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1000 Peitschenhiebe für "Beleidigung des Islam"

Ein saudi-arabischer Blogger bekommt 1000 Peitschenhiebe wegen der "Beleidigung des Islam". Doch nun regt sich internationaler Protest, auch aus Deutschland, einem wichtigen Partner der Saudis.

  König Abdullah könnte dem Blogger die Peitschenhiebe erlassen

König Abdullah könnte dem Blogger die Peitschenhiebe erlassen

Nach der Auspeitschung des saudiarabischen Bloggers Raef Badawi wegen "Beleidigung des Islam" haben Menschenrechtler die Aufhebung des Urteils gefordert. Human Rights Watch (HRW) forderte König Abdallah am Samstag auf, die Verurteilung Badawis zu zehn Jahren Haft und tausend Peitschenhieben aufzuheben und ihn "umgehend zu begnadigen". HRW-Regionaldirektorin Sarah Leah Whitson erklärte, es sende "eine abscheuliche Botschaft der Intoleranz", einen friedlichen Aktivisten für die Äußerung seiner Meinung öffentlich auszupeitschen.

Zuvor hatte auch die Bundesregierung das Vorgehen Saudi-Arabiens kritisiert. "Diese grausame Art von Bestrafung ist menschenunwürdig", sagte ihr Menschenrechtsbeauftragter Christoph Strässer (SPD) am Freitag in Berlin. Zugleich appellierte er an Saudi-Arabien, die "grundlegenden Menschenrechte" zu beachten. Das Königreich gehört zu Deutschlands wichtigsten Partnern in der arabischen Welt.

10 Jahre Haft und 1000 Peitschenhiebe

Badawi hatte am Freitag nahe der Al-Dschafali-Moschee in Dschidda die ersten 50 Peitschenhiebe erhalten. Die Strafe von 1000 Peitschenhieben soll über 20 Wochen aufgeteilt werden. Der 30-jährige Aktivist hatte auf seiner Internetseite Liberal Saudi Network immer wieder die Religionspolizei für ihre harte Durchsetzung der in dem wahhabitischen Königreich vorherrschenden strengen Auslegung des Islam kritisiert. Im Jahr 2012 wurde er deshalb festgenommen und im November wegen "Beleidigung des Islam" verurteilt.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF), die sich weltweit für die Pressefreiheit einsetzt, forderte nach der ersten Auspeitschung am Freitag erneut die sofortige Aufhebung der Strafe. Auch wenn Saudi-Arabien bisher alle Appelle ignoriert habe, würde sich ihre Organisation auch weiter dafür einsetzen, dass Badawi baldmöglichst wieder in Freiheit gelangt, erklärte RSF-Programmdirektorin Lucie Morillon. Auch Amnesty International sowie die EU-Kommission und die US-Regierung haben die Strafe scharf verurteilt.

Auch die EU verurteilte die Auspeitschung. "Die Prügelstrafe ist inakzeptabel und (steht) im Gegensatz zur Menschenwürde", teilte ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini am Freitagabend in Brüssel mit. Saudi-Arabien solle eine Abschaffung von Auspeitschungen überdenken. Die Strafe verstoße unter anderem gegen die Anti-Folter-Konvention, die das Land ratifiziert habe.

fin/DPA/AFP/DPA
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