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5. September 2008, 20:32 Uhr

Verzweifelte Verschwörungstheoretiker

Das Interesse an 9/11-Verschwörungstheorien war noch vor wenigen Jahren gigantisch - inzwischen jedoch liegen derart viele Theorien auf dem Tisch, dass kein Mensch mehr durchblickt. Nun versammelten sich in Berlin auf Einladung eines Verlages die einschlägigen "Experten". Von Andreas Mix

Am 11. September 2001 steuerten Terroristen zwei Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers, tausende Menschen starben in den Flammen© Carmen Taylor/AP

Elvis lebt, die Mondlandung hat die Nasa inszeniert, John F. Kennedy wurde vom CIA, Lady Di vom MI6 und Papst Johannes Paul I. von klerikalen Finstermännern ermordet. Beweisen lassen sich diese Behauptungen nicht. Warum sind sie dennoch so populär? Weil sie sich auch nur schwer widerlegen lassen. Für eine zünftige Verschwörungsideologie ist das eine notwendige, aber noch keine hinreichende Bedingung. Zusätzlich bedarf es einer bestimmten Gefühlslage bei den Rezipienten. Die krudesten Erklärungen wuchern am üppigsten dort, wo Misstrauen und Angst herrschen.

Zu beobachten war das bei einer Pressekonferenz des "Hintergrund-Verlags" in Berlin, der das gleichnamige Nachrichtenmagazin vorstellte. Themenschwerpunkt der aktuellen Ausgabe: "Der inszenierte Terrorismus. Geschichte und strategische Ziele". Zur Unterstützung hatte der Verlag die Creme der hiesigen Verschwörungsideologen geladen - Andreas von Bülow ("Die CIA und der 11. September. Internationaler Terror und die Rolle der Geheimdienste"), Matthias Bröckers ("WTC-Conspircy", "Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11.9.") und Jürgen Elsässer ("Terrorziel Europa. Das gefährliche Doppelspiel der Geheimdienste"). Ergänzt wurde die illustre Schar durch den Europaparlamentarier Giulietto Chiesa, der ebenfalls Teil der "9/11 Truth Movement" ist. Unter diesem Label sammeln sich jene, die an der offiziellen Version der Anschläge vom 11. September 2001 zweifeln.

Den Geladenen saßen auf der Pressekonferenz etwa zehn Journalisten gegenüber, offenbar ebenfalls Zweifler, die neue Nahrung für ihren Zweifel suchten.

Mittlerweile ist das Angebot an verwegenen Erklärungen für die Anschläge vom 11. September so vielfältig, dass jeder nach seiner ideologischen Facon glücklich werden kann. Als Drahtzieher gehandelt werden der Mossad, das FBI, die CIA, das Pentagon, neokonservative think tanks oder gleich die ganze Bush-Regierung. Aus Sicht der Verschwörungstheoretiker ist derjenige verblendet, der behauptetet, dass eine handvoll arabischer Terroristen, bewaffnet mit Messern und Pfefferspray, die Weltmacht USA wirkungsvoll angreifen konnte. Was nicht wahr sein darf, kann auch nicht wahr sein.

Die Liste der Verschwörungstheorien ist endlos

Die "9/11 Truth Movement" ist so produktiv, dass es schwerfällt, den Überblick zu behalten. In Dutzenden von Büchern und Filmen, auf tausenden Websites und in unzähligen Blogs werden ständig andere Versionen des wahren Geschehens verbreitet und alte Fragen neu gestellt: Flog eine Boing 757 der American Airlines in das Pentagon oder war es nicht vielmehr ein Marschflugkörper? Endet der United Airlines Flug 93 tatsächlich auf einem Feld bei Shanksville in Pennsylvania oder wohlbehalten in einem Hangar der US-Luftwaffe? Stürzten die Türme des World Trade Centers aufgrund der Flugzeugeinschläge zusammen oder wurden sie gesprengt? Saßen die neunzehn Flugzeugentführer tatsächlich in den vier Maschinen? Waren die Araber CIA-Agenten? Lenkten sie selbst die Flugzeuge oder waren die Maschinen ferngesteuert?

Die Liste der Erklärungen und damit auch der Widersprüche ist endlos. Eine konzise Verschwörungstheorie kann man aus der trüben Informationsflut kaum noch basteln. Wer allein die CIA als Drahtzieher beschuldigt, läuft Gefahr, von denen bloßgestellt zu werden, die von der Schuld des Mossads überzeugt sind.

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