Die tödlichen Fehler des US-Geheimdienstes I

Angriff auf das World Trade Center: "Ich prophezeie Amerika bald einen schwarzen Tag"©

Seit 1993 beobachtet die CIA die Islamistenszene in Deutschland. Und seit dieser Zeit hat die "Firma" auch Darkazanli im Auge. Bei Mitgliedern der Terror-Organisation al Qaeda haben die Amerikaner in Afrika die Hamburger Adresse des Syrers gefunden. Seit eineinhalb Jahren interessiert sich die CIA verstärkt für Darkazanli. Im August 1998, nach den Anschlägen auf die US-Botschaften in Nairobi und Daressalam, sind CIA-Ermittler auf eine Spur gestoßen. Einer der Drahtzieher der Anschläge, bei denen 224 Menschen getötet und mehr als 4500 verletzt worden waren, konnte bald verhaftet werden. Es handelte sich um einen Libanesen mit US-amerikanischer Staatsbürgerschaft.

Ein alter Bekannter von bin Laden

Der Libanese war ein alter Bekannter von Osama bin Laden. In den USA hatte er zur Tarnung ein Im- und Exportgeschäft aufgezogen und mit gebrauchten Autoreifen gehandelt. Bei seiner Verhaftung fiel den US-Behörden seine Visitenkarte in die Hände. Darauf hatte der libanesische Autohändler als Geschäftsanschrift eine Adresse in Hamburg angegeben. Es war die von Mamoun Darkazanli.

Zur gleichen Zeit stolperten die US-Agenten noch ein zweites Mal über den Syrer. Wegen der Anschläge auf die US-Botschaften verhaftete das Bundeskriminalamt (BKA) am 16. September 1998 im bayerischen Grüneck den mutmaßlichen Finanzchef Osama bin Ladens. CIA und FBI hatten den Mann um die halbe Welt verfolgt. Als er schließlich nach Deutschland einreiste, bat man das BKA um Amtshilfe. Die Beamten nahmen den Mann fest und lieferten ihn den US-Ermittlern aus.

Das LKA muss ihn laufen lassen

Vom Finanzchef bin Ladens führte ebenfalls eine direkte Spur zu Darkazanli. Der Syrer hatte für ihn bei der Deutschen Bank in Hamburg bis 1997 ein Konto unterhalten. Sollten über dieses Konto Gelder der al Qaeda gewaschen oder gar Terroranschläge finanziert werden? Darkazanli gab sich unschuldig. Gegenüber dem Hamburger Landeskriminalamt (LKA) räumte er zwar ein, den Verhafteten zu kennen, gab aber an, von dessen terroristischem Hintergrund nichts gewusst zu haben.

Das Konto sei nur zum Kauf einer Sendeanlage für den Sudan eingerichtet worden. Dieses Geschäft sei aber nie zustande gekommen. Das LKA hatte nichts gegen Darkazanli in der Hand und musste ihn laufen lassen. Die CIA hingegen hielt Darkazanli von da an für einen wichtigen Knotenpunkt im Netzwerk der Terroristen um Osama bin Laden.

Langley, Virginia, Mitte Dezember 1999

Seit den Anschlägen auf die US-Botschaften steht die CIA unter Erfolgsdruck. Die Attentate vor eineinhalb Jahren haben den Geheimdienst kalt erwischt. Dabei hatte Osama bin Laden die USA gewarnt: "Ich prophezeie Amerika bald einen schwarzen Tag", hatte er kurz zuvor in einem Fernsehinterview mit dem US-Sender ABC gesagt. Aber in Langley, im Hauptquartier der CIA, hatte man den Worten des saudischen Multimillionärs keinen Glauben geschenkt.

Der mächtigste Mann der Geheimdienstgemeinde

Und nun muss George Tenet um seinen Job fürchten. Erst 1997 war er zum Director of Central Intelligence ernannt worden und damit zum mächtigsten Mann in der amerikanischen Geheimdienstgemeinde aufgestiegen. Der Sohn griechischer Einwanderer hat einen für diesen Job ungewöhnlichen Werdegang. Er ist kein gelernter Nachrichtendienstler, sondern ein typischer Karriere-Beamter, wie man sie im Dunstkreis von Capitol und Weißem Haus findet. Altgediente CIA-Veteranen begegnen ihm deshalb meist skeptisch.

 
 
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