Mahmud hat Unterschlupf im Haus eines "frommen Mannes" gefunden. Der nimmt Syrer auf, die aus dem Krankenhaus kommen und noch nicht zurückkehren können. 20 bis 30 Männer liegen in einem der Räume, in die vielleicht drei Krankenbetten passen würden. Einige der Männer haben durchschossene Knie, andere Schrapnells in der Brust. Einer sitzt im Rollstuhl: Während eines Massakers in der Nähe von Homs haben ihn Soldaten mit einem Messer attackiert. Sie stachen ins Rückenmark und durchtrennten wichtige Nerven.
Auf ihren Handys finden sich Videos der Gräueltaten: Assad-Soldaten, die einen Gefangenen blutig schlagen. Soldaten, die einen Toten treten, der am Boden liegt. Ein Film ist von unwirklicher Brutalität: Zwei Männer der berüchtigten Shabiha-Miliz nehmen eine Kettensäge und halten sie einem Gefangenen an den Hals. Blut spritzt. Dann drücken sie die Säge durch den Hals. Der Kopf fällt ab.
Die Regimegegner hier in der Türkei wollen Freiheit nach Syrien bringen. Sie meinen es nicht kitschig, sie meinen es ernst. Die Kämpfer erinnern sich an den Bombenanschlag im Herzen von Damaskus, bei dem Mitte Juli der Verteidigungsminister und andere Mitglieder der Führungsriege gestorben sind. Die Bewegung gegen das Regime sei so stark geworden, dass sich Soldaten fürchteten. Sie fühlen sich dem Widerstand nicht mehr gewachsen. Und selbst Assad-Anhänger desertieren inzwischen, weil sie nicht auf der falschen Seite stehen wollen, wenn der Krieg vorbei ist.
"Es ist nur wenige Tage her, da haben sich zehn Soldaten bei uns gemeldet", sagt ein Rebellenkommandant, der sich am Telefon Mister Alchick nennt. "Sie wollten desertieren und baten um Hilfe." Alchicks Kämpfer, rund 30 Männer, machten sich durch die Berge auf den Weg zum Grenzübergang Bab al Hawa. Die Aktion war schnell vorüber, die Deserteure am Ziel. Aber nun? Sich wieder zurückziehen? Den Grenzposten der Armee überlassen? Alchick entschied, dass sie Bab al Hawa erobern würden, obwohl das eigentlich nicht geplant war. "Der Überraschungseffekt war unser großer Vorteil", sagt er. Nur eine Stunde habe der Kampf gedauert, dann waren 30 Soldaten der Armee tot und Bal al Hawa in Rebellenhand.
Vom Glück des Kampfs, davon sprechen sie alle: Meschid, Mahmud, Mister Alchick. "Allah ist bei uns", sagt der Kommandant. Mahmud, dass er schnell zurück nach Syrien wolle, "sobald ich wieder eine Waffe tragen kann." Genauso Meschid, er wird nur noch ein paar Tage bei seiner Familie bleiben. Dann geht es zurück zu seiner Einheit. Sie sind sind jetzt Krieger. Sie schießen, als hätten sie nie etwas anderes getan. Sie lächeln während sie über den Krieg reden. Ob es nicht ein seltsames Gefühl ist, wenn man auf Menschen zielt? Meschid sagt: "Nein, es ist ein großartiges Gefühl. Wir sind wie Mel Gibson in 'Braveheart'." Und Mahmud, der schon einmal getroffen wurde, fürchtet er sich nicht? "Nein, ich habe keine Angst vor dem Tod."