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Malaysia streitet über Prügelstrafe

In Malaysia erregt ein brutales Video die Gemüter, das zeigt, wie die Prügelstrafe vollstreckt wird. Zu sehen sind die Pobacken eines offenbar Verurteilten, die mit einem Stock blutig geschlagen werden. Menschrechtler fordern das Ende der Prügelstrafe in dem Land - die Regierung gibt sich demonstrativ entspannt.

Das sechsminütige Video zeigt eine brutale Praxis: Am Anfang ist die Haut des Deliquenten noch unversehrt. Uniformierte haben ihm einen Schurz umgebunden, der die Hüfte abdeckt und nur die Pobacken frei lässt. So soll sicher gestellt werden, dass die Hiebe auch nur die Stelle treffen, an der es wehtun soll. Mit gespreizten Armen wird der junge Mann bäuchlings und mit gespreizten Armen auf eine Art Kreuz gefesselt. Dann erst wird die Strafe exekutiert. Hieb um Hieb. Jeder Schlag hinterlässt eine blutige Strieme. Die ersten zwei, drei Rutenschläge übersteht der Mann noch tapfer, stillschweigend. Dann stöhnt er vor Schmerz. Am Ende, als ihn die Uniformierten von dem Kreuz abbinden, sind seine Pobacken nurmehr blutige Flächen.

"Unmenschliche und entwürdigende Praktiken"

Angeblich seit März dieses Jahres kursiert die Aufnahme im Internet. Aber erst am vergangenen Wochenende zeigt die Malaysische Anwaltskammer ("Bar Council"), die nach eigenen Angaben insgesamt 8000 Anwälte vertritt, den "blutigen" Film auf ihrer Internetseite. Die Kammer hatte Anfang des Jahres die Abschaffung der Prügelstrafe gefordert. "Wir sind gegen die Todesstrafe und gegen die Prügelstrafe", sagte Ambiga Sreenevasan, der Vorsitzende der Kammer, nun der Nachrichtenagentur "Associated Press" "Beide verletzen alle menschenrechtlichen Normen und verschiedene Antifolterkonventionen. Das sind unmenschliche und entwürdigende Praktiken".

Die Prügelstrafe wird in Malaysia für mehrere Vergehen verhängt, darunter Drogendelikte, Vergewaltigung und illegale Einreise. Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International moniert die Praxis. In ihrem Bericht für das Jahr 2006 heißt es neben der Kritik an der Todesstrafe: "Die Prügelstrafe, eine grausame, unmenschliche und erniedrigende Form der Strafe, wurde [in Malaysia] 2006 ebenfalls weiterhin vollstreckt.

"Das ist keine große Sache"

Auch in der malaysischen Opposition ist der Ärger groß. Allerdings vor allem deshalb, weil sie um den Ruf des Landes bangt. Man müsse doch jetzt herausfinden, wie das Video an die Öffentlichkeit durchgesickert ist, hieß es. Gelassen gibt sich dagegen die Regierung. Fu Ah Kiow, Vizeminister für die Innere Sicherheit, sagte AP, das Video sei vor mehreren Jahren in einem lokalen Gefängnis aufgezeichnet. Nun werde es zur Abschreckung benutzt. "Das Video soll Drogenhändler und Drogenabhängige abschrecken." Der Minister sagt, er habe nicht gewusst, dass das Video nun öffentlich zugänglich sei, aber im Prinzip sei das "keine große Sache."

Fu sagte, die Prügelstrafe sei ordnungsgemäß vollzogen worden. Vor und nach den Prügeln habe es medizinische Untersuchungen gegeben. "Wir sollten hier nicht heucheln. Schauen Sie sich doch den Schaden an, der Opfern von Drogenhändlern und Drogenabhängigen entsteht, und auch den Anstieg der Gewaltverbrechen. Wir müssen uns mehr um die Opfer kümmern als um die Täter."

Florian Güßgen mit AP

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