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Explosion erschüttert Tel Aviv

18. November 2012, 15:33 Uhr

Stellt die Hamas den Raketenbeschuss ein, kann es eine Waffenruhe gegen, sagte Israels Premier Netanjahu. In Tel Aviv heulen wieder die Sirenen. Die Ereignisse im stern.de-Newsticker.

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Ein Bild der Verwüstung: Durch die israelischen Angriffe sind viele Gebäude im Gazastreifen zerstört oder stark beschädigt.©

+++ 17.47 Uhr: Wieder Luftalarm in Tel Aviv +++

In Tel Aviv haben zum zweiten Mal die Sirenen geheult. Kurz nach Beginn des Luftalarms war im Stadtzentrum eine dumpfe Explosion zu hören. Nach israelischen Medienberichten wurden zwei Geschosse von der Raketenabwehr abgefangen.

+++ 17.35 Uhr: Elf Palästinenser sterben bei Luftangriff +++

Nach einem israelischen Luftangriff auf ein Haus in Gaza ist die Zahl der Toten auf elf gestiegen. Das Hamas-Gesundheitsministerium teilte mit, unter den Toten seien auch fünf Kinder und zwei Frauen. Etwa 30 weitere Menschen seien bei dem Angriff auf das von einer Familie bewohnte Haus verletzt worden. Das mehrstöckige Gebäude stürzte nach Augenzeugenberichten nach dem Angriff ein.

Israelische Medien berichteten, der Angriff habe einem wichtigen Raketen-Kommandeur der Hamas gegolten. Der Mann, der ebenfalls bei dem Angriff ums Leben gekommen sei, trage die Verantwortung für viele Raketenangriffe der vergangenen Tage. Dafür gab es zunächst weder von der Hamas, noch von der israelischen Armee eine Bestätigung.

Nach palästinensischen Angaben kamen am Sonntag zudem vier militante Palästinenser im Gazastreifen ums Leben. Damit sei die Zahl der Toten auf der palästinensischen Seite seit Beginn der Militäroperation "Säule der Verteidigung" am Mittwoch auf 69 gestiegen.

+++ 16.40 Uhr: Netanjahu stellt Bedingungen +++

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat eine mögliche Waffenruhe mit der Hamas unter eine Bedingung gestellt. "Erst mal müssen die Raketenangriffe [auf Israel, Red.] aufhören, und dann können wir über den Rest reden", sagte er nach einem Treffen mit dem französischen Außenminister Laurent Fabius. "Halb Israel wird beschossen, und das kann nicht so weitergehen." Israels Verteidigungsminister Ehud Barak hingegen sagte, eine Fortsetzung der Militäroperation sei "selbstverständlich". "Wir werden die Operation notfalls verstärken und auch vor einer Bodenoffensive nicht zurückschrecken, wenn es sein muss."

+++ 14.16 Uhr: DPA meldet 55 Opfer +++

Nach Angaben der Nachrichtenagentur DPA sind mittlerweile 55 Menschen bei den Gefechten zwischen Hamas und israelischem Militär gestorben. Die Agentur beruft sich auf das Hamas-Gesundheitsministerium, das berichtet, seit Mittwoch seien 52 Palästinenser getötet und etwa 540 verletzt worden. 22 der Toten seien Zivilisten - Kinder, Frauen und ältere Männer. Auf der israelischen Seite starben bisher drei Menschen.

+++ 13.30 Uhr: Bewährungsprobe für "Iron Dome" +++

Das seit März 2011 installierte israelische Raketenabwehrsystem "Iron Dome" ("Eisenkuppel") erlebt gerade seine große Bewährungsprobe. In den vergangenen Tagen fing es zahlreiche aus dem Gazastreifen abgefeuerte Raketen ab. Um auch die Metropole Tel Aviv zu schützen, nahm Israel am Samstag vorzeitig eine fünfte Einheit in Betrieb. "Iron Dome" kann Kurzstreckenraketen und Mörsergeschosse in Entfernungen von vier bis 70 Kilometern abfangen. Jede Batterie besteht aus einem Radar, einer Feuerleitsoftware und drei Werfervorrichtungen mit je 20 Abwehrraketen. Finanziell unterstützt von den USA, investierte Israel rund eine Milliarde Dollar (über 780 Millionen Euro) in die Entwicklung des Systems, das vom staatlichen Rüstungsunternehmen Rafael Defense Systems hergestellt wird. Nach Medienberichten kostet jeder Schuss etwa 50.000 Dollar. Laut israelischer Armee liegt die Trefferquote bisher zwischen 75 und 90 Prozent. Militärexperten zufolge wären 13 Einheiten nötig, um Israel einen kompletten Schutz zu bieten. Bis so viele im Einsatz sind, dürften noch Jahre vergehen.

+++ 13.01 Uhr: Hacker legen Websites lahm +++

Die Hackergruppe Anonymous hat nach eigenen Angaben aus Protest gegen Israels Militäroffensive im Gazastreifen israelische Internetseiten angegriffen. Wie die Hacker am Samstag mitteilten, waren von der Attacke mehr als 650 private oder öffentliche Einrichtungen betroffen, darunter die Bank of Jerusalem, eines der größten Finanzhäuser des Landes. "Der Datenbestand ist gelöscht", hieß es in einer über den Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlichten Mitteilung neben dem Link zur nicht funktionierenden Website der Bank.

+++ 12.12 Uhr: Iran beschwört Anti-Israel-Front +++

Der Iran hat die arabischen und islamischen Länder aufgefordert, gemeinsam gegen Israel Front zu machen. "Sie sollten sich auf den Hauptfeind konzentrieren, und dieser ist das zionistische Regime" (Israel), sagte Außenminister Ali-Akbar Salehi am Sonntag auf einer Syrienkonferenz in Teheran. Gleichzeitig rief er dazu auf, den Menschen im Gaza-Streifen zu helfen.

Zu der eintägigen Konferenz unter dem Motto "Demokratie ja, Gewalt nein" reisten rund 200 ausländische Gäste in die iranische Hauptstadt. Darunter waren etwa 130 Vertreter der syrischen Regierung sowie von Oppositionsparteien, die allerdings außerhalb Syriens sitzen. Vertreter der Rebellen aus dem Land selbst nahmen nicht teil. Der Iran ist einer der engsten Verbündeten des Regimes von Baschar al-Assad.

+++ 11.23 Uhr: Netanjahu droht mit Offensive +++

Israel ist nach den Worten seines Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu auf eine massive Ausweitung seiner Offensive gegen den Gazastreifen vorbereitet. Die radikal-islamische Hamas und andere extremistische Organisationen müssten einen hohen Preis für die Raketenangriffe auf Israel bezahlen, sagte Netanjahu am Sonntag im Kabinett. Die israelischen Streitkräfte träfen die dazu erforderlichen Schritte. Die Möglichkeit einer Bodenoffensive gegen das Palästinenser-Gebiet erwähnte er nicht. Die israelische Luftwaffe fliegt seit Mittwoch verstärkte Angriffe gegen den Gazastreifen.

+++ 10.36 Uhr: Israelische Abwehr fängt Kasam-Rakete ab +++

Militante Palästinenser haben erneut mindestens eine Rakete auf die israelische Küstenmetropole Tel Aviv abgefeuert. Nach Luftalarm in Tel Aviv war am Vormittag im Stadtzentrum eine dumpfe Explosion zu hören. Eine Armeesprecherin sagte später, das Geschoss sei von der Raketenabwehr abgefangen worden. Die Luftwaffe habe sofort das Gebiet angegriffen, von dem aus die Rakete abgefeuert wurde. Die im Gazastreifen herrschende Hamas bekannte sich zu dem Angriff. Es handele sich um eine "verbesserte" Kassam-Rakete des Typs M-75, die eine größere Reichweite habe.

+++ 09.58 Uhr: Steht eine Waffenruhe bevor? +++

Eine Waffenruhe zwischen der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas und Israel könnte einem ranghohen Palästinenservertreter zufolge kurz bevorstehen. "Es gibt ernsthafte Gespräche über einen Waffenstillstand, und es ist möglich, dass es heute oder morgen eine Einigung gibt", sagte der Repräsentant am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP. Zwischen Israel und dem Gazastreifen gibt es seit Mittwoch heftige Luftgefechte.

+++ 09.28 Uhr: Kleinkind in Gaza getötet worden +++

Bei einem israelischen Luftangriff auf den Gazastreifen ist nach Angaben von Rettungskräften ein 18 Monate altes Kleinkind getötet worden. Zwei vier und fünf Jahre alte Brüder des Kindes seien zudem schwer verletzt worden, sagte ein Sprecher der Rettungsdienste, die der Regierung der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas unterstehen, am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP. Demnach beschoss die israelische Luftwaffe ein Ziel östlich des Lagers Bureij im Zentrum des Gazastreifens.

+++ 08.57 Uhr: Feuergefecht an syrischer Grenze +++

Die israelische Armee hat syrische Soldaten im Grenzgebiet unter Artilleriefeuer genommen und dabei vermutlich einige von ihnen getötet. Die Berichte arabischer Medien deuteten darauf hin, dass syrische Soldaten umgekommen seien, teilte die israelische Armee am Sonntag mit. Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt.

Israelische Soldaten auf den von Israel kontollierten Golan-Höhen wurden Armeeangaben zufolge von Syrien aus beschossen. Israel habe mit Artilleriebeschuss reagiert. Auf israelischer Seite sei niemand verletzt worden.

Es war der dritte derartige Zwischenfall an der Grenze zwischen Israel und Syrien. Ein Sprecher des israelischen Militärs erklärte, Israel wolle sich nicht in den Konflikt in Syrien hereinziehen lassen. Allerdings werde es auf keinen Fall den Beschuss seines Territoriums akzeptieren.

+++ 08.26 Uhr: 800 israelische Raketen seit Mittwoch +++

Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums und Augenzeugen wurden bei den Angriffen in der Nacht zwei Kleinkinder getötet und etwa 25 Menschen verletzt. Im nördlichen Gazastreifen seien mehrere Häuser getroffen worden. Auch das Büro des Al Kuds-Fernsehens, das der im Gazastreifen herrschenden Hamas nahesteht, sei angegriffen worden. Dabei hätten sechs Journalisten Verletzungen erlitten. Der israelische Rundfunk meldete, seit Mittwoch seien 800 Raketen auf Israel abgefeuert worden

+++ 08.20 Uhr: Heftige Luftangriffe in der Nacht +++

Die Eskalation geht weiter: Israels Armee hat in der Nacht zum Sonntag die Angriffe im Gazastreifen fortgesetzt. Eine israelische Militärsprecherin bestätigte, es seien Ziele von See und aus der Luft angegriffen worden. Nach israelischen Medienberichten feuerten militante Palästinenser nach Mitternacht zunächst keine Raketen mehr auf Israel ab. Am Morgen heulten allerdings in mehreren Ortschaften in der Nähe des Gazastreifens wieder die Sirenen. Bemühungen um eine Waffenruhe hätten bislang keinen Erfolg gehabt, berichteten israelische Medien.

Verfolgen Sie auf den weiteren Seiten die Geschehnisse der letzten Tage.

+++ 19.58 Uhr: Obama-Berater: Israel entscheidet selbst über Bodenoffensive +++

Israel hat nach den Worten eines hochrangigen Sicherheitsberaters von US-Präsident Barack Obama die Entscheidung über eine mögliche Bodenoffensive im Gazastreifen selbst in der Hand. "Wir wollen dasselbe wie die Israelis", sagte Ben Rhodes während eines Flugs nach Asien zu Journalisten. "Und das ist ein Ende des Raketenbeschusses aus Gaza."

Aus seiner Sicht seien die andauernden Raketenangriffe aus den Palästinensergebieten ausschlaggebender Faktor für die Zuspitzung des Konflikts gewesen - nicht die gezielte Tötung des Militärchefs der Hamas im Gazastreifen, Ahmed al-Dschabari. "Wir glauben, dass Israel das Recht hat, sich zu verteidigen und seine eigenen Entscheidungen über diesbezügliche Taktiken zu treffen."

+++ 17.53 Uhr: Kanzlerin telefoniert mit Netanjahu und Mursi +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit Israels Premier Benjamin Netanjahu und dem ägyptischen Präsidenten Mohamed Mursi telefoniert. Im Gespräch mit Netanjahu betonte die Kanzlerin das Recht Israels auf Selbstverteidigung und die Pflicht zum Schutz der israelischen Bevölkerung, wie der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter mitteilte. "Sie war sich mit dem Premierminister einig, dass schnellstmöglich ein vollständiger Waffenstillstand erreicht werden müsse, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden", hieß es weiter.

Den Ägypter Mursi ermunterte die Kanzlerin (CDU) den Angaben zufolge, "seine wichtige Vermittlerrolle weiter auszuüben und die palästinensischen Gruppen zu einer umgehenden Einstellung der Angriffe auf Israel zu bewegen". Eine Eskalation der Gewalt müsse verhindert werden.

+++ 17.28 Uhr: Türkei und Ägypten beraten über Gaza-Konflikt +++

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi und der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan haben über die jüngste Eskalation im Nahen Osten beraten. Nach Angaben von Mursis Sprecher betonte der Präsident bei dem Gespräch in Kairo, er werde seine Bemühungen fortsetzen, um "die israelische Attacken auf Gaza" zu stoppen.

+++ 16.06 Uhr: Rakete vor Tel Aviv abgeschossen +++

Die israelische Raketenabwehr hat eine Rakete aus dem Gazastreifen kurz vor der Stadtgrenze von Tel Aviv vom Himmel geholt. Das teilte das Militär mit. Zu dem Angriff bekannte sich der militärische Arm der Hamas, die Kassam-Brigaden. Über Opfer wurde nichts bekannt.

Noch während die Luftschutzsirenen heulten, war ein lauter Knall zu hören. Ein Radioreporter berichtete, er habe gesehen, wie die Abfangrakete das nahende Geschoss in der Luft traf. Augenzeugen sprachen von einer großen Rauchwolke. Die Überreste der Rakete seien dann vor dem südlichen Vorort Bat Jam - etwa vier Kilometer vom Stadtzentrum entfernt - ins Meer gestürzt.

+++ 15.37 Uhr: Luftalarm in Tel Aviv +++

Tel Aviv ist den dritten Tag in Folge mit einer Rakete aus dem Gazastreifen angegriffen worden. Es wurde Luftalarm ausgelöst, und wenige Sekunden später war in Jaffa ein lauter Knall zu hören. Das Geschoss schlug Augenzeugenberichten zufolge vor dem südlichen Vorort Bat Jam ins Meer.

Der israelische Rundfunk berichtete, die Rakete sei zuvor von dem gerade erst installierten Abwehrsystem "Iron Dome" (Eisenkuppel) abgefangen worden. Eine offizielle Bestätigung gibt es noch nicht.

+++ 14.15 Uhr: USA gaben Israel laut Botschafter freie Hand für Gaza-Angriff +++

Die USA haben Israel grünes Licht für einen Angriff auf Gaza gegeben. Das erklärte Israels Botschafter in Washington amerikanischen Medien. "Die USA haben uns volle Rückendeckung dafür gegeben, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um unsere Staatsbürger vor dem Terror der Hamas zu schützen", sagte Botschafter Michael Oren nach einem Bericht der Zeitung "New York Daily News".

+++ 13:30 Uhr: Israel stationiert Raketenabwehr bei Tel Aviv +++

Das israelische Militär hat angesichts der überraschenden Raketenangriffe aus dem Gazastreifen auf den Großraum Tel Aviv ein Raketenabwehrsystem bei der Stadt stationiert. Es handele sich um eine Abwehrtechnik des Typs "Iron Dome" (Eisenkuppel) gegen Kurzstreckenraketen mit einer Reichweite bis 70 Kilometer. Es sei die fünfte Einheit, deren Aufbau eigentlich erst für kommenden Januar geplant gewesen sei, teilte die Armee mit.

Angesichts der Angriffe auf Tel Aviv sei der Termin vorgezogen worden. Die anderen vier Systeme sind um den Gazastreifen herum stationiert. Dort hätten sie in den vergangenen Tagen 211 Raketen aus dem Gaza-Streifen noch in der Luft zerstört.

+++ 13:03 Uhr: Hamas hindert Ausländer an Ausreise +++

Die radikal-islamische Hamas hat 22 ausländischen Journalisten und Mitgliedern von Hilfsorganisationen die Ausreise aus dem Gazastreifen verweigert. Das sagte einer der in der Enklave festsitzenden Journalisten der Nachrichtenagentur DPA. Das Hamas-Innenministerium habe zur Begründung angegeben, Israel schließe den Erez-Kontrollpunkt im Norden des Gazastreifens am Schabbat. Israel betonte jedoch, der Übergang sei wegen des Konflikts für Personen auch am Samstag geöffnet. Die Ausländer berichteten, sie hätten dies der Hamas mitgeteilt, dennoch hätten sie nicht passieren dürfen. In der Gruppe seien keine Deutschen.

+++ 12:52 Uhr: Iran fordert Kampf gegen Israel +++

Irans Verteidigungsminister Ahmed Wahidi hat angesichts der Luftangriffe Israels auf den Gazastreifen eine gemeinsame Vergeltungsaktion der islamischen Länder gefordert. Die "Verbrechen der zionistischen Regierung" könnten nur durch "eine revolutionäre Vergeltungsmaßnahme der muslimischen Welt" beendet werden, zitierte ihn die staatliche Nachrichtenagentur Irna. Wahidi warf Israel vor, das palästinensische Volk "abzuschlachten".

+++ 12:01 Uhr: Westerwelle ruft zur Mäßigung auf +++

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat im Konflikt um den Gazastreifen alle Beteiligten zur Zurückhaltung aufgefordert. Angesichts der gefährlichen Lage seien "Besonnenheit und Mäßigung auf allen Seiten dringend erforderlich", erklärte das Auswärtige Amt in Berlin nach einem Telefonat Westerwelles mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al Arabi. Die Außenminister der Arabischen Liga kommen wegen des Konflikts zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas am Samstag in Kairo zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen.

+++ 11:16 Uhr: Tunesien verurteilt israelische Angriffe +++

Der tunesische Außenminister Rafik Abdesslem hat bei einem Solidaritätsbesuch im Gazastreifen die israelischen Angriffe auf das Palästinenser-Gebiet als völkerrechtswidrig verurteilt. "Was Israel tut ist illegitim und überhaupt nicht hinnehmbar", sagte Abdesslam auf den Trümmern des bei einem nächtlichen Luftangriff zerstörten Amtssitzes von Hamas-Ministerpräsident Ismail Hanijeh. Israel genieße keine totale Immunität und stehe nicht über dem Völkerrecht.

+++ 11:13 Uhr: Ex-Botschafter Primor nimmt Hamas in die Pflicht +++

Der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, sieht die Hauptverantwortung für die Gewalt in Nahost nicht bei der im Gazastreifen regierenden radikal-islamischen Hamas. Die Hamas habe die Gewalt "nicht entfesselt", sagte der Präsident der israelischen Gesellschaft für Außenpolitik am Samstag im Deutschlandradio Kultur. Verantwortlich seien die "extremistischen fundamentalistischen Gruppierungen", die sich einen Machtkampf im Gazastreifen lieferten.

"Es gibt eigentlich nur ein Mittel, um die Lage zu beruhigen, und das ist, die Hamas davon zu überzeugen, die extremistischen Gruppierungen mit Gewalt in Grenzen zu halten." Damit wäre für den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu auch ein glaubwürdiges Einlenken möglich.

+++ 10:09 Uhr: Hamas kündigt Racheaktionen an +++

Die im Gazastreifen herrschende radikalislamische Hamas hat sich am vierten Tag israelischer Luftangriffe kämpferisch gegeben. "Israel wird einen hohen Preis für seine Verbrechen zu zahlen haben. Wir schwören Rache für Tod und Schrecken, die die Besatzer über unsere Menschen bringen", hieß es in einer am Samstag verbreiteten schriftlichen Mitteilung des Hamas-Sprechers Sami Abu Suhri.

+++ 09:27 Uhr: Blutige Nacht im Gazastreifen +++

Bei israelischen Luftangriffen im Gazastreifen sind nach palästinensischen Angaben seit Freitagmitternacht mindestens zehn weitere Menschen getötet worden. Das teilte der Sprecher des Gesundheitsministeriums der Hamas-Regierung in der Enklave am Mittelmeer, Aschram al Kedra, in Gaza-Stadt mit.

Ob es sich um Zivilisten oder Mitglieder militanter Gruppen handelte, ließ er offen. Damit stieg die Zahl der palästinensischen Todesopfer seit dem Beginn der israelischen Offensive "Säule der Verteidigung" am Mittwoch auf 39. Etwa 330 Menschen seien verletzt worden. In Israel gab es zugleich drei Tote und etwa 20 Verletzen.

+++ 08:47 Uhr: Livni warnt vor Gewaltspirale +++

Die frühere israelische Außenministerin Tsipi Livni hat vor einer Spirale der Vergeltung im jüngsten Gazakonflikt gewarnt. Man müsse bei solchen Einsätzen klare Ziele haben und wissen, wie man wieder herauskomme, sagte Livni dem Münchener Nachrichtenmagazins "Focus". "Wenn die Ziele nicht präzise definiert sind, gibt es einen Hang zur Zerstörung, der das Beenden der Aktion schwierig macht."

Livni gehört der oppositionellen Partei Kadima an. Sie äußerte auch Kritik an Regierungschef Benjamin Netanjahu. Sie hätte es vorgezogen, direkt nach der Tötung des Hamas-Militärchefs Ahmed al-Dschabari mit Hilfe Ägyptens Verhandlungen über einen Waffenstillstand zu beginnen. "Jetzt, da es Verluste gibt, geraten wir in einer Spirale der Vergeltung."

+++ 08:05 Uhr: Israel attackiert Regierungssitz der Hamas +++

Israelische Kampfflieger haben am Samstag Regierungsgebäude der Hamas in Gaza bombardiert. Attackiert wurden das Büro des Ministerpräsidenten Ismail Hanijeh sowie eine Polizeizentrale, teilte die Hamas mit. Ein israelischer Militärsprecher bestätigte den Angriff auf Hanijehs Büro. Dort hatte dieser am Freitag noch den ägyptischen Ministerpräsidenten Hisham Kandil empfangen.

Nach Hamas-Angaben wurden seit Beginn der israelischen Luftangriffe im Gazastreifen bislang 30 Palästinenser getötet, 14 Soldaten und 16 Zivilisten, darunter acht Kinder und eine schwangere Frau. Auf israelischer Seite starben am Donnerstag drei Zivilisten durch eine Rakete. Laut israelischem Militär schlugen seit Freitag 133 Raketen auf israelischem Boden ein. 82 weitere wurden durch die Raketenabwehr abgefangen. Umgekehrt gab es mehrere Dutzend Luftangriffe Israels auf Ziele im Gazastreifen.

+++ 07:00 Uhr: Obama versucht zu vermitteln +++

US-Präsident Barack Obama hat sich in erneuten Telefonaten mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und Ägyptens Präsident Mohamed Mursi für eine Deeskalation in der Gaza-Krise eingesetzt. Wie das US-Präsidialamt in der Nacht zum Samstag mitteilte, unterstrich Obama im Gespräch mit Netanjahu das Recht Israels auf Selbstverteidigung. Zugleich habe der US-Präsident sein Bedauern darüber ausgedrückt, dass bei dem Beschuss zwischen Hamas und dem israelischen Militär auf beiden Seiten Zivilisten getötet wurden.

Im Gespräch mit Mursi habe Obama an Ägypten appelliert, beruhigend auf die Konfliktparteien einzuwirken, um die Lage wieder zu stabilisieren. Der ägyptische Ministerpräsident Hisham Kandil hatte am Freitag gesagt, sein Land sei zur Vermittlung bereit, um eine Waffenruhe auszuhandeln.

Auch US-Außenministerin Hillary Clinton führte Telefonate mit ihren Kollegen aus Israel und Ägypten. Nach Auskunft eines Ministeriumsvertreters gab es auch ein Gespräch mit dem jordanischen König Abdullah. Für diesen Samstag sei ein weiteres mit dem Regierungschef von Katar geplant. Clinton habe ihre Gesprächspartner dazu aufgerufen, ihren Einfluss geltend zu machen und sich für ein Ende der Gewalt einzusetzen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite die Geschehnisse von Freitag.

+++ 22:01 Uhr: Israel schickt 12.000 SMS in den Gazastreifen +++

Die israelischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben 12.000 gleichlautende SMS an Handys im Gazastreifen geschickt. In der Nachricht wurden die Menschen dringend aufgefordert, sich fern von allen Hamas-Mitgliedern zu halten.

+++ 21:34 Uhr: Israel tötet womöglich weiteren Hamas-Kommandeur +++

Israel hat nach palästinensischen Angaben einen weiteren Kommandeur der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen getötet. Der Militärchef für den mittleren Abschnitt des Gazastreifens, Ahmed Abu Dschalal, sei zusammen mit zwei seiner Brüder und einem Nachbarn in dem Flüchtlingslager Al-Mughazi von einer Rakete getötet worden, teilte der medizinische Notdienst in dem Gebiet am Mittelmeer mit. In ersten Berichten war nur vom Tod von drei Brüdern die Rede gewesen. Am Mittwoch hatte Israel bereits den Militärchef der Hamas, Ahmed al-Dschabari, getötet. Ein weiterer Mann sei auf seinem Motorrad von einer Rakete getötet worden. Die Zahl der Todesopfer im Gazastreifen stieg damit auf 29.

+++ 21:13 Uhr: Westerwelle appelliert erneut an Ägypten +++

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat erneut an die ägyptische Führung appelliert, sich für ein Ende der Gewalt in Gaza und Südisrael einzusetzen. In einem Telefonat mit Ägyptens Außenminister Mohammed Amr habe Westerwelle "sehr große Sorge" angesichts der weiter eskalierten Lage in der Region geäußert, teilte das Auswärtige Amt in Berlin am Freitagabend mit. In dieser Situation müsse alles getan werden, um eine Waffenruhe zu erreichen. "Ein erster Schritt wäre ein Ende des Raketenbeschusses aus Gaza."

+++ 21:05 Uhr: Armee sperrt Straßen rund um Gazastreifen +++

Offenbar in Vorbereitung einer Bodenoffensive hat Israel am Freitagabend alle großen Verkehrsadern um den Gazastreifen abgesperrt. Die Straßen befänden sich jetzt in einem "geschlossenen Militärgebiet" und seien für den Zivilverkehr gesperrt, sagte ein Armeesprecher der Nachrichtenagentur AFP. AFP-Reporter berichteten, dass die Armee entlang dem Gazastreifen bedeutende Truppenkontingente und schweres Militärmaterial zusammenziehe.

+++ 19:32 Uhr: Barack plant Einberufung von bis zu 75.000 Reservisten +++

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak will wegen des Konflikts mit der Hamas politischen Kreisen zufolge weitaus mehr Reservisten als bisher einberufen. Barak wolle bis zu 75.000 Reservisten mobilisieren, hieß es am Freitag in der Zeitung "Jerusalem Post". Barak habe entsprechende Pläne der Streitkräfte gebilligt und dem Kabinett zur Genehmigung weitergeleitet. Bislang war von 16.000 Reservisten die Rede, die der jüdische Staat für eine mögliche Bodenoffensive im Gazastreifen zu den Waffen rufen will.

+++ 18:30 Uhr: Zwei weitere Tote im Gazastreifen +++

Bei den israelischen Angriffen im Gazastreifen sind zwei weitere Palästinenser getötet worden. Eine Frau sei bei Beit Lahia durch einen Raketeneinschlag verletzt worden und später gestorben, teilte der Sprecher des Gesundheitsministeriums in dem Gebiet am Mittelmeer mit. Ein Mitglied der dort herrschenden radikalislamischen Hamas sei bei einem Angriff im Norden der Enklave getötet worden.

Damit stieg die Zahl der seit dem Beginn der israelischen Offensive "Säule der Verteidigung" getöteten Palästinenser auf 24, darunter 9 Zivilisten. In Israel gab es 3 Tote durch eine Rakete aus dem Gazastreifen, 20 wurden verletzt.

+++ 17:30 Uhr: Israel mobilisiert weitere Reservisten +++

Angesichts der israelischen Offensive im Gazastreifen hat Verteidigungsminister Ehud Barak die Einberufung weiterer Reservisten angeordnet. Der Minister habe die Mobilisierung weiterer Reservisten-Kontingente veranlasst, sagte Baraks Sprecher Josh Hantman. Kurz zuvor war eine aus dem Gazastreifen abgeschossene Rakete in einem unbewohnten Gebiet im Großraum Jerusalem eingeschlagen. Israel hatte am Freitag nach Armeeangaben bereits mit der Mobilisierung von 16.000 Reservisten begonnen. Am Vortag hatte die Regierung den Weg für die Einberufung von insgesamt bis zu 30.000 Reservisten freigemacht.

+++ 17:11 Uhr: Merkel und Putin setzen auf ägyptischen Einfluss +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Russland Präsident Wladimir Putin haben vor einer Eskalation im Nahen Osten gewarnt. "Ich habe deutlich gemacht, dass ich das mit großer Sorge sehen", sagte Merkel am Freitag zum Abschluss der deutsch-russischen Regierungskonsultationen in Moskau. "Verantwortlich für den Ausbruch der Gewalt ist Hamas", betonte sie mit Hinblick auf die Raketenangriffe der radikal-islamischen Organisation auf Israel. Sie sei sich mit Putin einig: "Wir appellieren an die ägyptische Regierung, auch den Einfluss auf die Hamas geltend zu machen, damit es zu keiner weiteren Eskalation kommt." Putin betonte, beide teilten die Besorgnis über das Verhältnis zwischen Ägypten und Israel. Die islamische Regierung in Kairo hat die israelischen Luftangriffe scharf verurteilt.

+++ 16:15 Uhr: Israel bestätigt Angriff auf Jerusalem +++

Die israelische Armee hat bestätigt, dass erstmals seit dem Beginn der Militäroffensive im Großraum Jerusalem eine Rakete eingeschlagen ist. Eine Rakete sei außerhalb der Stadt eingeschlagen, sagte die Sprecherin der Streitkräfte, Avital Leibovich. Opfer gab es nach Angaben des Radios nicht. In der Stadt heulten die Sirenen des Luftschutzes. Zuvor hatte der bewaffnete Arm der im Gazastreifen herrschenden Palästinenserorganisation Hamas erklärt, es sei ein Ziel in Jerusalem beschossen worden.

+++ 16:00 Uhr: Luftalarm auch in Jerusalem +++

Nach Tel Aviv ist auch in Jerusalem Luftalarm ausgelöst worden. In Medienberichten war die Rede von drei Explosionen in der Stadt, was von Seiten der israelischen Armee und der Behörden zunächst jedoch nicht kommentiert wurde. Der bewaffnete Arm der im Gazastreifen herrschenden radikalen Palästinenserorganisation Hamas erklärte, es sei ein Ziel in Jerusalem beschossen worden.

+++ 15:00 Uhr: Zwei Hamas-Mitglieder getötet +++

Bei israelischen Luftangriffen im Gazastreifen sind am Freitag zwei weitere Menschen getötet worden. Bei beiden handele es sich um Hamas-Mitglieder, die bei zwei Luftangriffen im Süden des Gebiets am Mittelmeer in Chan Junis und im Norden ums Leben gekommen seien, teilte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Aschram al-Kedra, mit. Damit stieg die Zahl der palästinensischen Todesopfer seit Beginn der israelischen Offensive "Säule der Verteidigung" am Mittwoch auf 22, darunter mindestens acht Zivilisten. In Israel starben drei Zivilisten durch eine Hamas-Rakete. 245 Menschen wurden im Gazastreifen verletzt, etwa 20 in Israel.

+++ 14:00 Uhr: Wütende Proteste im Westjordland und in Kairo +++

Im Westjordanland sind tausende Palästinenser aus Protest gegen die israelische Offensive im Gazastreifen auf die Straße gegangen. Die Demonstranten versammelten sich in Ramallah und Nablus und riefen Parolen wie "Hamas, bombardiert Tel Aviv!". Wütende Menschen verbrannten die israelische Flagge und riefen "Tod Israel". Auch vor der Al-Azhar-Moschee in Kairo demonstrierten tausende Gläubige gegen die israelische Luftoffensive. "Mit unserer Seele, unserem Blut opfern wir uns für Dich, Palästina" und "Wir gehen nach Gaza, Millionen von Märtyrer", skandierte die Menge nach dem Freitagsgebet.

+++ 13:30 Uhr: Hamas bekennt sich zu Angriff auf Tel Aviv +++

Die Hamas hat sich zum jüngsten Raketenangriff auf Tel Aviv bekannt. Das meldete der Nachrichtendienst der radikalislamischen Organisation, Safa. Mindestens ein Geschoss sei in offenem Gelände eingeschlagen, teilte die israelische Polizei mit. Eine weitere vom Gazastreifen aus abgefeuerte Rakete landete im Meer, berichteten Polizei und Augenzeugen übereinstimmend. In Tel Aviv wurde Luftalarm ausgelöst, im Zentrum war deutlich eine schwere Explosion zu hören. Opfer gab es nach Angaben der Behörden nicht.

+++ 13:22 Uhr: Vereinte Nationen verurteilen Angriffe beider Seiten +++

Die Vereinten Nationen haben sowohl israelische Luftangriffe als auch den Raketenbeschuss Israels durch die Hamas verurteilt. Ein Sprecher der UN-Menschenrechtsbeauftragten Navi Pillay rief am Freitag in Genf beide Seiten zur Mäßigung auf und verwies auf das Leid der Zivilbevölkerung. Das Schicksal von Israelis und Palästinensern ist seit Gründung der UN vor fast sieben Jahrzehnten ein Dauerthema. "Es hat jeder Angst", sagt ein Diplomat. "Diese Krise hat das Potenzial, zu einer Katastrophe zu werden." Noch sei völlig unklar, wohin die Entwicklung führen könnte. "Aber zu sagen, die UN wären beunruhigt, wäre untertrieben."

+++ 12:35 Uhr: Explosion in Tel Aviv +++

In der israelischen Metropole Tel Aviv haben Alarmsirenen erneut die Bevölkerung vor einem Angriff gewarnt. In der Stadt war eine schwere Explosion zu hören, wie verschiedene Nachrichtenagenturen übereinstimmend berichteten. Es habe keine Opfer gegeben, teilte die Polizei mit. Das Geschoss sei in einem unbewohnten Areal niedergegangen. Eine Armeesprecherin forderte die Einwohner über Lautsprecher auf, die Schutzräume wieder zu verlassen.

+++ 12:25 Uhr: Großbritannien warnt vor Bodenoffensive +++

Großbritannien hat Israel vor den Folgen einer Bodenoffensive im Gazastreifen gewarnt. Die israelische Regierung müsse sich bewusst machen, dass dies in der Vergangenheit zu einem großen Verlust an Unterstützung und Sympathie in aller Welt geführt habe, sagte Außenminister William Hague am Freitag in London. Ob Großbritannien eine Bodenoffensive der Israelis im Gazastreifen offiziell verurteilen würde, wollte Hague nicht sagen. "Wir müssen die Aktionen beider Seiten beurteilen, nicht nur einer", sagte er. Hague und Premierminister David Cameron sehen die Hauptverantwortung für die Eskalation der Gewalt bei der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas. Der zunehmende Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen auf Israel sei nicht hinnehmbar, sagte ein Sprecher der Downing Street. Cameron hatte sich am Donnerstagabend in einem Telefonat mit seinem israelischen Kollegen Benjamin Netanjahu über die Lage informiert.

+++ 12:05 Uhr: Stadtverwaltung Tel Avivs sieht Angriff auf "pluralistischen Lebensstil" +++

Nach dem Raketenangriff auf die israelische Küstenstadt Tel Aviv am Donnerstag hat ein ranghoher Berater des Bürgermeisters von einer "dramatischen Eskalation" gesprochen. Etwa drei Millionen Einwohner des Großraums Tel Aviv seien nun in Reichweite der Raketen militanter Palästinenser im Gazastreifen, sagte Eytan Schwartz am Freitag. Erstmals seit dem Golfkrieg von 1991, als der Iran Scud-Raketen auf Israel abschoss, hatte es am Donnerstagabend wieder Luftalarm in Tel Aviv gegeben. Einwohner hatten eine Explosion gehört, die Armee teilte jedoch mit, es habe keinen Einschlag gegeben. Schwartz sagte, die Rakete sei außerhalb von Tel Aviv abgefangen worden. Die radikale Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad hatte sich zu dem Angriff bekannt.

Nach Einschätzung des Experten Arieh Herzog stammte die Rakete - vermutlich des Typs Fajr 5 oder 3 - aus iranischer Produktion. "Um den Großraum Tel Aviv von Gaza aus zu treffen, braucht man eine große Rakete", sagte der ehemalige Leiter der Raketenabwehr-Abteilung im israelischen Verteidigungsministerium. Dies sei keine Waffe, die die Palästinenser selbst herstellen könnten.

+++ 11:55 Uhr: Merkel verteidigt israelische Angriffe +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Verantwortlichen im Gazastreifen aufgefordert, sofort den Beschuss Israels einzustellen. Es gebe keinerlei Rechtfertigung für den Abschuss von Raketen auf israelisches Gebiet, unter dem die Zivilbevölkerung massiv leide, sagte Regierungssprecher Georg Streiter am Freitag in Berlin. "Israel hat das Recht und die Pflicht, seine Bevölkerung in angemessener Weise zu schützen." Die Bundesregierung appellierte zugleich an Ägypten, "seinen Einfluss auf die Hamas geltend zu machen und sie zur Mäßigung und zur Einstellung der Gewalt zu bewegen."

+++ 11:45 Uhr: Zentralrat der Juden verteidigt Vorgehen Israels +++

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat das Vorgehen Israels im Gazastreifen verteidigt. "Der ständige Raketenhagel durch die Terrororganisation Hamas auf die israelische Zivilbevölkerung muss jetzt endlich ein Ende haben", erklärte Zentralrats-Präsident Dieter Graumann am Freitag in Frankfurt am Main. Israel habe wie jeder Staat der Welt das Recht auf Selbstverteidigung.

"Wir unterstützen daher ausdrücklich Israels Recht und Pflicht, die eigenen Menschen vor den böswilligen, fortgesetzten Angriffen der Terroristen zu schützen", erklärte Graumann weiter. Bisher sei der "tagtägliche Terror, ausgeführt durch die diktatorische, brutale Terrorfiliale des Irans im Gaza", von der Weltöffentlichkeit viel zu oft ignoriert und stillschweigend hingenommen worden. Durch den Raketenangriff auf Tel Aviv habe die Bedrohung eine neue Dimension angenommen.

+++ 11:38 Uhr: Kandil bricht Besuch im Gazastreifen ab +++

Vergebliche Hoffnung auf eine Feuerpause: Der ägyptische Ministerpräsident Hischam Kandil hat seinen Solidaritätsbesuch im Gazastreifen frühzeitig beendet. Am Grenzübergang Rafah stieg er am Vormittag in einen Hubschrauber und flog in Richtung Kairo ab. Ursprünglich sei geplant gewesen, dass Kandil bis nach der Freitagspredigt im Gazastreifen bleibt, hieß es in Rafah. Aufgrund neuerlicher israelischer Angriffe habe er allerdings beschlossen, den Besuch abzukürzen.

+++ 11:30 Uhr: Reporter bestätigen Explosionen in Gaza-Stadt +++

Widersprüchliche Angaben um den Bruch der Waffenruhe: Nach palästinensischen Angaben starb ein 19-Jähriger bei einem israelischen Luftangriff. Ein dpa-Reporter in Gaza-Stadt sprach von drei schweren Explosionen durch Luftangriffe aus Israel während des Besuchs. Israel betonte dagegen, seit 08.00 Uhr Mitteleuropäischer Zeit nicht mehr angegriffen zu haben. Und beschuldigt die Gegenseite, seit Beginn des Besuchs von Kandil mindestens 50 Raketen in Richtung Israel abgefeuert zu haben.

+++ 10:40 Uhr: EU-Außenbeauftragte ruft Hamas und Israel zu Zurückhaltung auf +++

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton hat Israel und die Palästinenser zu einem Ende der Gewalt im Nahost-Konflikt aufgefordert. Die radikale Palästinensergruppe Hamas müsse ihren Raketenbeschuss einstellen, sagte Ashton am Freitag in Brüssel. "Israel hat das Recht, seine Bevölkerung vor solchen Angriffen zu beschützen." Gleichwohl rief die EU-Chefdiplomatin die israelische Regierung zur Zurückhaltung beim weiteren Vorgehen gegen radikale Palästinenser im Gazastreifen auf. Israel müsse sicherstellen, dass seine Antwort auf den Raketenbeschuss angemessen sei.

Ashton äußerte die Hoffnung, dass der Besuch des ägyptischen Ministerpräsidenten Hischam Kandil im Gazastreifen zu einer Entspannung der Lage beitragen könnte. Über die Chancen einer diplomatischen Lösung habe sie auch telefonisch mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sowie dem ägyptischen Präsidialamt beraten.

+++ 10:27 Uhr: Israelische Armee will Waffenruhe nicht gebrochen haben +++

Die gegenseitigen Angriffe zwischen der israelischen Armee und militanten Palästinensern sollen am Freitag auch während eines Besuchs des ägyptischen Ministerpräsidenten Hischam Kandil weitergegangen sein. Nach palästinensischen Angaben starb ein 19-Jähriger bei einem israelischen Luftangriff. Israel betonte jedoch, seit 08.00 Uhr MEZ nicht mehr anzugreifen. Seit dem Beginn des Besuchs von Kandil seien aber mindestens 50 Raketen in Richtung Israel abgefeuert worden.

+++ 10:25 Uhr: Westerwelle warnt vor weiterer Zuspitzung in Nahost +++

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat die Raketenangriffe der Hamas auf israelische Gebiete verurteilt und vor einer weiteren Zuspitzung der Situation im Nahen Osten gewarnt. Es müsse alles getan werden, um zivile Opfer zu vermeiden, sagte Westerwelle am Freitag vor dem Abflug zu den deutsch-russischen Regierungskonsultationen. Die kritische Lage im Nahen Osten soll auch Thema bei den Gesprächen in Moskau sein.

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes hat Westerwelle am Donnerstagabend mit dem israelischen Außenminister Avigdor Lieberman telefoniert. Dabei habe er das israelische Recht auf Selbstverteidigung betont. Im Deutschlandfunk machte Westerwelle die Hamas verantwortlich. "Die Ursachen dieser Eskalation sind die von der Hamas zu verantwortenden Raketenangriffe aus Gaza, die erheblichen Schaden und auch viele Opfer auf israelischer Seite verursacht haben", sagte der FDP-Politiker. "Die Verantwortung für diese Zuspitzung trägt Hamas." Die Raketenangriffe müssten sofort beendet werden.

+++ 10:15 Uhr: Palästinensischer Botschafter fordert Zwei-Staaten-Lösung +++

Der palästinensische Botschafter in Deutschland, Salah Abdel Shafi, hat die Weltgemeinschaft zu mehr Engagement für eine Zwei-Staaten-Lösung aufgefordert. "Sicherheit für Israel gibt es nur, wenn die Palästinenser auch in Würde, Freiheit und in einem eigenen Staat leben können", sagte Shafi am Freitag im Deutschlandradio Kultur. "Das ist eine Spirale der Gewalt, die schon lange andauert, und deswegen braucht man unserer Meinung nach eine politische Lösung." Über eine solche Lösung herrsche international Konsens, auch die "überwältigende Mehrheit" der Palästinenser wolle diese.

+++ 9:48 Uhr: Kandil würdigt palästinensische Opfer als "Märtyrer" +++

Ägyptens Ministerpräsident Hischam Kandil sagte während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Ismail Hanija, dem Regierungschef der radikal-islamischen Hamas-Bewegung, sein Land stehe unverbrüchlich auf der Seite der Palästinenser. Die Opfer der israelischen Angriffe bezeichnete er als "Märtyrer". Hanija lobte die neue Politik des "revolutionären Ägyptens". Er sprach von einem "historischen Besuch" und forderte die anderen arabischen Führer auf, dem Beispiel der Ägypter zu folgen. "So Gott will, werden wir siegen", fügte er hinzu.

+++ 9:35 Uhr: Feuerpause in Gaza gebrochen +++

Die Gewalt zwischen Israel und den Palästinensern hält trotz einer vorübergehend vereinbarten Waffenruhe an. Radikale Palästinenser feuerten am Freitag zahlreiche Raketen auf den Süden Israels ab, wie die israelische Armee mitteilte. Die israelische Luftwaffe antwortete mit einem Angriff auf das Haus eines Hamas-Kommandeurs, wie aus Kreisen der Palästinensergruppe verlautete. "Die Hamas respektiert nicht den Besuch des ägyptischen Ministerpräsidenten im Gazastreifen und verletzt die vorübergehende Feuerpause, in die Israel vor dem Besuch eingewilligt hat", erklärte ein Sprecher von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu über den Kurznachrichtendienst Twitter.

+++ 8:50 Uhr: Israel beginnt mit Einberufung von Reservisten +++

Die israelische Armee hat mit der Einberufung von 16.000 Reservisten begonnen. Die Einberufung sei angelaufen, sagte eine Armeesprecherin am Morgen. Die Rekrutierung der Reservisten sei Teil des Einsatzes "Pfeiler der Verteidigung", mit dem Israel seit Mittwoch gegen den Gazastreifen vorgeht. Israel schließt dabei auch den Einsatz von Bodentruppen nicht aus. Am Donnerstag hatte Israels Regierung den Weg für die Einberufung von bis zu 30.000 Reservisten freigemacht.

+++ 8:34 Uhr: Ägyptens Regierungschef besucht Gazstreifen +++

Der ägyptische Ministerpräsident Hischam Kandil ist am Freitag im Gazastreifen eingetroffen. Das meldete der staatliche Rundfunk. Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte sich zuvor zu einer Feuerpause während des Kandil-Besuchs bereiterklärt. "Israel wird die Angriffe heute einstellen, wenn zugleich auch das feindliche Feuer eingestellt wird", sagte ein ranghoher israelischer Beamte der Nachrichtenagentur dpa. Dies sei Ägypten mitgeteilt worden.

Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi hatte Kandil am Vortag gebeten, zu dem Solidaritätsbesuch in den Gazastreifen zu fahren. "Kandils Besuch unterstreicht Ägyptens Solidarität mit dem Volk von Gaza angesichts der israelischen Aggression", hatte Mursis Sprecher Jassir Ali gesagt.

be/mlr/cjf/AFP/DPA/Reuters

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