. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
19. Juli 2008, 12:48 Uhr

Der Drache wird erwachsen

Und so ist aus dem ehemals maroden Reich zumindest in Teilen ein gewisser Wohlstand eingezogen. Hatte 1990 gerade mal einer von hundert Chinesen ein Telefon, sind es heute 64 - Handys noch nicht mitgerechnet. Ähnlich bei den Autos: 1990 besaß nicht mal jeder hundertste Haushalt ein Auto oder Motorrad, heute ist es jeder zweite.

Wohlstand bleibt in den Städten hängen

Der Wohlstand erreicht allerdings nicht die chinesische Landbevölkerung, sondern konzentriert sich in den neuen Wirtschaftshochburgen. Die Ungleichheit ist riesig: Die Löhne in den Städten sind mindestens dreimal so hoch wie auf dem Land, Kinder besuchen dreimal so häufig die Oberschule. Die Wahrscheinlichkeit zu studieren ist in den Ballungszentren gigantische 68 mal höher als auf dem Land. Der Lebensstandard in den dünn besiedelten Weiten Westchinas ist noch immer auf Dritte-Welt-Niveau. Das ist wohl die negative Seite des Deng Xiaoping-Satzes "einige müssen zuerst reich werden".

Diese soziale Kluft wird wohl in den nächsten Jahren nicht verschwinden: ""Den Rückstand, den Teile Chinas schon jetzt haben - der wird bleiben", ist sich Experte Taube sicher, "sowas ist verdammt schwer aufzuholen." Dazu kommt der ungeheure demographische Druck: Jedes Jahr werden fast 20 Millionen neue Chinesen geboren, 5,5 Millionen Studenten strömen aus den Universitäten - all diese Menschen wollen teilhaben am ökonomischen Erfolg.

Der Boom hat jahrelang den Blick getrübt für die Probleme im Riesenreich. "Das Wirtschaftswachstum wird erkauft durch soziale Verwerfungen, Raubbau an der Natur und Energieverschwendung", sagt Taube, und warnt: "das kann nicht mehr lange gut gehen." Das Heer der einfachen Landarbeiter ist quasi rechtlos, für den Bau riesiger Staudämme werden Hunderttausende umgesiedelt. Und die steigenden Lebensmittelpreise treiben Hunderttausende in die Armut und auf die Straße.

"China muss diese Faktoren einpreisen", fordert Markus Taube. Heißt: Die Löhne und Preise müssen noch weiter steigen, auf ein faires, realistisches Niveau. Höhere Löhne aber verändern die ganze Wirtschaftsstruktur in dem Riesenreich: Mittlerweile ist Arbeitskraft in anderen Ländern wie Indonesien weitaus billiger zu haben. Deshalb wandert gerade die einfache Produktion schon wieder aus China ab - zum Beispiel die Textilindustrie. China wird wohl nicht mehr lange die Nähkammer der Welt sein.

Stattdessen steigt das Land jetzt massiv in den Elektronikmarkt ein, sogar einfacher Maschinenbau siedelt sich mittlerweile an. "Die gehen ganz gezielt nach oben", sagt Markus Taube dazu. China nimmt gerade die nächste Stufe auf dem Weg vom Entwicklungsland zum modernen Industriestaat.

Und genau an diesem Punkt stellt sich eine drängende Frage, die jahrelang vom wirtschaftlichen Aufschwung in den Hintergrund gedrängt wurde: Die Systemfrage. Denn China ist noch lange keine freie Marktwirtschaft. Auf allen Ebenen ist die Verflechtung zwischen Partei und Unternehmen geradezu inzestuös, ohne gute Kontakte in die Politik kann man im Wirtschaftswunderland nichts werden. Parteisekretäre gründen Milliardenunternehmen, 90 Prozent der wirtschaftlichen Oberschicht sind gleichzeitig Parteikader. Experten sprechen deshalb von einem "Kaderkapitalismus".

Und genau diese hierarchische Wirtschaftsstruktur wird für China zum Problem: "Der Staat ist auf allen Ebenen der zentrale Akteur in der Wirtschaft. Das kann kurzfristig helfen, langfristig führt das ins Desaster", warnt Experte Taube. Denn: "Je komplexer und weiter entwickelt die Wirtschaft ist, desto schlechter lässt sich das zentral steuern. Das geht nur dezentral, wenn man auch Trial und Error zulässt." Wenn also jeder die Freiheit hat, sein ökonomischen Glück auf eigene Faust zu suchen.

Es ist eigentlich ganz einfach: Nur, wenn China die marktkapitalistischen Prinzipien des Westens von Eigenverantwortung und Risikobereitschaft übernimmt, wird es mit ihm auch auf höchstem Niveau konkurrieren können.

Wie lange hält China das Tempo durch?

Ob das Riesenreich sein bisheriges Tempo im Wirtschaftswachstum auch mittel- und langfristig beibehalten kann, ist dementsprechend schwer vorherzusagen. Markus Taube wagt trotzdem eine Prognose: "Teile Chinas, zum Beispiel der weit entwickelte Küstenstreifen, könnten in 20-30 Jahren das Niveau von Portugal erreichen." Das wäre schon ein gigantischer Erfolg. Denn noch rangiert China beim individuellen Wohlstand weit hinter allen Ländern der westlichen Welt: Das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt liegt gerade einmal bei 2500 Dollar, damit steht China weltweit auf Rang 106, zwischen Swasiland und Marokko.

Da ist noch eine Menge Luft nach oben. Der Chinesische Drache ist aus den Kinderschuhen heraus, er ist groß und selbstbewusst genug, um sich Respekt zu verschaffen - aber er ist noch lange nicht ausgewachsen.

Von Lenz Jacobsen
1 2
weiter  
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Countryjoe (21.07.2008, 09:35 Uhr)
Tanz ums goldene Kalb
Wenn man sich monomanisch auf den schnellen Profit konzentriert, dann zählen Umwelt, Menschenrechte, Zukunft und Gerechtigkeit nichts. Aber schon einmal mußten die Tänzer um das goldene Kalb eine bittere Rechnung zahlen.
Russlanddeutscher (20.07.2008, 02:38 Uhr)
Preach the Gospel
Sagen Sie mir bitte auch Bescheid, wenn die Arche fertig ist.
Hab schon bei Zeugen Jehovas nachgefragt, aber dort muss ich was zahlen.
Bei den Moslems fünf mal am Tag beten und ich bin evangelisch, bei uns ist das nicht so streng.
Nein Spaß - finde christliche Werte gut, so lange Kirche nicht zum Staat wird.
Deutschland braucht Inovationen und Produkte, die NUR in Deutschland hergestellt werden können.
BILDUNG ist ein wichtiger Punkt. Gerade in dieser Zeit muss ein gesellschaftlicher Wandel stattfinden.
Die Welt lernt einfach viel zu schnell vom Westen. Nicht das die Schüler sich gegen den Lehrer wenden.
gmathol (20.07.2008, 00:00 Uhr)
China's angebliches Wachstum...
...wird durch teuer erkauft. Wird die schlechte Umweltbilanz weiter gefuehrt wird wohl in 10 Jahren das Wasser nicht mehr zum Leben ausreichen. China wird Wasser importieren muessen oder Millionen Chinesen werden ihr Land verlassen muessen.
Wir haben in China einige Test mit der zur Verfuegung stehenden Nahrung durchgefuehrt! Die Ergebnisse waren katastrophal - wir haben danach nichts mehr was in China produziert wurde verzehrt.
Es gibt uebrigens Fleischimporte z. B. Pute nach Deutschland.
Wohl bekomms.
PreachTheGospel (20.07.2008, 00:00 Uhr)
Die Christen...
Dasselbe wird mit den Christen in China gemacht, die Jesus wirklich ernst nehmen und von Ihm gerettet wurden. Diese werden auf's erbärmlichste verfolgt und hingerichtet. Medien? Kein Interesse.
Ein gekillter Hund? Wahnsinn, muß sofort verboten werden.
Die Erdbeben waren nicht umsonst, und es werden mehr werden. Und nicht nur auf China beschränkt, sondern weltweit.
Es wird Zeit, zu erkennen das Gott Euch alle ruft umzukehren und an Jesus zu glauben und Euch retten zu lassen.
eltalein (19.07.2008, 17:52 Uhr)
*Merzer* und ihr Kommentar ist.......
so was von Überflüssig.
Kein Mitgefühl für Mensch und Tier in China.
Bevor Sie hier dumme Zahlen schreiben, informieren Sie sich mal über die unbeschreibliche Tierquälerei an Hunden und Katzen in China.
Bei Google. "Tiere und China".
Merzer (19.07.2008, 17:27 Uhr)
Abstruse Statistik
"2009, da sind sich alle Experten einig, ist das Jahr, in dem China Deutschland vom Thron stürzt und Exportweltmeister wird"
China erreicht mit der sechszehnfachen Bevölkerung dieselbe Exportleistung wie Deutschland - das entspricht einer Pro-Kopf-Leistung von ungefähr 6 % verglichen mit Deutschland. Da sieht man mal, wie absurd diese Aussage ist... als nächstes wird vermutlich Luxemburg mit Burkina Faso verglichen und festgestellt, daß Afrika auf der Überholspur ist, weil man dort mit der 130-fachen Bevölkerung mehr exportiert als Luxemburg...
eltalein (19.07.2008, 17:18 Uhr)
Bestie Mensch China.......
Es ist einfach unfassbar, in einem Land wo die eigenen Menschen wegen Meinungsfreiheit gefoltert werden, wo Tiere grausam gequält werden, ein Land, dessen Regierung den Völkermord in Darfur mit Waffen und Geld unterstützt, die UN im Sicherheitsrat daran hindert, das Morden und Vergewaltigen in Darfur zu beenden........

in so einem Land findet 2008 die Olympiade statt. Außenminister Steinmeier von der SPD möchte von Kritik an China nichts wissen.
Herr Steinmeier, Sie unterstützen den Völkermord in Darfur und gleichzeitig will die SPD, Schüler und Jugendliche verpflichten, die KZ der Nazis zu besichtigen.
Es ist unfassbar, der heutige Völkermord in Darfur mit Hilfe von China wird so einfach hingenommen, wegen Geld und Wirtschaft, doch die Deutschen Schüler sollen verpflichtet werden, in den KZ`s Nachhilfe nach über 60 Jahren zu nehmen.
Liebe Politiker, bitte gehen Sie selbst in die Tausenden KZ`s in China, da wird Ihnen geholfen.
LEBENDIG GEHÄUTET ...schauen sie Dir in die Augen...
China, nicht im Mittelalter, sondern im Jahr 2008.
In diesem Land soll die Olympiade stattfinden...?...nein Danke.
www.klaus-morbach.de
Bestie Mensch
MEHR ZUM ARTIKEL
Handelsnation China Einmal Weltmacht und zurück

Vor 200 Jahren fiel ein Drittel der weltweiten Wirtschaftsleistung auf China. Dank Seide, Tee und Gewürzen. Nun exportiert das Reich der Mitte DVD-Spieler, Spielzeug sowie Kleidung und kehrt damit zurück, wo es lange war: auf den Thron der mächtigsten Handelsnation der Welt. mehr...

China Fabrikhalle der Welt

Sie produzieren mehr als die Hälfte aller Kameras und ein Viertel aller Kühlschränke. Mit Hilfe internationaler Konzerne erobern sie jetzt den Markt für Autos und PCs - und schüren die uralte Angst vor dem chinesischen Drachen. mehr...

Reportage über Arbeit in China Die Knochenmühle

Wo "Made in China" drauf steht, ist Geiz noch geil. Zahlen müssen dafür mehrere Millionen chinesische Wanderarbeiter: Ihr Blut heißt "Standortvorteil", denn nirgendwo können Unternehmer es billiger vergießen. Eine Reportage aus dem Land der Kranken und Krüppel. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe