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CSU im freien Fall: Die drei Möglichkeiten, die der Partei jetzt noch bleiben

Der Verlust von gut zehn Prozentpunkten hat Horst Seehofer gezeigt, dass der Kampf um eine Alleinregierung im Bayerischen Landtag aussichtslos ist. Wie reagiert der CSU-Chef jetzt? Und wie reagiert seine einst so stolze Partei?

Horst Seehofer

CSU-Chef Horst Seehofer: Die AfD sitzt ihm im Nacken

Gauland oder Seehofer? Wem würden Sie dieses Zitat zuordnen, das am Sonntag Abend in einem ARD-Interview gefallen ist: "Deutschland muss Deutschland bleiben!" Falsch, es war nicht der AfD-Spitzenkandidat. Der Satz stammt von und soll die Strategie der Bayern beschreiben, wie das entstandene "Vakuum auf der rechten Seite" zukünftig geschlossen werden soll. Man kann das als eine Art Panikattacke werten.

Der freie Fall der Christ-Sozialen um gut zehn Prozentpunkte führt dem Vorsitzenden endgültig vor Augen, dass der Kampf um eine Alleinregierung im Bayerischen Landtag aussichtslos ist. Aber Seehofer hält an diesem Fetisch immer noch fest und will sich offenbar eines Mittels bedienen, mit dem er schon bei dieser Bundestagswahl krachend gescheitert ist: nämlich die restriktive Aussagen der AfD im Umgang mit Flüchtlingen zu kopieren. Seehofer mag immer noch nicht erkennen, dass diese Wähler dann doch lieber das Original ankreuzen als die trittbrettfahrende CSU. In dieser Hinsicht verläuft seine Lernkurve parallel zur X-Achse.

CSU-Chef Horst Seehofer: Angstschweiß auf der Stirn

Der Angstschweiß tritt dem -Chef vor allem deshalb auf die Stirn, weil im Herbst 2018 in Bayern ein neuer Landtag gewählt wird. Nun sitzt ihm die sogenannte Alternative für Deutschland im Nacken, und die absolute Mehrheit dürfte ein für alle Mal Geschichte sein.

Die einst stolze CSU hat nun drei Möglichkeiten: Entweder wagt jemand aus der zweiten Reihe sehr rasch einen Putsch. Da fällt der Blick auf Markus Söder, dessen ewige Lauerstellung irgendwann zu einem dauerhaften Rückenschaden führen könnte, falls er sich nicht bald bewegt. Oder, zweite Variante, Seehofer zieht doch noch überraschend Karl-Theodor zu Guttenberg aus dem Ärmel, sorgt für dessen Krönung als Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten und bleibt selbst erst einmal Boss in Bayern.

Der dritte Weg: Alles bleibt, wie es ist. Parteichef Seehofer, mittlerweile 68, absolviert nach einer gewonnenen Wahl eine weitere Amtsperiode bis 2023. Danach sieht es in diesen Tagen (noch) aus. Damit das klappt, wird Seehofer weit nach rechts ausholen, was Koalitionsverhandlungen für ein Jamaika-Bündnis vor allem mit den Grünen in eine längliche Fingerhakelei ausarten lassen wird. Die Obergrenze, die Grenzsicherung, der Zugang von Flüchtlingen zu Integrations- und Sozialleistungen – in ganzer Breite werden CSU und Grüne bei diesem Thema aufeinander prallen. Dahinter dürften all die anderen Brocken (Rente, Steuern, Verbrennungsmotor, Energiepolitik) wie Kieselsteine im Schuh wirken. Und die Liberalen sitzen ja auch noch mit am Tisch, deren Positionen beispielsweise zur EU wiederum nicht in das grüne Koordinatensystem passen.

Angela Merkel am Ende ihrer Geschicklichkeit

Es liegt wohl am Ende an der Geschicklichkeit von Angela Merkel, den ruppigen Bayern, dem sie in herzlicher Abneigung verbunden ist, mit FDP und Grünen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Der Weg nach Jamaika, ein Bündnis aus Union, FDP und Grüne, wäre zwar abenteuerlich anstrengend, aber viel versprechend. Alle anderen Optionen stehen nur auf dem Papier: Der Notnagel Große Koalition ist so rostig, dass er schon beim ersten Hammerschlag zerbrechen würde. Und Neuwahlen? Die würden am Ende vor allem die AfD begünstigen, da sind sich alle Mitstreiter einig. Wer will schon mit so einer Bürde seine politische Zukunft belasten?

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