärten die UN nach Gesprächen zwischen Vertretern des Welternährungsprogramms (WFP) und der Regierung. Das Auswärtige Amt stellte deutschen Hilfsorganisationen 500.000 Euro für humanitäre Hilfe zur Verfügung. Die Europäische Union teilte mit, sie habe zur Bereitstellung schneller Hilfen zusätzliches Personal auf Abruf. Zudem boten Nachbarland Thailand, Indien und Singapur Mittel an. Die Opfer des Wirbelsturms benötigten dringend Unterkünfte und Trinkwasser, sagte ein UN-Vertreter in Bangkok. Einige Hilfsorganisationen bemühten sich bereits, die Betroffenen mit Plastikplanen, Wasser und Kochutensilien zu versorgen.

Das Rote Kreuz in Südostasien verteilte Tabletten zur Wasserreinigung sowie Kleidung, Plastikfolien und Hygieneartikel. Nach UN-Angaben behindern Reisebeschränkungen für ausländische Helfer die Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern. "Wir werden Gespräche mit der Regierung führen, um Zugang zu den Betroffenen zu bekommen", sagte Terje Skavdal vom regionalen UN-Büro für die Koordination humanitärer Angelegenheiten (UNOCHA).

Generatoren nur sparsam im Einsatz

Unterdessen befindet sich das Land in einem destaströsen Zustand: Ältere Einwohner sagten, sie hätten die ehemalige Hauptstadt Rangun mit ihren 6,5 Millionen Einwohnern noch nie so verwüstet gesehen. Verzweifelte Menschen standen für Trinkwasser und Kerzen an, deren Preis sich verdoppelt hat. Mit Äxten und Messern versuchten sie, umgestürzte Bäume wegzuräumen. Auch die Benzinpreise schossen in die Höhe, so dass Generatoren nur sparsam eingesetzt wurden.

"Ohne mein tägliches Einkommen ist das Überleben für uns zu einem großen Problem geworden", sagte Tin Hla, der normalerweise Schirme repariert. Seine Hütte wurde von "Nargis" zerstört. Er brachte seine Familie in einem der Klöster unter, die Obdachlose aufnahmen.

Kritik wurde am Militärregime laut, das offenbar nur schleppend mit der Unterstützung für die vom Wirbelsturm betroffenen Menschen vorankam. "Wo sind all die Uniformierten, die sonst in den Straßen immer bereit sind, Menschen zu schlagen?" fragte ein Rikscha-Fahrer. Von einigen Märkten wurden Plünderungen gemeldet. Der internationale Flughafen von Rangun wurde nach Angaben von Fluggesellschaften wieder geöffnet.

Thailand kündigt Hilfe an

Das Außenministerium rief Botschafter zu einem Treffen zusammen. Aus Diplomatenkreisen verlautete, man erwarte, dass die Militärregierung das Ausland um Hilfe bitten werde. Das benachbarte Thailand kündigte an, eine Flugzeugladung Hilfsgüter auf den Weg zu bringen. Die Militärregierung in Myanmar habe um Nahrungsmittel, medizinische Güter und Baumaterial gebeten, sagte ein Regierungssprecher in Bangkok. Die Malteser stellten zunächst 10.000 Euro für Sofortmaßnahmen zur Verfügung, wie die Organisation in Köln erklärte. Die tatsächliche Hilfe hänge jedoch davon ab, zu welchen Regionen die internationalen Hilfsorganisationen Zugang erhielten.

UN- Generalsekretär Ban Ki Moon bot der Regierung in Rangun die Hilfe der Vereinten Nationen an. Ein Team zur Einschätzung und Koordinierung der Katastrophenhilfe stehe zur Unterstützung bereit, wenn es angefordert werde, teilte Ban in New York mit. Die Vereinten Nationen seien darauf eingestellt, bei Bedarf Unterstützung zu leisten und internationale Hilfe zu mobilisieren.

Der Zyklon richtete schwere Verwüstungen an. Tausende Häuser wurden zerstört. Fünf Regionen wurden zu Katastrophengebieten erklärt, wie der vom Militär betriebene Fernsehsender Myaddy am Sonntag berichtete. Besonders betroffen war das Irrawaddy-Delta. Dort machte "Nargis" nach Angaben des UN-Koordinators Chris Kaye mehrere Dörfer dem Erdboden gleich.

Referendum soll kommen

Ungeachtet der Verwüstungen hält das Militärregime in Myanmar an den Plänen für ein Verfassungsreferendum an diesem Samstag fest. "Das Referendum ist nur noch ein paar Tage entfernt, und die Menschen sehen der Abstimmung freudig entgegen", heißt es in der Erklärung der Junta, wie der britische Sender BBC berichtete.

Junta-Chef Than Shwe hatte im Februar das Datum des Referendums festgelegt. "Than Shwe ist sehr stur", sagte Myanmar-Spezialist Win Min von der Chiang Mai-Universität im benachbarten Thailand. "Er wird es nicht verschieben, außer er sieht keine andere Möglichkeit." Westliche Diplomaten äußerten dennoch Zweifel an den Fähigkeiten der Behörden, unter derartigen Umständen ein Referendum abzuhalten.

Es ist das erste Mal seit 18 Jahren, dass in Birma gewählt werden soll. Nach dem Verfassungsreferendum sind 2010 Parlamentswahlen vorgesehen.

DPA/AP/AFP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
Slotermeyer (06.05.2008, 07:59 Uhr)
@screne
Es ist richtig, dass kein Mensch auf die Idee käme, Frankreich oder die USA als Militärjuntas zu bezeichnen, aber nicht deshalb, weil es befreundete Nationen sind sondern aus dem simplen Grunde, weil es keine sind. Wir hatten derartige Regierungsformen durchaus mal in der Nähe, bis in die Siebziger in Spanien und Griechenland und damals wurden die Machthaber dort in der hiesigen Presse durchaus auch so bezeichnet. Auch damals gab es Leute, die das für voreingenommen hielten.
Es ist auch richtig, dass Militärjunta im Deutschen negativ besetzt ist. Es rückt ein Regime in die Nähe von Pinochet, Franco und den griechischen Obristen. Ich verstehe das durchaus, finde, dass das für die Machthaber in Burma zutrifft und man es auch sagen sollte, wenn schon mal über dieses Land berichtet wird, was leider selten genug passiert. Der Teil der Weltpresse, der meist schreiben kann ohne befürchten zu müssen dafür im Gefängnis zu landen, ist größtenteils ebenfalls dieser Meinung und benutzt daher überwiegend diesen Begriff. Einige mit der Junta befreundete Regierungen wie China oder Nordkorea sehen das natürlich anders.
Ich sehe keinerlei Bevormundung, Suggestion oder was auch immer darin, wenn die Presse ab und an schreiendes Unrecht auch mal als solches bezeichnet und es den Lesern mitteilt. Was dabei rauskommt, wenn man es nicht tut, kann man in den letzten beiden Beiträgen hier sehr gut sehen.
Vielleicht können Sie mit diesen Herren weiter beraten, wie man objektiv über Burma berichtet, ohne schlimme Wörter zu benutzen, denn das hier ist mein letzter Beitrag zum Thema. Es wird mir auf gut Deutsch gesagt zu blöd.
Over and out.
normal3000 (06.05.2008, 02:14 Uhr)
@albundy69
Endlich mal jemand mit Durchblick. Als ob wir hier in Deutschland uns anmassen können über andere Länder zu urteilen. Wir sollten uns um unsere eigenen Problem kümmern. Stattdessen wird uns von unseren manipulierten Medien aufgetischt, daß in Myanmar alles so schlimm sei und die Bevölkerung unterdrückt wird. Und die meisten Deutschen glauben dann noch so einen Unsinn.
albundy69 (06.05.2008, 00:31 Uhr)
Das Land heisst Myanmar
So hat es der Rat der Regierung beschlossen. Und im übrigen finde ich es sehr ungezogen, wenn hier in einem Satz die Wörter JUNTA und der ebenerwähnte Name dieses asiatischen Landes genannt werden. Wodurch ist bewiesen, dass die Generalität das Land in Jahrzehnten ausgbeutet wurde ? Behauptungen sind schnell aufgestellt, wenn man sie nicht beweisen muss. Das Volk vertraut der Armeeführung, welche alle Mittel zur Hilfe in der jetzigen Notsituation bereitgestellt hat.
Bunsenbrenner (06.05.2008, 00:13 Uhr)
@ normal3000
Also so ganz normal ist der Beitrag ja nicht. Mag relativ egal sein, wie man das Land nun ausspricht, aber Probleme gibt es in Deutschland nicht. Jedenfalls nicht, wenn man sie mit den Problemen von Birma vergleicht. Jeder HartzIV-Empfänger ist ein König verglichen mit der Landbevölkerung dort und wenn man sich als Dauerarbeitsloser keine Restaurantbesuche leisten kann, geht schon die absurde Laberei von wegen Menschenwürde los. Wie lächerlich!
normal3000 (05.05.2008, 23:55 Uhr)
Also mir
geht es am Arsch vorbei ob das Land nund Birma, Burma oder Myanmar heißt. Wir hier in Deutschland haben mehr als genügend Probleme, was interessiert uns da irgendein x-beliebiges Land in Asien.
kepe (05.05.2008, 21:34 Uhr)
Ich finde es ein bischen irritierend
wenn für ein Land in einem nicht sehr langen Artikel drei verschiedene Namen verwendet werden. Könnte man sich nicht auf einen Namen einigen, auch wenn alle drei Namen richtig sind? Des besseren Verständnisses wegen.
screne (05.05.2008, 20:57 Uhr)
@Slotermeyer
Welche Bedeutung "Junta" im Spanischen hat ist mir als deutschsprachigem Staatsbürger ziemlich egal. Niemand hier würde wohl auf die Idee kommen, befreundete Regierungen wie die Frankreichs oder der USA als "Junta" zu bezeichnen, eben weil der Begriff im deutschen Sprachraum NEGATIV (kapier das doch) besetzt ist.
Wenn man die birmanische Regierung als Militärdiktatur bezeichnet, finde ich das OK, denn das IMHO eine in diesem Fall zutreffende Bezeichnung. "Junta" hat dagegen etwas Abwertendes. Die Abwertung würde ich aber gerne selbst machen und mir nicht bewusst oder unbewusst vom Stern vorschreiben lassen.
Slotermeyer (05.05.2008, 11:30 Uhr)
Militärjunta
Wie Sie auf die Idee kommen, dass 'Militärjunta' eine voreingenomme und im Fall von Burma unpassende Bezeichnung ist, die im Journalismus nichts zu suchen hat, ist mir nicht nachvollziehbar. 'Junta' kommt aus dem Spanischen, bedeutet wohl sowas ähnliches wie 'Ratsversammlung' und ist dort nicht mal negativ belegt. Wenn die Versammlung aus Militärs besteht, ist es eine Militärjunta.
"Korrupte Mörderbande" wäre im Fall von Burma tendenziös (aber auch nicht falsch) und hätte in einem Artikel nichts verloren.
screne (05.05.2008, 10:54 Uhr)
@Slotermeyer
Ich hatte doch geschrieben, dass mir die Umstände durchaus bekannt sind, denn ich komme aus der Gegend.
Nur brauche ich für die Meinungbildung, dass die Militärdiktatur verachtenswert ist, weder Dich noch den Stern.
Slotermeyer (05.05.2008, 10:33 Uhr)
Militärjunta
@screne
'Mit negativ besetzten Begriffen wie Militärjunta zurückhalten'?
Was soll das? Natürlich ist es eine Militärjunta und eine der am längsten regierenden weltweit noch dazu. Die Generäle sind seit 1962 an der Macht und haben in dieser Zeit Burma zu einem der ärmsten Länder der Welt gemacht.
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