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Ein paar Fragen an die acht Prozent, die noch immer die AfD wählen wollen

Die AfD gibt mit ihrem innerparteilichen Hickhack ein jämmerliches Bild ab. Doch noch immer stehen acht Prozent der Wähler in Deutschland hinter dieser Partei. Dieser harte Kern sollte sich ein paar Fragen gefallen lassen.

Von Andreas Petzold

Anhänger der AfD bei einer Kundgebung in Hamburg im Jahr 2015 (Archivbild)

Anhänger der AfD bei einer Kundgebung in Hamburg im Jahr 2015 (Archivbild)

Das also ist der harte Kern. Acht Prozent aller Befragten würden nach aktuellen Umfragen der immer noch ihre Stimme geben. Es sind die Unerschütterlichen, denen es offenbar gleichgültig ist, dass sich die Alternative für Deutschland seit Wochen im Harakiri-Modus befindet. Würde eine der etablierten Parteien einen derart peinlichen und lähmenden Dilettanten-Stadel aufführen, hätten sich deren Wähler in Scharen abgewandt. Aber diese acht Prozent, dieser widerstandsfähige Nukleus, dem wird es vollkommen gleichgültig sein, ob sich die AfD auf ihrem Bundesparteitag am Wochenende in Köln für Alexander Gaulands Fundamentalopposition oder für Frauke Petrys angeblich realpolitischen Kurs entscheidet.

Ihnen ist es nur wichtig, dass sie bei der Bundestagswahl am 24. September ihr Kreuz bei der AfD machen können. Es sind diejenigen, die vermutlich nicht nur die Zweitstimme sondern auch die Erststimme an die blaue Chaostruppe verschwenden werden. Ihre Kreuze verstehen Sie allem Anschein nach als symbolische Lektion, die sie den anderen bisher im Bundestag vertretenen Parteien erteilen wollen. Ein Protest, aus welchen persönlichen Motiven auch immer.

AfD: Was die acht Prozent alles nicht kümmert

Anders ist es kaum zu erklären, dass freiheitlich entscheidende Menschen darüber hinwegsehen, welchen Bazillus sie mit ihrer Wahlentscheidung in die deutsche Gesellschaft pflanzen. Sie erteilen eine politische Handlungsvollmacht für Fremdenfeindlichkeit. Sie spalten die Gesellschaft in "wir" und "die". Wobei "wir" für "das Volk" steht und "die" für den Rest, der sich an der angeblichen "Umvolkung" beteiligt hat, so das Lieblings-Narrativ der Alternative für Deutschland. Politik als ständige Suche nach Kompromissen, um alle mitzunehmen, hätte ausgedient.

Die acht Prozent kümmert nicht, dass es AfD-Funktionäre gibt, die in brauen Gewässern baden, mit der rechtsnationalen Identitären Bewegung kuscheln, vom Verfassungsschutz beobachtet werden, verantwortungsfrei Anleihen bei nationalsozialistischen Diktionen nehmen und Wahrheiten zu Unwahrheiten umdeuten. Kann man es da noch lustig finden, dass Frauke Petry allen Ernstes behauptet, nach der Bundestagswahl 2021 als "Seniorpartner", also als stärkste Regierungspartei, in einer Koalition regieren zu wollen?

Es interessiert diese acht Prozent auch nicht, dass sich manche verkrachte Existenzen auf die Landeslisten für die gekämpft haben, die dringend ihre finanziellen Probleme lösen müssen. 9541 Euro Abgeordnetenentschädigung plus 4318 Euro Aufwandspauschale zahlt der Staat einem Volksvertreter im Bundestag, und schon nach einer Legislaturperiode hat er Anspruch auf 954 Euro monatlich, sobald die Rente ansteht. Das ist für einige zu verlockend und auch ein Grund dafür, warum der Ex-AfD-Bundesvorsitzende Konrad Adam in der "FAZ" kantig feststellte, die Partei sei "in Teilen zweifellos" unseriös. "Wenn Sie sich die Listen für die Bundestagswahl anschauen, kann man im Groben sagen, dass jeder Zweite bis Dritte von diesen Leuten nicht in den Bundestag gehört." Bei den Denunziationen, den Tricksereien, den Intrigen, den juristischen Schaukämpfen, die in fast allen AfD-Verbänden bei der Aufstellung der Landeslisten zu besichtigen waren, ging es jedenfalls nur selten um Sachthemen.

Diese acht Prozent – es ist ihnen egal. Sie blenden auch die Konsequenzen aus, die ein Austritt Deutschlands aus der Eurozone nach sich ziehen würde – immer noch ein Lieblingsprojekt der AfD: Die Exporte würden einbrechen, die Arbeitslosigkeit steigen, folglich auch die Sozialausgaben, während Steuern und Abgaben spärlicher an den Staat fließen. Manche deutsche Unternehmen und Banken kämen ins Wanken, weil sie hohe Abschreibungen auf ihre ausländischen Besitztümer in die Bücher nehmen müssten. Dies ist nur eine Mini-Sequenz aus der Katastrophen-Kaskade, die so ein Schritt für Deutschland und Europa bedeuten würde. Und der Herr Gauland, der Professor Meuthen, Herr Höcke, Herr Poggenburg und Frau Petry tun so, als ob sie so eine Apokalypse beherrschen könnten... Ein Alptraum.

Das AfD-Märchen vom isolierten Nationalstaat

Wahr ist, dass Deutschland seit Jahren massiv vom Euro profitiert. Aber das passt halt nicht in das AfD-Märchen vom isolierten Nationalstaat, der restauriert werden soll. Wahr ist, dass diese Partei mit ihrem Wahlprogramm den Wohlstand in Deutschland massiv beschädigen würde. Aber Demokratie ohne Wohlstand ist nicht zu haben. Hohe Sozialleistungen, gute Bildung und eine funktionierende Infrastruktur brauchen eine stabile Ökonomie als Schmiermittel. Verstehen dass diese acht Prozent nicht?

Man kann wohl einfach nur hoffen, dass sich die AfD weiterhin so konzentriert an ihrer Selbstbesessenheit abarbeitet, damit dieser harte Kern, diese acht Prozent, nicht wächst.

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