Diese Aussage ist nach Recherchen von stern.de möglicherweise etwas zu weitgehend. Tatsächlich hatte das US-Militär bereits im Jahr 1999 nach eigenen Angaben zwei serbische Kriegsgefangene in Deutschland festgehalten - und zwar in dem Militärgefängnis in den Mannheimer "Coleman Barracks". Beide waren im Kosovo von der Befreiungsbewegung UCK gefangen genommen worden. Laut offizieller Pentagon-Presseerklärung wurden sie im Mai 1999 freigelassen und an Belgrader Rot-Kreuz-Leute übergeben.
Die US-Armee versichert, dass diese Operation von der Bundesregierung genehmigt gewesen sei. Doch es gibt merkwürdige Widersprüche in den offiziellen Aussagen. Während das Pentagon von zwei Kriegsgefangenen sprach, ist dem Auswärtigen Amt in (AA) Berlin nur die Haft eines Serben bekannt. Diese sei vom Bundeskanzleramt genehmigt gewesen, sagte eine AA-Sprecherin stern.de.
Im Fall der beiden Serben hatte das Pentagon seinerzeit versichert, dass beide Männer im Einklang mit der Genfer Konvention zur Behandlung von Kriegsge-fangenen behandelt worden seien. Sie hätten sogar das Recht gehabt, Post zu empfangen und zu verschicken. Dieses klare Bekenntnis zur Genfer Konvention gilt in den USA seit dem Terroranschlag vom 11.September 2001 freilich nicht mehr. Bereits im Oktober 2000 hatte das amerikanische Militär auch öffentlich eingeräumt, dass in der "Mannheim Confinement Facility" (MFC) neben US-Soldaten auch "ausländische Kriegsgefangene" festgehalten werden. Unter dem Titel "Hard Time in Mannheim" beschrieb damals eine US-Armeezeitung, wie es in der Haftanstalt zugehe. Mindestens die ersten 72 Stunden lang müssten die Gefangenen im so genannten "D-Block" in Mini-Zellen ausharren. Die sind lediglich 1,80 auf 2,50 Meter groß und nur mit einem Bett, einem Waschbecken und einer Toilette möbliert. Bücher oder Zeitungen sind den Gefangenen nicht erlaubt. Zugleich sind sie unter ständiger Kameraüberwachung.
Die Kaserne, ein früherer NS-Fliegerhorst, hat einen eigenen Flughafen, über den sich Gefangene ein- und ausfliegen lassen. Unstrittig ist auch, dass die in Mannheim stationierte 18th Military Police Brigade beim von US-Präsident George Bush lancierten "Krieg gegen den Terror" in vorderster Front steht. Nach dem Einmarsch in den Irak hielten die Brigadiers ab März 2003 in dem arabischen Land nach eigenen Angaben 3600 Kriegsgefangene unter Verschluss - und nahmen 2400 "Kriminelle" fest. Männer der Brigade waren im Skandalgefängnis Abu Ghraib in Bagdad im Einsatz. Mehrere Brigadeangehörige starben im Irak-Krieg, einer davon bei einem Anschlag auf Abu Ghraib.