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Wer Informationen zurückhält, verstärkt nur die Vorbehalte

Die Ereignisse von Köln schockieren - und sie spielen Rechten wie Flüchtlingsgegnern in die Karten. Allein deshalb müssen die Attacken mit Transparenz und offener Informationspolitik aufgearbeitet werden.

Von Andreas Petzold

Ein Streifenwagen steht vor dem Hauptbahnhof in Köln

"Nur mit Transparenz und einer offenen Informationspolitik lassen sich die widerwärtigen Sexattacken in Köln, Stuttgart und auf dem Hamburger Kiez aus der laufenden Flüchtlingsdebatte heraushalten", findet stern-Stimme Andreas Petzold

Nach den sexuellen Übergriffen am Kölner Hauptbahnhof ist die Fieberkurve der öffentlichen Erregung in den vergangenen 24 Stunden rasant angestiegen. Und das zu Recht. Fassungslos nimmt man die Unverfrorenheit der Täter und die Machtlosigkeit der Polizei zur Kenntnis. Natürlich, die Beamten geloben auf einer Pressekonferenz Besserung, versprechen mehr Einsatzkräfte, neue Konzepte, beispielsweise vermehrte Videoüberwachung. Und Verhaltenstipps für junge Frauen sind online demnächst abrufbar. Leute, die einem nicht sympathisch sind, am besten "eine Armlänge" von sich entfernt halten, empfahl Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Man kommt aus dem Staunen nicht mehr raus!


Empörung muss schnellstens einer nüchternen Bestandsaufnahme weichen                              

Gleichwohl sollte die allgemeine Empörung jetzt schnellstens einer nüchternen Bestandsaufnahme weichen. Denn sonst setzt sich im Handumdrehen die Auffassung fest, dass die Flüchtlingspolitik in deutschen Städten zunehmende Gesetzlosigkeit verursache. Schon feiern die Rechtsnationalen ein Hochamt nach dem anderen, weil die mutmaßlichen Täter laut Polizei aus dem nordafrikanischen, arabischen Raum stammen. Unter dem Hashtag #KölnHbf schäumen all diejenigen, die es schon immer gewusst haben wollen: "Mit den Flüchtlingen holen wir uns nur Kriminelle ins Land". Allen voran mal wieder Pegida-Chef Lutz Bachmann, der Angela Merkel und Sigmar Gabriel für die Vorfälle in Köln gleich mitverantwortlich machte - unter dem Hashtag #BlutAnDenHänden. Diese geistige Grobschlächtigkeit wurde noch getoppt durch Verschwörungstheorien, bei den Überfällen von Köln handele es sich um psychologische Kriegsführung des sogenannten Islamischen Staats.

Gegen dümmliche Mutmaßungen helfen nur Tatsachen

Es ist Zeit, abzurüsten. Nur mit Transparenz und einer offenen Informationspolitik lassen sich die widerwärtigen Sexattacken in Köln, Stuttgart und auf dem Hamburger Kiez aus der laufenden Flüchtlingsdebatte heraushalten. Darum bemühte sich zwar die Kölner Polizei mit dem Hinweis, bei den Festgenommenen handelte es sich angeblich nicht um Flüchtlinge. Aber mit dieser Aussage provozierte sie lediglich neue Fragen und gab den Skeptikern Zucker: diese, nach Polizeiangaben, 1000 jungen Männer zwischen 18 und Mitte 30 aus Nordafrika, die teils seit drei oder vier Jahren schon in Köln leben - welchen Status haben sie dann? Kamen sie tatsächlich aus dem Maghreb? Kamen sie als Flüchtlinge? Welchen Aufenthaltsstatus haben sie? Die Beamten verfügen über diese Informationen, denn immerhin konnten sie nach eigenen Angaben die Identität von immerhin 100 Verdächtigen protokollieren. All diese Fragen sollte die Polizei offen beantworten. Allein schon deshalb, um sich und die verantwortlichen Politiker nicht dem Vorwurf auszusetzen, man würde Informationen vertuschen, um die offene Flüchtlingspolitik nicht zu desavouieren. Das Bemühen, keine Vorurteile zu bedienen, stößt hier an seine Grenze, weil sich die Vorbehalte dadurch nur verstärken. Vielen ist nichts lieber, als die These zu untermauern, Politik und Lügenpresse säßen in einem Boot.

Sicher, die Herkunft der Täter ist weder für die Strafverfolgung relevant noch hilfreich für die vielen Opfer. Aber gegen dümmliche Mutmaßungen helfen nur Tatsachen, selbst wenn sie politisch nicht in die Landschaft passen würden.


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