17. September 2009, 13:28 Uhr

USA suchen den Ausweg

"Clear, hold, build" lautete der Befehl

Vor zwei Monaten begann die US-Offensive "Dolch" in der Taliban-Hochburg und Drogenprovinz Helmand, ein erster Test. 4000 Marines versuchen dort, Af-Pak anzuwenden. "Clear, hold, build" lautet ihr Befehl: Säubern, halten, aufbauen. Es ist der amerikanische Versuch, Herzen und Köpfe der Bevölkerung zu erobern, in Zweifel mit harten US-Dollars. Und natürlich verhandeln sie dabei auch mit Taliban-Gruppen, die man als "gemäßigt" bezeichnet.

So sollen Dörfer, Landstriche, später vielleicht Provinzen lebensfähig, gar lebenswert gemacht werden. Sollen "Oil Spots" entstehen, sich ausbreiten. "Öl-Flecken" - so nennen Experten für Aufstandsbekämpfung jene kleinen Inseln der Stabilität, auf denen sich Menschen einigermaßen sicher fühlen sollen. Dort sollen Brunnen Wasser liefern, Straßen kontrolliert werden, Schulen geöffnet sein. Die Taliban sollen unter Kontrolle gebracht werden - und zwar auch, in dem man mit ihnen kooperiert. Und in einigen Jahren, so die Hoffnung, soll aus den Inseln ein Stück Festland werden.

"Bevölkerung schützen, nicht Taliban töten"

"Wir wollen die afghanische Bevölkerung schützen, nicht Taliban töten", beschreiben Militärs ihren neuen Job. Den Schutz der Bevölkerung bezeichnet General McChrystal als "kritischen Punkt" der Militäroperationen, dem sich alles andere unterordne. So sollen Luftangriffe nur noch in äußersten Notfällen erfolgen - wenn Isaf-Bodentruppen während eines Einsatzes in direkte Gefahr geraten. Denn nur so könnten die USA ihre verlorene Glaubwürdigkeit wiederherstellen.

Zwei Wochen dauerten die Kämpfe in Helmand, danach zogen sich die Taliban nach Westen und nach Norden zurück, Richtung Kundus. Seitdem herrscht relative Ruhe in der noch vor kurzem als hochgefährlich eingestuften Provinz. Nach Angaben der US-Militärs wird heute noch einer von 13 Kreisen von den Taliban kontrolliert. Und anders als früher sollen die amerikanischen Soldaten nun in den Dörfern stationiert bleiben, aus denen sie die Taliban verjagt haben. Sie sollen Vertrauen aufbauen, den Bewohnern Sicherheit geben und zugleich einen rudimentären Wiederaufbau überwachen.

Nun warten sie auf die "Flutwelle." Denn eine "surge", eine regelrechte Schwemme ziviler Ausbilder und Wiederaufbauhelfer soll in den kommenden beiden Jahren den Soldaten folgen. Die Experten sind sich weitgehend einig: der Erfolg der Obama-Strategie hängt entscheidend davon ab, wie schnell nun die Zahl der afghanischen Polizisten und Soldaten erhöht werden kann. Und dazu braucht es Ausbilder. Tausende.

Obamas Afghanistan-Strategie ist sehr kompliziert

Kann diese Strategie überhaupt funktionieren? "Im Prinzip ja", sagt James Dobbins von der konservativen Rand-Stiftung in Washington. Der ehemalige Sonderbotschafter der US-Regierung war in den ersten Kriegsjahren ständig in Afghanistan, schleppte manchmal Koffer voller Dollar mit. "Im Irak hat sie immerhin zur Wende beigetragen. Dort hat sich die Situation in den vergangenen beiden Jahren deutlich verbessert. Aber Obamas Afghanistan-Strategie ist sehr kompliziert. Sie erfordert intensivste Kooperation auf vielen verschiedenen Ebenen: zwischen einer afghanischen Regierung und den USA und zwischen allen Verbündeten, zwischen zivilen und militärischen Strukturen und dann auch noch innerhalb der internationalen Organisationen. Es wird überaus schwierig, dies zu realisieren. Denn im Moment verlieren wir eher, als dass wir gewinnen. Aber die Stabilisierung der Lage ist unsere einzige Hoffnung. Wir müssen die Gewalt eindämmen, die Zahl der Toten reduzieren."

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Die ersten Erfolge müssen bis Anfang 2011 zu sehen sein. Denn dann beginnt schon wieder langsam der Wahlkampf

 
 
Jetzt bewerten
1 Bewertungen
KOMMENTARE (5 von 5)
 
galahad610 (21.09.2009, 14:02 Uhr)
aha
@frayhelaybas.
ach ja:ich bitte um aufklärung...werden die taliban bis dahin verschwunden sein?
FrahelAybas (20.09.2009, 13:25 Uhr)
Nach dem 8. Oktober 2018
wird Afghanistan frei von Besatzern sein.
RDUKE7777777 (17.09.2009, 15:54 Uhr)
Die Drogenbauern werden den Truppen nachtrauern...
Schließlich stieg die Opium und Heroinproduktion in unglaublichem Maße mit dem Einrücken der "Friedenstruppen" an. Unter westlicher Besatzung wurde Afghanistan zum größten Drogenproduzenten der WELT. Die Drogenbauern und die Konsumenten in den westlichen Metropolen werden wohl die einzigen sein, die der Besatzung nachtrauern.

Was ansonsten bleibt ist verbrannte Erde, unzählige Witwer und Witwen und das gute Gefühl, dass die westliche "Wertegeminschaft" jeglichen Sinn für Moral und Anstand ganz öffentlich abgelegt hat. Folter, Tötung von Zivilisten und das Land ins Chaos gestürzt - Hurra NATO!
STR_EDDS (17.09.2009, 15:47 Uhr)
@malt
Sehe ich auch so.
Malt (17.09.2009, 14:51 Uhr)
Sauber?
Ich glaube, die Soldaten dort interessiert es einen Dreck dort sauber raus zu kommen... die werden froh sein, LEBENDIG dort raus zu kommen.
Was die Welt bewegt

Worüber die Mächtigen dieser Erde hinter den Kulissen rangeln, darüber schreibt stern-Autorin Katja Gloger in der Kolumne "Was die Welt bewegt"

WEITERE ARTIKEL DER KOLUMNE
MEHR ZUM ARTIKEL