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17. Februar 2003, 12:47 Uhr

Ende einer Freundschaft

Wie man den Diktator ohne Kriegsandrohung zum Einlenken zwingen wolle? Warum Deutschland, der einst so treue Freund, Amerika plötzlich im Stich lässt? Ob es keine Dankbarkeit gebe in "good old Germany" - waren all die Reden der vergangenen 50 Jahre über die "tiefe Freundschaft zwischen unseren Völkern" nur Heuchelei? Der deutsche Botschafter schlägt sich tapfer. Er bleibt gelassen, lächelt, beschwichtigt und erklärt. Und geht zum nächsten Fernseh- interview: "Ich mache zurzeit nichts anderes", sagt er.

Schon diskutieren die USA öffentlich, ob es nicht an der Zeit sei, einen Teil ihrer über 40 000 Mann starken Truppen aus Deutschland abzuziehen. Und US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld vergleicht die deutsche Hilfsbereitschaft in der Irakkrise mit jener der amerikanischen Erzfeinde Libyen und Kuba. Ischinger muss seine Empörung darüber hinter diplomatischen Nebelkerzen verbergen und weist auf den nicht unerheblichen Beitrag Deutschlands im Kampf gegen den internationalen Terror hin.

Kurz darauf blafft Joschka Fischer auf einer Tagung in München Rumsfeld so an, dass dieser ein Gesicht macht, als würde er am liebsten unter lautem Protest den Saal verlassen. Die ersten amerikanischen Kongressabgeordneten fordern Wirtschaftssanktionen gegen Frankreich und Deutschland. "Ich werde alles unterstützen, was ihnen schadet, solange es uns nicht schadet", droht Peter King, Mitglied des Repräsentantenhauses aus New York, und findet damit Zustimmung in beiden Parteien. Ein Wirtschaftsboykott gegen den treuesten Verbündeten? King ist einer der schlimmsten Scharfmacher in den USA, gerade versenkte er die störrischen Nato-Partner im Mülleimer der transatlantischen Geschichte: "Frankreich ist keine Weltmacht mehr, Belgien war nie eine, und Deutschland hat zwei Weltkriege angefangen."

So laut das antideutsche Getöse in den Medien, im Pentagon und in Teilen der Republikanischen Partei ist, so verhalten ist es draußen im Land. Noch werden die Deutschen eher geschont, die ganze Wut richtet sich (noch) gegen den Lieblingsfeind, die Franzosen. In Internet-Chats und Late-Night-Shows wird hemmungslos über die Frenchies hergezogen: "Wie nennt man 10 000 Franzosen mit erhobenen Armen? - Eine Armee." - Amerikaner verzichten angeblich schon auf Gänseleber und Evian. Über BMW und Porsche hat man derlei noch nicht gehört. Stattdessen stieß ein stern-Mitarbeiter, der kürzlich seinen Arzt an der Upper East Side in Manhattan besuchte, auf Verständnis: "Ich danke Gott für die Deutschen, auch wenn das seltsam aus dem Mund eines Juden klingt", sagte der Mediziner, "ich habe 500 Patienten, und ich kenne nur drei, die für einen Krieg sind. Alle anderen bewundern die Deutschen, weil sie sich nicht alles gefallen lassen, was aus Washington kommt." Und als stern-Korrespondent Michael Streck neulich in seiner New Yorker Lieblingsbar war, fragte ihn Steve, der Barkeeper: "Du kommst doch aus Deutschland!" Streck zuckte innerlich zusammen und dachte: "Jetzt geht's los." Aber Steve sagte: "Ihr Deutschen macht das gut. Und unser Bush leidet unter Mad Cowboy Disease. Gebt's ihm."

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 09/2003

 
 
 
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