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5. November 2008, 10:47 Uhr

Obamas Chance auf einen "New Deal"

John McCain, Obama, Barack Obama, McCain, Wahl

Wird wie ein Messias gefeirt: Barack Obama© AP

Ein Ruck geht durchs Land

Es scheint, als will sich das Land nach acht dunklen Jahren nun einen entscheidenden Ruck geben.

Mehr als 50 Prozent der Bevölkerung stimmten für Obama - die absolute Mehrheit der Wähler hatte bei den Demokraten zuletzt Jimmy Carter, und das ist dreißig Jahre her. Er hat satte demokratische Mehrheiten im Kongress und im Senat, und er hat genug Geld, dem Druck von Lobbyisten aller Art zu widerstehen.

Barack Obama hat das Mandat für eine echte Zeitenwende. Es ist eine gewaltige Chance. Und welch eine große Last. Denn die Erwartungen sind hoch, vielleicht zu hoch. Jetzt liegt es an ihm. Welche Prioritäten setzt er? Kann er es schaffen, dem Land sein Selbstvertrauen zurückzugeben? Könnte Barack Obama gar ein großer Präsident werden?

Katastrophale Hinterlassenschaft von Bush

In den vergangenen Wochen schien es manchmal, als könne er es kaum erwarten. Als sei er seiner immergleichen, exakt 30 Minuten dauernden Wahlkampfrede überdrüssig, der jubelnden Massen müde. Manchmal wirkte er, als sei er längst woanders. Als wisse er, dass all das Gerede von dieser historischen Wahl schon bald vergessen sein wird - denn wirklich Geschichte wird er erst schreiben, wenn er etwas vollbracht hat im Weißen Haus. Und er will schnell beginnen. Am besten schon heute.

Er tritt ein schweres Erbe an. Katastrophal ist die Hinterlassenschaft des George W. Bush. Zwei Kriege, die globale Finanzkatastrophe, das dramatische Haushaltsdefizit von bis zu einer Billion Dollar, die rasch steigende Arbeitslosigkeit, Kreditkrise und Rezession.

Kein zweiter Bill Clinton

Seit fünf Monaten arbeitet sein "transition team" unter Leitung des klugen John Podesta, einst Stabschef von Bill Clinton. Es bereitet ihn präzise auf die Amtsübernahme vor. Das Team fasste die dringendsten Probleme in einem "briefing book" zusammen - und alleine das umfasst schon 50 Kapitel. Schon führte er erste Gespräche mit Harry Reid, dem Mehrheitsführer im Senat. Hakte dabei eine ganze Themenliste ab, die er auf einem Zettel notiert hatte. Noch in den kommenden beiden Wochen könnte der US-Kongress ein Hilfspaket über 100 Milliarden Dollar verabschieden: die Verlängerung der Arbeitslosenunterstützung, die Unterstützung für Kommunen in Finanznot, Winterhilfe für Arme. Noch in diesem Monat will er die Namen seines Außen- und seines Finanzministers bekanntgeben.

Er tritt so ganz anders auf als Bill Clinton, der einst unvorbereitet ins Weiße Haus stolperte. "Er muss das Chaos umarmen", sagt John Panetta, einst selbst Stabschef im Weißen Haus. "Und die schmerzhaften Entscheidungen sollte er zuerst treffen." Schon am Mittwoch wollte er zwei weitere enge Vertraute zu Leitern seines Übergangsteams ernennen, darunter auch seine langjährige Förderin Valerie Jarrett. Klar scheint auch, dass Rahm Emanuel, Politfreund aus Chicago und eisenharter Fraktionsführer im US-Kongress, den Posten des Stabschefs antreten wird. Und fast jeden Tag telefoniert Obama jetzt mit Finanzminister Paulson.

Er will eine Politik der Mitte propagieren, Kompromisse mit den Republikanern, eine breite Machtbasis anstreben - auch wenn es ihm Ärger mit den Linken in der demokratischen Fraktion einbringen wird. Denn die fordern die rasche Einlösung seiner Wahlversprechen, vor allem die versprochenen Steuersenkungen für die Mittelklasse und eine Krankenversicherung für alle.

Er weiß, was er will

Seine Fans sagen, Obama ist pragmatisch. Seine Kritiker lästern, der Mann sei nur opportunistisch. Und niemand weiß, wie er unter Druck reagiert. Ob er harte Entscheidungen auch wirklich durchsetzt. Doch mit ihm wird ein neuer Politikstil ins Weiße Haus einkehren. Sachlich, pragmatisch, kompetent. Experten werden gehört, Diskussion ist Pflicht. Entschieden wird mit dem Kopf - nicht durch den Bauch, so wie sich George W. Bush stets rühmte, es zu machen.

Schon macht in Washington ein Wort die Runde, mit dem Präsident Franklin D. Roosevelt vor 76 Jahren eine Zeitenwende in den USA einläutete: der New Deal. Ein staatliches Konjunkturprogramm, mit dem Millionen Arbeitsplätze geschaffen wurden. Ein Programm, mit dem der Wohlstand etwas gerechter verteilt werden soll, wie Roosevelt damals sagte. Der New Deal begründete Amerikas Wiederaufstieg nach der Weltwirtschaftskrise. Und schon spekuliert man, dass Barack Obama zu seinem Amtsantritt einen "New Deal" verkünden wird, ein staatlich finanziertes Programm zur Verbesserung der maroden Infrastruktur, ein gigantisches Programm auch zur Förderung einer neuer Energiewirtschaft. All das wird Hunderte Milliarden Dollar und harte politische Kämpfe kosten.

"Es reicht nicht, nur Präsident sein zu wollen."

Aber der Mann scheint fest entschlossen, Geschichte zu schreiben. Vor knapp zwei Jahren sagte Barack Obama in einem Interview einmal: "Es reicht nicht, nur Präsident zu sein zu wollen. Nein, es geht vielmehr darum, ein großer Präsident zu sein."

Eins muss man Barack Obama lassen: Er weiß genau, was er will.

Verpassen Sie nichts: Weitere aktuelle Berichte, eine umfassende Grafik zum Stand der Auszählung, Reportagen, Analysen, Kommentare und Fotostrecken, finden Sie hier in unserem Extra zu den Wahlen in den USA.

Von Katja Gloger, Chicago
Seite 1: Obamas Chance auf einen "New Deal"
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KOMMENTARE (10 von 49)
 
jorgdavid (06.11.2008, 06:38 Uhr)
Erdrutschsieg? schöner Wahlkampf?
Dies war kein Erdrutschsieg. Obama hat gerade einmal etwas ueber 5% mehr Stimmen erhalten als McCain. Somit ist die USA in zwei etwa gleich grosse Lager gespalten.
Es war auch kein schoener Wahlkampf. Ueber 50% aller Ausagen beider Kanditaten war negativ, dies ist auch ein neuer Rekord in einem Wahlkampf in den USA.
Man sollte nun erst einmal abwarten wie sich Obama sich schlaegt. Es wird zumindest schwierig sein, schlechter als Bush zu regieren.
starmax (05.11.2008, 19:06 Uhr)
Die ganze Wahrheit:
hier:
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/USA/nach-bush.html
starmax (05.11.2008, 19:03 Uhr)
Ein Satz stimmt wirklich:
Obama wird "...keinen Zweifel daran lassen, wer das Sagen hat." Genau!
Das Sagen hat nämlich der Brzezinski-Clan (und die Rothschild-Hochfinanz). Vater und Sohn sind seine Berater, die Tochter macht die PR.
Wer von einem Kurswechsel träumt, wird vom Kanonendonner erwachen...
petradav (05.11.2008, 18:48 Uhr)
Jugendliche und Kenianer?
@ Gabeltier
Ich bin weder jung noch aus Kenia. 40 und Stuttgarter. Habe aber trotzdem Obama gewaehlt. Meine 80-jaehrige weisse Vermieterin auch. Und jeder auf der etage des Kabelsenders bei dem ich arbeite, alle ueber 30, weiss, schwarz, juedisch, katholisch, eingewanderter aus Neuseeland, Deutschland, Schweiz, und Leute die in den US geboren sind. Jugendliche und Kenianer? Bloedsinn.
tricky_dude (05.11.2008, 18:39 Uhr)
@Putinki
Jetzt mach aber mal hlablang. Die Wahl ist doch keine 24h vorbei.
Es ist ihm glaube ich klar das er auch hart durchgreifen muß und er hat seinen Stab von Beratern.
Putinki (05.11.2008, 18:05 Uhr)
No change
Obama bleibt sich selbst treu. Er reagiert zum Wahlsieg, wie erwartet, mit allgemeinem Gerede. Er hat keine Ahnung, was ihn erwartet und reagiert nur auf Emotionen.Der Präsident einer Supermacht kann nicht umhin, Anderen aud die Füße zu treten, die ihm im Weg stehen. Entweder zeigt er das oder er wird ein "lame duck" Präsident für vier lange Jahre. Dann fragt man sich, was ist eigentlich aus der USA geworden?
OnkelHo (05.11.2008, 17:42 Uhr)
@albundy69
Natürlich muss sich Obama nicht seines Namens schämen. Natürlich heisst er auch Hussein, da haben Sie völlig recht. Nennt man ihn aber nur Hussein und lässt das Obama weg, dann soll damit ein Zweck erfüllt werden. Na ja, Gutmensch – kann ich mit leben. Herzliche Grüße.
tricky_dude (05.11.2008, 16:40 Uhr)
@Nostradamus
Ich hab es einfacher,da ich in Bayern lebe, ich wähle seit den letzten 4 Wahlen nur noch die Bayerpartei, vorher war es die ÖDP.
Ja ich weiß...
Nostradamus (05.11.2008, 16:23 Uhr)
@tricky_dude: Wählen in Deutschland
Ich wähle ja ab und zu. Meist nehme ich meinen Taschencomputer mit und lasse den Zufallszahlen generieren, die ich benutze um die Liste auszuwählen. Leider bekam so schonmal die NPD eine Stimme von mir. ;-) Aber Gott, wenn man mit dem Vorsatz hingeht es dem Zufall zu überlassen muß man sich dran halten.
Da bin ich ganz Sportsmann.
Meine Frau war ziemlich sauer deswegen. ;-) Gab mindestens 6 Wochen keinen Sex für die Aktion.
Seitdem wähle ich dann doch lieber FDP, wenn ich überhaupt wähle. Aber auch die sind für mich ein arger Kompromis. Politisch bin ich ja eher eine wirre Mischung als Liberalem, auch Wirtschaftsliberalem, Sozialdemokrat, Grünem, so ein Funken Nationalismus ist sicher auch dabei, jedenfalls gehöre ich nicht zu denen, die sich wegen der Nazis die Schuld geben und dann spielt bei mir auch noch das christliche Wertesystem, das meiner Meinung nach die Basis der Linken ist, auch noch rein und ich bin ein Familienmensch und obendrein will ich natürlich, dass geltendes Recht nicht nur gegen den kleinen Falschparker, den Häuslebauer, der vielleicht einem Kumpel ein paar Euros gibt vorgegangen wird sondern eben geltendes Recht auch, so wie es in unserer Verfassung steht, auf alle angewandt wird und nicht, so wie in Deutschland üblich, für alle Gruppen und Grüppchen Ausnahmetatbestände geschaffen werden, die jedem mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn nur die Wut ins Gesicht treibt obendrein bin ich noch leistungsorientiert. Wer viel leistet soll auch davon profitieren. Christliche Nächstenliebe sagt nix darüber, dass man den, der etwas leistet ausbeuten soll, bis er zu einem Hilfsbedürftigen geworden ist, um ihm dann jede Hilfe zu verweigern.
Wer so denkt kann keine in Deutschland angebotene Partei wählen.
Für mich ist da FDP das kleinste Übel und nur der Tatsache geschuldet, dass ich in meinem Alter langsam mal sehen muß wie sich der Lebensabend von meiner Frau und mir gestaltet. Leider bin ich ja kein Hellseher. Sonst würde ich die Lottozahlen vorhersagen . Dieser Staat bietet jedenfalls für uns kein sinnvolles Konzept an und auch ansonsten keine Partei. Das Einzige was mir, und genau genommen hunderttausenden in meiner Altersgruppe und vergleichbarer Situation, helfen würde wären deutliche Steuernachlässe und bessere Abschreibungsmöglichkeiten aber in nennenswerter Größenordnung und nicht "drei euro fuffzig" im Jahr.
albundy69 (05.11.2008, 16:14 Uhr)
@onkel HO und alle Gutmenschen hier
geht die pol. corr. jetzt schon so weit, dass man hier nicht mehr schreiben darf, dass der "president elected" der USA BARACK HUSSEIN OBAMA heisst und dass er schwarz ist ?
Gibt es Gründe dies hier zu löschen oder gibt es Gründe, dass er sich deswegen schäme müsste ?
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