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11. September 2005, 09:30 Uhr

Der Soundtrack des Grauens

Rettungskräfte am Ground Zero vor den Ruinen des World Trade Centers: Bei dem Einsatz in New York wurden mehrere hundert Feuerwehrleute, Polizisten ud Helfer getötet© Kanter/AFP/DPA

Leutnant Gregg Hansson von Feuerwehrwagen 20 empfängt den Mayday-Alarmruf der Kommandeure Pfeifer und Callan in der 35. Etage des Nordturms. Zusammen mit Kollegen von "Leiter 5", "Leiter 20", "Maschine 33" und einigen Sanitätern hatten sie dort eine Verschnaufpause eingelegt. "Ich hörte den Befehl, das Gebäude zu verlassen auf dem Kommando-Kanal und gab ihn weiter", gab er zu Protokoll. "Ich sah, wie sich auch die anderen Einheiten erhoben." Nur Leutnant Fischer von "Leiter 20" stürmt die Treppen hinauf, um zwei seiner Leute zu warnen, die weiter oben sind. Andere Einheiten hatten sich zu dem Zeitpunkt sogar schon über den 40. Stock hinaus vorgekämpft.

Auf dem Weg nach unten trifft Hansson auf Feuerwehrmann Billy, der sich im 27. Stock um eine Frau im Rollstuhl kümmert. Billy und ein Trupp von "Maschine 21" wollen sie durch Treppenhaus B hinuntertragen. Hansson und die Männer in seiner Begleitung steigen weiter durch Treppenhaus A ab. Im dritten Stock ist ihr Fluchtweg blockiert. Sie wechseln zu Treppenhaus C. Dort liegt ein dicker Mann auf dem Boden, der nicht mehr laufen kann. Hansson schätzt ihn auf ungefähr 300 Pfund. "Mit einigen Mühen gelang es uns, ihn ins Erdgeschoss zu schaffen." Nur unter einem Überhang können sie vor das Gebäude treten, weil von oben immer wieder Menschen herabstürzen. Als sie endlich draußen sind, reißt sich Hansson die Atemschutzmaske vom Gesicht: "Wir waren ganz schön erschöpft." Da stürzt der Südturm in sich zusammen.

Minutenlang gespenstische Stille

Eine Staubwolke hüllt die Männer ein, Trümmer prasseln auf sie nieder. Minutenlang herrscht gespenstische Stille, auch die Funkgeräte bleiben stumm. Der Schein einer Taschenlampe weist Hansson den Fluchtweg durch das Gebäude, nur noch einer seiner Leute von "Maschine 24" bei ihm. Ein Polizist ruft: "Hier geht's raus, hier geht's raus." Als sie auf die Straße kommen, folgt der nächste Schock: "Ich hörte Firefighter Billy 'Mayday' rufen. Ich wollte versuchen, ihn rauszulotsen. Aber er antwortete nicht mehr."

Oft waren es Kleinigkeiten oder Zufälle, die über das Schicksal der Menschen entschieden. So wie bei jenem Feuerwehrmann, der den Kommandostand im Südturm des World Trade Centers kurz verließ, um auf die Toilette zu gehen. Kaum war er draußen, stürzte das Gebäude ein.

Von Peter Meroth
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