Explosion erschüttert Tel Aviv

18. November 2012, 15:33 Uhr

Stellt die Hamas den Raketenbeschuss ein, kann es eine Waffenruhe gegen, sagte Israels Premier Netanjahu. In Tel Aviv heulen wieder die Sirenen. Die Ereignisse im stern.de-Newsticker.

+++ 19.58 Uhr: Obama-Berater: Israel entscheidet selbst über Bodenoffensive +++

Israel hat nach den Worten eines hochrangigen Sicherheitsberaters von US-Präsident Barack Obama die Entscheidung über eine mögliche Bodenoffensive im Gazastreifen selbst in der Hand. "Wir wollen dasselbe wie die Israelis", sagte Ben Rhodes während eines Flugs nach Asien zu Journalisten. "Und das ist ein Ende des Raketenbeschusses aus Gaza."

Aus seiner Sicht seien die andauernden Raketenangriffe aus den Palästinensergebieten ausschlaggebender Faktor für die Zuspitzung des Konflikts gewesen - nicht die gezielte Tötung des Militärchefs der Hamas im Gazastreifen, Ahmed al-Dschabari. "Wir glauben, dass Israel das Recht hat, sich zu verteidigen und seine eigenen Entscheidungen über diesbezügliche Taktiken zu treffen."

+++ 17.53 Uhr: Kanzlerin telefoniert mit Netanjahu und Mursi +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit Israels Premier Benjamin Netanjahu und dem ägyptischen Präsidenten Mohamed Mursi telefoniert. Im Gespräch mit Netanjahu betonte die Kanzlerin das Recht Israels auf Selbstverteidigung und die Pflicht zum Schutz der israelischen Bevölkerung, wie der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter mitteilte. "Sie war sich mit dem Premierminister einig, dass schnellstmöglich ein vollständiger Waffenstillstand erreicht werden müsse, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden", hieß es weiter.

Den Ägypter Mursi ermunterte die Kanzlerin (CDU) den Angaben zufolge, "seine wichtige Vermittlerrolle weiter auszuüben und die palästinensischen Gruppen zu einer umgehenden Einstellung der Angriffe auf Israel zu bewegen". Eine Eskalation der Gewalt müsse verhindert werden.

+++ 17.28 Uhr: Türkei und Ägypten beraten über Gaza-Konflikt +++

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi und der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan haben über die jüngste Eskalation im Nahen Osten beraten. Nach Angaben von Mursis Sprecher betonte der Präsident bei dem Gespräch in Kairo, er werde seine Bemühungen fortsetzen, um "die israelische Attacken auf Gaza" zu stoppen.

+++ 16.06 Uhr: Rakete vor Tel Aviv abgeschossen +++

Die israelische Raketenabwehr hat eine Rakete aus dem Gazastreifen kurz vor der Stadtgrenze von Tel Aviv vom Himmel geholt. Das teilte das Militär mit. Zu dem Angriff bekannte sich der militärische Arm der Hamas, die Kassam-Brigaden. Über Opfer wurde nichts bekannt.

Noch während die Luftschutzsirenen heulten, war ein lauter Knall zu hören. Ein Radioreporter berichtete, er habe gesehen, wie die Abfangrakete das nahende Geschoss in der Luft traf. Augenzeugen sprachen von einer großen Rauchwolke. Die Überreste der Rakete seien dann vor dem südlichen Vorort Bat Jam - etwa vier Kilometer vom Stadtzentrum entfernt - ins Meer gestürzt.

+++ 15.37 Uhr: Luftalarm in Tel Aviv +++

Tel Aviv ist den dritten Tag in Folge mit einer Rakete aus dem Gazastreifen angegriffen worden. Es wurde Luftalarm ausgelöst, und wenige Sekunden später war in Jaffa ein lauter Knall zu hören. Das Geschoss schlug Augenzeugenberichten zufolge vor dem südlichen Vorort Bat Jam ins Meer.

Der israelische Rundfunk berichtete, die Rakete sei zuvor von dem gerade erst installierten Abwehrsystem "Iron Dome" (Eisenkuppel) abgefangen worden. Eine offizielle Bestätigung gibt es noch nicht.

+++ 14.15 Uhr: USA gaben Israel laut Botschafter freie Hand für Gaza-Angriff +++

Die USA haben Israel grünes Licht für einen Angriff auf Gaza gegeben. Das erklärte Israels Botschafter in Washington amerikanischen Medien. "Die USA haben uns volle Rückendeckung dafür gegeben, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um unsere Staatsbürger vor dem Terror der Hamas zu schützen", sagte Botschafter Michael Oren nach einem Bericht der Zeitung "New York Daily News".

+++ 13:30 Uhr: Israel stationiert Raketenabwehr bei Tel Aviv +++

Das israelische Militär hat angesichts der überraschenden Raketenangriffe aus dem Gazastreifen auf den Großraum Tel Aviv ein Raketenabwehrsystem bei der Stadt stationiert. Es handele sich um eine Abwehrtechnik des Typs "Iron Dome" (Eisenkuppel) gegen Kurzstreckenraketen mit einer Reichweite bis 70 Kilometer. Es sei die fünfte Einheit, deren Aufbau eigentlich erst für kommenden Januar geplant gewesen sei, teilte die Armee mit.

Angesichts der Angriffe auf Tel Aviv sei der Termin vorgezogen worden. Die anderen vier Systeme sind um den Gazastreifen herum stationiert. Dort hätten sie in den vergangenen Tagen 211 Raketen aus dem Gaza-Streifen noch in der Luft zerstört.

+++ 13:03 Uhr: Hamas hindert Ausländer an Ausreise +++

Die radikal-islamische Hamas hat 22 ausländischen Journalisten und Mitgliedern von Hilfsorganisationen die Ausreise aus dem Gazastreifen verweigert. Das sagte einer der in der Enklave festsitzenden Journalisten der Nachrichtenagentur DPA. Das Hamas-Innenministerium habe zur Begründung angegeben, Israel schließe den Erez-Kontrollpunkt im Norden des Gazastreifens am Schabbat. Israel betonte jedoch, der Übergang sei wegen des Konflikts für Personen auch am Samstag geöffnet. Die Ausländer berichteten, sie hätten dies der Hamas mitgeteilt, dennoch hätten sie nicht passieren dürfen. In der Gruppe seien keine Deutschen.

+++ 12:52 Uhr: Iran fordert Kampf gegen Israel +++

Irans Verteidigungsminister Ahmed Wahidi hat angesichts der Luftangriffe Israels auf den Gazastreifen eine gemeinsame Vergeltungsaktion der islamischen Länder gefordert. Die "Verbrechen der zionistischen Regierung" könnten nur durch "eine revolutionäre Vergeltungsmaßnahme der muslimischen Welt" beendet werden, zitierte ihn die staatliche Nachrichtenagentur Irna. Wahidi warf Israel vor, das palästinensische Volk "abzuschlachten".

+++ 12:01 Uhr: Westerwelle ruft zur Mäßigung auf +++

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat im Konflikt um den Gazastreifen alle Beteiligten zur Zurückhaltung aufgefordert. Angesichts der gefährlichen Lage seien "Besonnenheit und Mäßigung auf allen Seiten dringend erforderlich", erklärte das Auswärtige Amt in Berlin nach einem Telefonat Westerwelles mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al Arabi. Die Außenminister der Arabischen Liga kommen wegen des Konflikts zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas am Samstag in Kairo zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen.

+++ 11:16 Uhr: Tunesien verurteilt israelische Angriffe +++

Der tunesische Außenminister Rafik Abdesslem hat bei einem Solidaritätsbesuch im Gazastreifen die israelischen Angriffe auf das Palästinenser-Gebiet als völkerrechtswidrig verurteilt. "Was Israel tut ist illegitim und überhaupt nicht hinnehmbar", sagte Abdesslam auf den Trümmern des bei einem nächtlichen Luftangriff zerstörten Amtssitzes von Hamas-Ministerpräsident Ismail Hanijeh. Israel genieße keine totale Immunität und stehe nicht über dem Völkerrecht.

+++ 11:13 Uhr: Ex-Botschafter Primor nimmt Hamas in die Pflicht +++

Der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, sieht die Hauptverantwortung für die Gewalt in Nahost nicht bei der im Gazastreifen regierenden radikal-islamischen Hamas. Die Hamas habe die Gewalt "nicht entfesselt", sagte der Präsident der israelischen Gesellschaft für Außenpolitik am Samstag im Deutschlandradio Kultur. Verantwortlich seien die "extremistischen fundamentalistischen Gruppierungen", die sich einen Machtkampf im Gazastreifen lieferten.

"Es gibt eigentlich nur ein Mittel, um die Lage zu beruhigen, und das ist, die Hamas davon zu überzeugen, die extremistischen Gruppierungen mit Gewalt in Grenzen zu halten." Damit wäre für den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu auch ein glaubwürdiges Einlenken möglich.

+++ 10:09 Uhr: Hamas kündigt Racheaktionen an +++

Die im Gazastreifen herrschende radikalislamische Hamas hat sich am vierten Tag israelischer Luftangriffe kämpferisch gegeben. "Israel wird einen hohen Preis für seine Verbrechen zu zahlen haben. Wir schwören Rache für Tod und Schrecken, die die Besatzer über unsere Menschen bringen", hieß es in einer am Samstag verbreiteten schriftlichen Mitteilung des Hamas-Sprechers Sami Abu Suhri.

+++ 09:27 Uhr: Blutige Nacht im Gazastreifen +++

Bei israelischen Luftangriffen im Gazastreifen sind nach palästinensischen Angaben seit Freitagmitternacht mindestens zehn weitere Menschen getötet worden. Das teilte der Sprecher des Gesundheitsministeriums der Hamas-Regierung in der Enklave am Mittelmeer, Aschram al Kedra, in Gaza-Stadt mit.

Ob es sich um Zivilisten oder Mitglieder militanter Gruppen handelte, ließ er offen. Damit stieg die Zahl der palästinensischen Todesopfer seit dem Beginn der israelischen Offensive "Säule der Verteidigung" am Mittwoch auf 39. Etwa 330 Menschen seien verletzt worden. In Israel gab es zugleich drei Tote und etwa 20 Verletzen.

+++ 08:47 Uhr: Livni warnt vor Gewaltspirale +++

Die frühere israelische Außenministerin Tsipi Livni hat vor einer Spirale der Vergeltung im jüngsten Gazakonflikt gewarnt. Man müsse bei solchen Einsätzen klare Ziele haben und wissen, wie man wieder herauskomme, sagte Livni dem Münchener Nachrichtenmagazins "Focus". "Wenn die Ziele nicht präzise definiert sind, gibt es einen Hang zur Zerstörung, der das Beenden der Aktion schwierig macht."

Livni gehört der oppositionellen Partei Kadima an. Sie äußerte auch Kritik an Regierungschef Benjamin Netanjahu. Sie hätte es vorgezogen, direkt nach der Tötung des Hamas-Militärchefs Ahmed al-Dschabari mit Hilfe Ägyptens Verhandlungen über einen Waffenstillstand zu beginnen. "Jetzt, da es Verluste gibt, geraten wir in einer Spirale der Vergeltung."

+++ 08:05 Uhr: Israel attackiert Regierungssitz der Hamas +++

Israelische Kampfflieger haben am Samstag Regierungsgebäude der Hamas in Gaza bombardiert. Attackiert wurden das Büro des Ministerpräsidenten Ismail Hanijeh sowie eine Polizeizentrale, teilte die Hamas mit. Ein israelischer Militärsprecher bestätigte den Angriff auf Hanijehs Büro. Dort hatte dieser am Freitag noch den ägyptischen Ministerpräsidenten Hisham Kandil empfangen.

Nach Hamas-Angaben wurden seit Beginn der israelischen Luftangriffe im Gazastreifen bislang 30 Palästinenser getötet, 14 Soldaten und 16 Zivilisten, darunter acht Kinder und eine schwangere Frau. Auf israelischer Seite starben am Donnerstag drei Zivilisten durch eine Rakete. Laut israelischem Militär schlugen seit Freitag 133 Raketen auf israelischem Boden ein. 82 weitere wurden durch die Raketenabwehr abgefangen. Umgekehrt gab es mehrere Dutzend Luftangriffe Israels auf Ziele im Gazastreifen.

+++ 07:00 Uhr: Obama versucht zu vermitteln +++

US-Präsident Barack Obama hat sich in erneuten Telefonaten mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und Ägyptens Präsident Mohamed Mursi für eine Deeskalation in der Gaza-Krise eingesetzt. Wie das US-Präsidialamt in der Nacht zum Samstag mitteilte, unterstrich Obama im Gespräch mit Netanjahu das Recht Israels auf Selbstverteidigung. Zugleich habe der US-Präsident sein Bedauern darüber ausgedrückt, dass bei dem Beschuss zwischen Hamas und dem israelischen Militär auf beiden Seiten Zivilisten getötet wurden.

Im Gespräch mit Mursi habe Obama an Ägypten appelliert, beruhigend auf die Konfliktparteien einzuwirken, um die Lage wieder zu stabilisieren. Der ägyptische Ministerpräsident Hisham Kandil hatte am Freitag gesagt, sein Land sei zur Vermittlung bereit, um eine Waffenruhe auszuhandeln.

Auch US-Außenministerin Hillary Clinton führte Telefonate mit ihren Kollegen aus Israel und Ägypten. Nach Auskunft eines Ministeriumsvertreters gab es auch ein Gespräch mit dem jordanischen König Abdullah. Für diesen Samstag sei ein weiteres mit dem Regierungschef von Katar geplant. Clinton habe ihre Gesprächspartner dazu aufgerufen, ihren Einfluss geltend zu machen und sich für ein Ende der Gewalt einzusetzen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite die Geschehnisse von Freitag.

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