Amerika huldigt einem Mann, der zu seiner Amtszeit auch Hassfigur war: Ronald Reagan, Schauspieler, Präsident, Star-Wars-Krieger. Spurensuche in einem verunsicherten Land, das sich wieder nach einem Held sehnt. Von Sabine Muscat, Tampico

Auch von Obama bewundert: Ronald Reagan, 40. Präsident der USA© Mike Sargent/AFP
Wer mitten im Winter den Spuren von Ronald Reagan folgt, braucht Allradantrieb. Das flache Farmland von Illinois und der tiefe Himmel verschwimmen im Schneegestöber zu einer milchig weißen Fläche, der Mittelstreifen der schnurgeraden Landstraße lässt sich nur noch erahnen. Kurz vor der Ortseinfahrt von Tampico unterbricht eine elektrische Leuchttafel die Monotonie. "Reagan Centennial" flackert es gelblich grün.
Im Deer Valley Golf Club stieg an diesem Freitag eine große Gala zu Ehren des ehemaligen US-Präsidenten. Vor 100 Jahren, am 6. Februar 1911, wurde er hier in Tampico geboren. Als Festredner trat Newt Gingrich auf, der Republikaner und frühere Sprecher des Repräsentantenhauses. Nur zu gern würde er in Reagans Fußstapfen treten, es heißt, er wolle sich bald offiziell als Präsidentschaftskandidat für das Jahr 2012 bewerben. Der Glanz des alten Helden Reagan soll nun auf ihn abstrahlen.
Ganz ähnlich kalkulieren die Präsidentschaftsanwärter Mitt Romney und Sarah Palin, die sehr unterschiedliche Weltanschauungen haben, aber beide Reagan als ihr großes Vorbild bezeichnen. Und sogar der demokratische Präsident Barack Obama , der etwas verblasste Held der Gegenwart, ist voll der Bewunderung. Im Weihnachtsurlaub studierte er Reagans Biografie, in einem Essay schwärmte er vergangene Woche von dessen "Führungsrolle in der Welt" und von seiner "Begabung, seine Vision von Amerika zu kommunizieren".
Die USA sind im Reagan-Taumel. Amerika feiert den "Gipper", wie er in Anlehnung an eine seiner Filmrollen genannt wird, als Ideal eines Präsidenten, stilisiert zur Lichtgestalt aus einer goldenen Zeit. Dass jeder mit Reagan etwas anderes verbindet, ist dabei egal.
Es ist ein wunderliches Comeback. Ronald Wilson Reagan, von 1981 bis 1989 der 40. Präsident des Landes, gestorben 2004, war in seiner Amtszeit keineswegs unumstritten. In den 90ern war er bei den Amerikanern sogar verpönt, heute zählt er zu den beliebtesten Präsidenten der Geschichte, so wie Franklin D. Roosevelt oder John F. Kennedy.
Seine Wurzeln hat dieser Mythos im Mittleren Westen, wo das Leben langsamer ist und wo nach verbreiteter Ansicht das Herz Amerikas schlägt. Vielleicht findet sich hier eine Antwort auf die Frage, warum Reagan die kollektive Phantasie der Amerikaner so beflügelt.
Übernommen aus ...
FTD
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