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Ran ans Volk, Mr. President

Zu emotionslos, zu analytisch, zu weit weg vom Volk: Präsident Barack Obamas ist gerade einmal ein Jahr im Amt und befindet sich schon in der Krise. Nun hält er eine Rede ans Volk und muss mit ihr nicht weniger als den Neustart schaffen.

Von Katja Gloger

  • Katja Gloger

Es muss schon eine merkwürdige Situation gewesen sein, an jenem frühen Herbstmorgen im vergangenen Jahr, als die Nachricht kam, er habe den Friedensnobelpreis gewonnen. Da kam Barack Obama zur morgendlichen Runde mit seinen Beratern zusammen, berichtet der Reporter Joe Klein vom US-Magazin "Time", und normalerweise hätte man Glückwünsche erwartet, Freude, vielleicht ein paar Worte des Preisträgers selbst.

Doch dann saßen alle da, es herrschte Schweigen. Man hakte die Tagesordnung ab. Konzentriert und kühl, wie jeden Morgen. Obama selbst sagte kein Wort über den Preis, den er gerade erhalten hatte. Und die Anwesenden trauten sich nicht.

Bezeichnender Moment für den Präsidenten

Es war ein kurzer, ein bezeichnender Moment für das erste Amtsjahr dieses Präsidenten. Obamas fast übernatürliche Ruhe, aber auch die unnahbare Distanz. Kühl und rational ist er ja, ein Analytiker, der seine Optionen wägt. Stoisch scheint er, fast ohne Emotionen.

Er hatte sich ein gewaltiges Pensum vorgenommen für sein erstes Amtsjahr, die ganz große Nummer. Echten Wandel wollte er erreichen: Gesundheitsreform, Klimaschutz, eine neue Außenpolitik - und das alles vor dem Hintergrund der globalen Finanzkatastrophe. Das will er ja sein: ein Präsident, der wirklich etwas verändert. Ein transformativer Präsident.

Hohe Hoffnungen, die Wirtschaftskrise und die Wut auf George W. Bush trugen ihn ins Amt. Und wie bei allen Präsidenten folgte unweigerlich der Absturz in die Realität. Doch seine Popularitätskurve sank erstaunlich schnell. Er mache seinen Job nicht gut, glauben die Amerikaner mittlerweile mehrheitlich. Aus der harten Landung wurde vergangene Woche ein Crash: Da verloren die Demokraten im urdemokratischen Bundesstaat Massachusetts die Senatswahlen. Die traditionell ebenso unabhängigen wie querköpfigen Wähler schickten ein glasklares Protestsignal: So nicht, Mr. President!

Es hagelt Häme und gute Ratschläge

Jetzt hagelt es Häme ebenso wie gute Ratschläge - denn im November stehen die wichtigen Kongresswahlen an, und die drohen für die Demokraten verloren zu gehen. Schon orakelt man: Obama könne wie Carter enden, als grandiose Enttäuschung. Auch außenpolitisch traue man ihm nichts mehr zu, heißt es; weder im Nahen Osten noch im Iran oder in China ergreife man seine, Amerikas ausgestreckte Hand. Schon macht ein böser Satz die Runde: Obama sei nicht stark genug, seinen Feinden entgegenzutreten. Er sei auch nicht stark genug, seine Freunde zu unterstützen. "Er muss jetzt tough werden", wünscht sich das konservative Wochenmagazin "Economist" Magazin "Newsweek"

Er müsse jetzt endlich mehr werden wie Clinton, heißt es, mehr aus der Mitte regieren, auch wenn er sich damit Ärger in der eigenen Partei einhandelt. Menschlicher werden, einfühlsamer, raus aus dem landesweit verhassten Washington, um die verunsicherten Menschen im Land in die emotionale Dauerumarmung zu nehmen.

Obama ist frustriert

Der Weckruf schlug im Weißen Haus ein wie eine Bombe. Ja, man sei frustriert, sagte Obama in einem Fernsehinterview. Er hatte sich verrechnet, falsch kalkuliert. Wollte rasch sein wichtigstes Wahlversprechen durchsetzen - die Gesundheitsreform. Hoffte zunächst auf moderate Republikaner im Kongress. Doch dann wurde diese Reform verwässert, in oberfaule Kompromisse zerredet, von den Lobbyisten erobert. So ließ sich Obama überrennen, er unterschätzte die Fundamentalopposition der Republikaner, aber auch die verstrickten sich in Details. Er agierte wie ein Senator, nicht wie ein Präsident. In diesen quälenden Monaten gingen seine Zustimmungsraten kontinuierlich nach unten. Denn die Bürger draußen im Land wollten Antworten auf ihre eigentlichen Sorgen: Auf ihre Angst vor Arbeitslosigkeit, vor Steuererhöhungen. Auf einmal war Obama ein Mann aus Washington.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Für gerade einmal ein Viertel der Amerikaner ist die Gesundheitsreform wichtig, ansonsten gilt wieder die alte Weisheit von Bill Clinton.

Woher sollen die 100 Milliarden Dollar kommen?

Die jüngsten Umfragezahlen der Washington Post zeigen die Stimmung: Für 42 Prozent der Amerikaner ist die Wirtschaftslage das wichtigste Thema. Afghanistan? Zwei Prozent. Terror? Fünf Prozent. Und die Gesundheitsreform? Gerade mal 24 Prozent sehen die als wichtiges Thema. Die Mehrheit fürchtet die Kosten: 100 Milliarden Dollar im Jahr. Woher nehmen, fürchten sie, wenn nicht durch Steuererhöhungen?

Da mag er sich noch so abstrampeln im Weißen Haus. Für die Amerikaner bleibt Obama zu weit weg, zu weit entfernt von ihren Problemen, ohne klare Linie. "Er ist im Nichts gelandet", heißt es in der "New York Times". Anders gesagt: Vielen erscheint er auch nur als ein Präsident aus dem korrupten, verfilzten Washington. Auf einmal hat er, einer der besten Redner seiner Generation, Probleme, den Menschen seine Ziele zu erklären.

Obama will nicht kuscheln

Noch nicht einmal emotionale Wärme, ein bisschen Kuscheln will Mr. Cool ihnen bieten. Obama ist einer, der die Dinge gerne mit sich alleine ausmacht, geschäftsmäßig, ein Einzelgänger. Gegen ihn wirkt selbst Angela Merkel wie eine warmherzige Mama.

Vor allem aber: "It's the economy, stupid" - es ist die Wirtschaft, Dummkopf. Mit diesem Slogan hatte einst Bill Clinton die Wahl gewonnen. Auch jetzt steht auf der Sorgenskala an erster Stelle die Angst um den Arbeitsplatz. Dazu kommt die Wut darüber, dass die Zocker von der Wallstreet mit Hunderten von Milliarden unterstützt wurden. Und die Angst vor einem ebenso übermächtigen wie verschuldeten Staat. Da steht ein Haushaltsdefizit von atemberaubenden 1,3 Billionen Dollar - während die Banker mit ihren Boni davonkommen, mal wieder. Als ob es sich um ein abgekartetes Spiel handle. Hat er, Agent der Hoffnung, die wahren Nöte seines Landes nicht erkannt?

Er muss auf den Neustart-Knopf drücken, Obama 2.0 sozusagen. Nun spricht er zur Lage der Nation. Will klare Kante zeigen, um die Gunst der Wähler kämpfen. Er sei angriffslustig, sagt sein oberster Stratege David Axelrod. Obama knöpfte sich jüngst endlich die unverschämten Banker vor, will ihre monströse Allmacht beschneiden. Prügelte das mehrheitlich konservative Oberste Gericht öffentlich für dessen Entscheidung, dass Unternehmen nahezu unbegrenzt für Wahlkämpfe spenden können. Er wird Teile des Staatshaushaltes einfrieren, will so das Billionen-Haushaltsdefizit bekämpfen. Wird per Order eine Kommission einberufen, die weitere Sparvorschläge erarbeiten soll.

Die "Sandwich Generation" sind seine Wähler

Vor allem aber will Obama die Mittelschicht ansprechen, seine Wähler, die "Sandwich Generation": die Arbeitnehmer, die von den ständig steigenden Kosten - etwa für die Ausbildung ihrer Kinder oder die Pflege ihrer Eltern - aufgefressen werden. Er wird Steuerentlastungen für Familien und kleine Unternehmen verkünden. Kleine Maßnahmen, zu klein für einen Präsidenten? Zu populistisch gar?

Altgediente Beobachter fühlen sich mal wieder an Bill Clinton erinnert. Der hatte noch das Tragen von Schuluniformen zu seinem persönlichen Anliegen gemacht. "Man machte sich über ihn lustig", so der Clinton-Kenner John Harris, "aber für die Menschen im Land bewiesen diese Dinge: Clinton ging jeden Morgen zur Arbeit, um etwas für diese Menschen zu erreichen. Clinton schaffte es, durch Populismus und einem Lächeln den Amerikanern das Gefühl zu vermitteln, dass er auf ihrer Seite war."

Obama weiß, in diesem wichtigen Wahljahr muss er raus aus Washington. Schon sind wieder Reisen ins Land geplant, dort sollen Obamas Auftritte an seinen Wahlkampf anknüpfen, an das Prinzip Hoffnung.

Bangemachen gilt schon lange nicht mehr

Vor allem sein ehemaliger Wahlkampfmanager David Plouffe soll es nun richten. Er wurde angeheuert, seine Obama-Siegesstrategie auf die anstehenden Kongresswahlen anzuwenden: Die Mobilisierung von Millionen freiwilliger Helfer, der massive Einsatz des Internets, Millionen-Budgets, und all das mit militärischer Disziplin orchestriert. "Man soll sich nicht in die Hosen machen", sagt er. Stimmt ja, Bangemachen gilt nicht. Schon lange nicht mehr.

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