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Wo angehende Hacker zur Schule gehen

In Israel hat werden IT-Experten und Sicherheitsbeauftragte zu Hackern ausgebildet - ganz legal und in einer eigens dafür gegründeten Schule. Ein Besuch im "Cyber Gym".

  Hacken zum Schutze des Landes: In Israel werden Computer-Spezialisten im "Cyber Gym" ausgebildet

Hacken zum Schutze des Landes: In Israel werden Computer-Spezialisten im "Cyber Gym" ausgebildet

Drei Hacker versinken in ihren Kapuzenjacken hinter den Computerschirmen des "Cyber Gym" im israelischen Küstenort Chadera. IT-Techniker und Sicherheitsbeauftragte, vor allem aus Versorgungsunternehmen, werden hier neuerdings in der Abwehr nicht nur von Industriespionage, sondern auch auch von Angriffen der Feinde Israels trainiert. Nicht zufällig ist es die staatliche Elektrizitätsgesellschaft Israels (IEC), die im Schatten des größten Kraftwerks des Landes das Trainingscenter gestartet hat. Denn der Stromgigant ist für Israel von strategischer Bedeutung und eines der am stärksten attackierten Ziele.

"Wir können davon ausgehen, dass Israel das meistangegriffene Land ist", sagt "Cyber Gym"-Direktor Ofir Hason. "Und da wir das am häufigsten attackierte Zivilunternehmen sind, haben wir einzigartige Kenntnisse, die wir Firmentechnikern aus der ganzen Welt vermitteln können." IEC-Chef Eli Glickman sagt, sein Unternehmen müsse sich pro Stunde 10.000 Versuchen erwehren, in seine Netzwerke einzudringen. "In der Kunst der Cyberkriegsführung kann unseren Trainern niemand etwas vormachen."

"Zu unserem Profiteam gehören Leute aus der Armee, aus Sicherheitsdiensten und auch welche frisch von der Uni", sagt ein Ausbilder, der sich schlicht "Mister" nennt und nicht gefilmt werden will. "Mister" startet die Angriffe auf die Computersysteme der Auszubildenden, die in einem angrenzenden Gebäude sitzen. "Das ist eine große Spielwiese zur Simulation reeller Cyberattacken", sagt er

"Attack Room" und "Defence Room"

Der "Attack Room" ist ein Paradies für Computerfreaks: Große Wandgemälde zeigen Szenen aus Krieg der Sterne und dem Videospiel Pac-Man; auf großen Flachbildschirmen dokumentieren rundum flimmernde Programmzeilen den Angriffsverlauf. Doch dass es nicht um Kinderspiele geht, zeigt sich auch daran, dass die Vorführungen am Starttag auch von Vertretern der drei israelischen Geheimdienste begutachtet wurden.

Die zur Ausbildung geschickten IT-Experten stehen im "Defence Room" mächtig unter Druck. Bei ihren eiligen Abwehraktionen werden sie von einem weiteren Trainer beobachtet, der als "A" zitiert werden will. "Jede Attacke verläuft anders, die können nicht mogeln", sagt er. "Es gibt kein festes Drehbuch, die Angriffe werden spontan von den Hackern nebenan immer wieder anderes ausgeführt."

"Kommen die Hacker durch, geht hier das Licht aus, und die Systeme fahren runter", erklärt "A" das Kriterium für Erfolg oder Misserfolg. Direktor Hason ergänzt, ein totaler Stromausfall sei in der wahren Cyberarena aber nur eine mögliche Konsequenz: "Schaffen Sie es nicht, ihre Server zu schützen, kann Ihr System auch materiell stark beschädigt werden."

Cyberkrieg hat höchste Priorität

In Israel wird vor den Risiken des Cyberkriegs ständig von höchster Stelle gewarnt. So schockierte Generalstabschef Benny Gantz im Oktober die Teilnehmer einer Sicherheitskonferenz mit einem Vortrags-Szenario, bei dem kurz vor Raketenangriffen die kompletten Versorgungsnetze des Landes zusammenbrechen. Sicherheitsdienste berichteten vor einigen Wochen von einem Versuch chinesischer Hacker, großangelegte Industriespionage zu betreiben. Und im Juni hatte Regierungschef Benjamin Netanjahu den Erzfeind Iran beschuldigt, er habe zusammen mit der libanesischen Hisbollah versucht, das Internet in Israel in die Knie zu zwingen.

Auch Energieminister Silvan Schalom ist zur Eröffnung des "Cyber Gym" erschienen. Gefragt, ob er sich mehr Sorgen um einen drohenden materiellen Krieg oder um Angriffe aus dem Cyberspace mache, sagt der Minister: "Nach meiner Erwartung werden die künftigen Schlachten im virtuellen Raum ausgetragen."

she/John Davison, AFP/AFP
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