Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) rief Israel und die radikalislamische Hamas zur Verschonung der Zivilbevölkerung bei ihren Kämpfen auf. Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International äußerte sich besorgt. "Die allgemeine Lage hat sich seit zwei Jahren kontinuierlich verschlechtert. Aber dass die Menschen nichts zu essen haben, das gab es noch nie", sagte die Amnesty-Nahost-Expertin Donatella Rovera der "Berliner Zeitung" zufolge. Der UN-Sicherheitsrat müsse zu einem Entschluss kommen und Druck auf beide Seiten ausüben. "Es steht außer Frage, dass Israel ein Recht hat, sein Volk zu schützen. Aber die Angemessenheit der Mittel erscheint fraglich", sagte die Amnesty-Vertreterin dem Blatt zufolge.
Der israelische Staatspräsident Schimon Peres verteidigte die Offensive als notwendigen Einsatz gegen die Hamas. Israel werde "nicht dem Gedanken zustimmen, dass die Hamas weiterhin (Raketen) abschießt und wir eine Waffenruhe erklären sollen", sagte Peres dem US-Sender ABC. Die Regierung wolle weder den Gazastreifen erneut besetzen noch die Hamas vernichten, sagte er. Ziel des Einsatzes sei lediglich, "den Terror zu vernichten".
Zum Stopp der Kämpfe dringen die islamischen Länder auf eine Sondersitzung der UN-Vollversammlung. Der malaysische Ministerpräsident Abdullah Ahmad Badawi erklärte am Montag, der UN-Gesandte seines Landes werde mit den anderen Mitgliedern der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) Möglichkeiten für eine solche Sitzung ausloten, bei der gemeinsam nach einer Friedenslösung gesucht werden soll.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte die Mitglieder des Weltsicherheitsrats auf, sich rasch auf Maßnamen zur Beendigung des Konflikts zu verständigen. Er äußerte am Sonntag in einer Erklärung sein Bedauern, dass sich der Sicherheitsrat bisher nicht auf eine Entschließung für einen sofortigen Waffenstillstand habe einigen können. Eine entsprechende Resolution scheiterte am Widerstand der USA, die allein der Hamas die Schuld an der jüngsten Eskalation gaben.

Unterdessen hat im ägyptischen Badeort Scharm el Scheich eine Vermittlungsmission der Europäischen Mission begonnen. Sie will sich vor Ort um einen Waffenstillstand bemühen sowie um einen Korridor für Hilfsgüter. Präsident Husni Mubarak empfing nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Mena Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner, EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner, EU-Chefdiplomat Javier Solana sowie die Außenminister Schwedens und Tschechiens, Carl Bildt und Karel Schwarzenberg.
Die sogenannte EU-Troika wollte anschließend nach Jerusalem, Ramallah und Amman weiterreisen. Scharzenberg war vor der Reise von arabischer Seite scharf kritisiert worden, weil er die israelische Bodenoffensive als Akt der "Selbstverteidigung" bezeichnet hatte, was seine Regierung jedoch später relativiert hatte. Sarkozy bricht zu Nahost-Mission auf Auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat für den heutigen Montag eine Reise in die Krisenregion angekündigt. Sarkozy will unter anderem nach Kairo, Ramallah, Jerusalem und Damaskus reisen. "Frankreich hat eine besondere Verantwortung, weil es fähig ist, vertrauensvolle und freundschaftliche Beziehungen zwischen allen Parteien herzustellen", sagte Sarkozy am Sonntag in einem Interview.
Unterdessen plant die radikal-islamische Hamas nach eigenen Angaben erstmals seit Beginn der israelischen Offensive im Gaza-Streifen diplomatische Gespräche in Ägypten. Wie die Hamas-Vertretung im Libanon mitteilte, gehören der Abordnung zwei Mitglieder des Hamas-Politbüros an, Emad el Alami und Mohammed Nasr. Auf Einladung Ägyptens solle über Möglichkeiten gesprochen werden, den Konflikt mit Israel beizulegen, die Blockade des Gaza-Streifens aufzuheben und den Grenzübergang Rafah nach Ägypten zu öffnen.
Der Chef des israelischen Auslandsgeheimdiensts Mossad, Amos Jadlin, warnte unterdessen vor einem Angriff der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah an der Grenze zu Israel. Der Armeerundfunk zitierte den Mossad-Chef mit den Worten, die proiranische Hisbollah könne im Norden Israels eine "zweite Front" eröffnen.