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24. Oktober 2008, 15:54 Uhr

Mission verfehlt

In dieser Familie fand George W. zunächst seine Rolle als Familienclown, dann als starrsinniger Rebell. Er fluchte, er trank, war aggressiv und ungeduldig. Nie vertrug er Kritik. Vor Jahrzehnten monierte seine geduldige Frau Laura einmal eine schlechte Rede. "Sie sagte, es sei nicht so gut gelaufen. Ich war so schockiert, dass ich den Wagen an unsere Hauswand fuhr, " schreibt Bush in seiner Autobiografie. "Er war der betrunkene Besserwisser", meint die Bush-Biografin Kitty Kelley, "einfach immun gegen jedes Schamgefühl."

Er lebt nach dem rigiden Rhythmus der Bekehrten. "Alles muss eine feste Struktur haben", sagt sein ehemaliger enger Berater Dan Bartlett. "Er gibt ja auch zu, dass er eine suchtgefährdete Persönlichkeit hat." Bush hatte sich von seiner Alkoholsucht befreit, als er Mitte der 80er Jahre die Religion entdeckte. Sieht sich seitdem als Wiedergeborener, der sich selbst für seine Fehler begnadigte. "Mein Glaube befreit mich", sagt er. "Macht mich frei, die Entscheidungen zu treffen, die andere nicht mögen. Ich muss mir keine Sorgen machen um das, was kommt."

"Wir schaffen neue Realitäten"

Und so regierte er auch sein Volk. Sorglos steuerte er eine ganze Nation in den Abgrund. Nach dem 11. September 2001 veränderte er zielgerichtet den politischen Entscheidungsprozeß. Vizepräsident Richard Cheney erhielt faktisch die operative Macht. Experten wurden nicht mehr angehört, Andersdenkende entfernt. Regeln, Gesetze, die Verfassung? Sei's drum - es ging um den Krieg gegen Terroristen. "Amerika ist jetzt ein Imperium", kanzelte ein Bush-Berater einen entsetzten Journalisten ab. "Wenn wir handeln, schaffen wir neue Realitäten. Wir sind die Akteure der Geschichte. Und Ihr werdet bestenfalls studieren, was wir tun."

Und er schuf neue Realitäten. Vor allem im Irak. Drei Jahre sah er zu, wie der Krieg verloren ging, den er anzetteln ließ. Ließ geschehen, dass Tausende US-Soldaten und Zehntausende Iraker starben. War es, weil er glaubte, man müsse nur genügend Terroristen töten und dann werde schon alles gut? War es, weil Condoleezza Rice die Lage stets schönredete? Oder weil er sich stur auf den intriganten Verteidigungsminister Rumsfeld verließ? "Er hielt an ihm fest, schon aus Prinzip", sagt der Reporter Peter Baker. "Das war einer seiner größten Fehler. Aber es gehört zu seinem Verständnis von Loyalität. Je massiver die Kritik an Rumsfeld wurde, desto verbissener verteidigte er ihn. Ich bin der Entscheider, sagte er damals."

Im Sommer 2006, als man Nichts mehr beschönigen konnte, stimmte Bush zögernd einer Überprüfung seiner Strategie zu. Es war eine hochgeheime Operation, denn auf keinen Fall wollte man kurz vor den anstehenden Kongresswahlen eine faktische Niederlage eingestehen. Und wieder einmal entschied er dann nach seinem Bauch, folgte seinem Instinkt, auf den er so stolz ist. Befahl gegen den Widerstand des Generalstabes und seiner engsten Berater die "surge", die massive Truppenerhöhung im Irak. "Wenn das nicht klappt, haben wir unsere letzte Karte ausgespielt", fürchtete Condoleezza Rice. "Unsere letzte Kugel."

Nur die Geschichte kann Bush retten

Es funktionierte, bislang, die Lage stabilisierte sich. Und mit David Petraeus gab es wohl zum ersten Mal einen wirklich fähigen General in Bagdad. Heute spricht George W. Bush nicht mehr vom "Sieg" im Irak. Stattdessen benutzt er das Wort "Erfolg".

"Präsident Bush musste seine innenpolitische Agenda zugunsten des Irakkriegs opfern", sagt Ex-Berater Marvin Olasky dem stern. Das habe alles verändert. "Sein Vermächtnis hängt nun ganz und gar davon ab, ob sich der Mittlere Osten reformiert oder nicht."

Jetzt muss Bush auf die Geschichte hoffen. Muss darauf hoffen, dass sie ihn reinwäscht. Etwas übriglässt von seiner Mission, den Terror in der Welt auszurotten, die Freiheit voranzubringen. Von ihm mehr hinterlässt, als das Bild eines sympathischen Dilettanten im Weißen Haus. In 86 Tagen wird er das Weiße Haus verlassen. Es wird ihn niemand vermissen.

Von Katja Gloger, Jan Christoph Wiechmann und Tobias Betz
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KOMMENTARE (10 von 70)
 
tripex (27.10.2008, 09:26 Uhr)
Wandel?
@Georges13437
Tja, die Menschheit funktioniert so. Eine Kombination von Glauben, Logik und natürlich eine gehörige Portion Egoismus. Ein anderer Präsident oder Kanzler bedeutet nur ein anderer Herrscher und Herrscher bestimmen auf Grund ihrer gegebenen Macht egal ob Kommunismus oder Kapitalismus niemals zum Wohle ihrer Beherrschten. Es gibt nur ganz wenige Ausnahmen wie Ron Paul oder Haider.
Georges13437 (26.10.2008, 10:52 Uhr)
Wie mutig plötzlich alle werden,
zu schreiben, welch einem Verbrecher die ganze Welt, ausgeliefert ist. Vor einem jahr haben alle noch gekuscht.
Die Ratten verlassen das sinkende Schiff und wieder stellt man fest wie feige doch eigentlich der Journalismus ist. Erst wenn der Wind sich zu drehen scheint, kommen sie wieder aus ihren Löchern gekrochen.
Herzlichst
Georges13437
ganzbaf (26.10.2008, 10:30 Uhr)
Es sind natürlich auch...

weniger als 5% der heutigen Linken Ex-SEDler.
Aber etwas Integration muß natürlich sein!
Auch wenn die Linke die CDU in diesen Bemühungen sicher niemals wird einholen können... ;-B
ganzbaf (26.10.2008, 10:25 Uhr)
Alle irren.

Die Nachfolgepartei der SED ist die CDU.
Weil dort heute die meisten ehemaligen SED-Mitglieder und Wähler ihr neues trautes Zuhause gefunden haben...! ;-DD
Aaron71 (26.10.2008, 10:07 Uhr)
@durant
Se irren: Die Linke ist keine Nachfolgepartei der SED, sie ist die SED, die lediglich zwei Mal umfirmiert wurde. Die lieben Linken hier im Forum schäumen zwar jedes Mal über, wenn man das behauptet, aber warum das nicht so ist, können sie nicht erklären. Wie auch, zumal 75% der Mitglieder noch aus SED-Zeiten stammen und die aktuelle Bundesspitze dem verurteilten Mauermörder Krenz bei seiner Haftentlassung eine fulminante Welcome Home Party geschmissen hat. Linke Angeordnete werden in schöner Regelmässigkeit als Stasi Spitzel enttarnt und der Vorsitzender der Hessischen Linken wurde gar 13 Jahre von der SED bezahlt, um in Westdeutschland die Politik zu unterwandern. Ich finde, wir sollten uns wirklich weiter über die USA aufregen, damit wir vom Sumpf im eigenen Land nichts merken.
kikihei (26.10.2008, 01:22 Uhr)
Inge
...was hast Du bloß für ein Problem, niemand, un erst recht nicht Obama will die partial abortion, niemand hier ist pro abortion, nur dafür, daß frau sich selbst dafür entscheiden kann. So ein Stuß!
ganzbaf (26.10.2008, 01:09 Uhr)
Ach. Na ja...

Börsenkater, Suff und Menstruationsprobleme...
Für UR kommte es eben knüppeldicke...;-jj
mlautenburg (26.10.2008, 01:01 Uhr)
Die Schlingel vom Weissen Haus
http://romibodoni.blog.de/2008/10/18/reich-ranicki-qualitaetsfernsehen-4888884
faculdoc (26.10.2008, 00:47 Uhr)
Zum Beitrag des " UR63 "-25.10.08-18:51 Uhr
"UR63" ...der hier von Ihnen verfasste Erguss ist verletzend für viele tausende Menschen unserer Gesellschaft. Ich habe gegenüber : stern.de Beschwer gegen Sie eingelegt und es wäre in Anbetracht Ihres Jargons und offenbar Ihres geringwertigen Bildungsstandes ein Gewinn für das Forum, auf Ihre Beiträge zukünftig nicht mehr replizieren zu müssen.
SethusCalvisius (26.10.2008, 00:42 Uhr)
@durant2008
Bezieht sich auf Ihren Kommentar von 14.40, mittlerweile haben Sie ja schon wieder zugeschlagen.
Was Sie da schreiben, ist ziemlich absurd. Der Anschlag vom 1.September war selbstverständlich furchtbar, aber vom wirtschaftlichen Schaden ja wohl nicht mit dem 2. Weltkrieg vergleichbar! Warum sollten die Amis von Brot und Wasser leben müssen, nur weil 2 Häuser eingestürzt sind? Wo ist denn da die Logik? Haben Sie sich mal mit den Folgen von Kriegen befasst?
Dass Sie jetzt auch noch Carter und Clinton für den Terrorismus verantwortlich machen, ist unglaublich. Was hat denn Bush gegen den Terrorismus getan, außer dass er die westliche Welt mit gefälschten Beweisen in einen Krieg geschickt hat gegen ein Land, das mit diesen Anschlägen überhaupt nichts zu tun hatte!
Zu Ihrem neuen Kommentar:
Sie verkennen eine ganz wichtige Tatsache: Amerika ist ein mit uns befreundetes und verbündetes Land, das in Anspruch nimmt, moralische Instanz für die ganze Welt zu sein. Und dieses Land tritt die Menschenrechte teilweise genauso mit Füßen wie die von ihm als "Schurkenstaaten" eingeschätzten Länder. Folter, Gefangene, die ohne Gerichtsverfahren jahrelang eingesperrt werden, der oben schon erwähnte völkerrechtswidrige Krieg, kriegerische Unterstützung in der Vergangenheit für Saddam Hussein, Taliban, nicaraguanische Contra-Terroristen etc. Wenn wir das als befreundetes Land nicht kritisieren dürfen, ist Freundschaft nichts wert. Und dass "niemand" Schröder für seine Äußerungen bzgl Putin (lupenrreine Demokrat) kritisiert, stimmt ja nun überhaupt nicht. Dafür hat er auch in den eigenen Reihen jede Menge Kritik geerntet.
Ich bin keiner, der die DDR-Diktatur verharmlost, aber was dort in 40 Jahren an Unrecht passiert ist, kann man auf keinen Fall mit dem vergleichen, was in 12 Jahren Nazi-Herrschaft angerichtet wurde. Trotzdem durften alte Nazis wie Kiesinger, Scheel oder SA-Mann Carstens hohe Ämter in unserem Land bekleiden.
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