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4. Januar 2010, 11:21 Uhr

Bye-bye, USA! Jetzt kommt China!

Der Weg in die große Rezession

Die Illusion der amerikanischen Hypermacht wurde im vergangenen Jahrzehnt gleich zweimal zerstört. Zunächst zeigte sich die Nemesis in den Straßen von Sadr City in Bagdad und den Tälern der afghanischen Provinz Helmand. Sie machte nicht nur deutlich, wie begrenzt die Militärmacht der USA ist, sondern auch, wie naiv die neokonservativen Visionen von einer demokratischen Welle im Nahen und Mittleren Osten waren. Ein zweites Mal zeigte sich die Nemesis, als sich die Subprime-Krise des Jahres 2007 erst zur Kreditkrise 2008 ausweitete und schließlich zur großen Rezession 2009 eskalierte.

Und was blieb? Am Ende des Jahrzehnts konnte die westliche Welt nur staunen, wie schnell die chinesische Regierung auf den schwindelerregenden Exporteinbruch im Zuge der US-Kreditkrise reagiert hatte. Während die Industrienationen am Rande einer zweiten großen Depression standen, musste China nur eine geringfügige Wachstumsverlangsamung hinnehmen. Grund dafür waren ein effektives staatliches Konjunkturprogramm und eine massive Kreditexpansion.

Natürlich wäre es naiv zu glauben, das kommende Jahrzehnt werde China keine Probleme bereiten. Tatsache aber ist, dass Asiens jüngste und größte industrielle Revolution während der Finanzkrise 2007 bis 2009 kaum an Fahrt verloren hat. Und welch eine Revolution das ist! Man vergleiche ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um das Zehnfache im Zeitraum von 26 Jahren mit einer Steigerung um das Vierfache in 70 Jahren. Ersteres hat China zwischen 1978 und 2004 vollbracht, Letzteres Großbritannien zwischen 1830 und 1900.

China kopiert das westliche Erfolgsrezept

Was verlieh dem Westen in den vergangenen 500 Jahren Überlegenheit gegenüber dem Osten? Meiner Ansicht nach waren es das kapitalistische Unternehmen, die wissenschaftliche Methode, ein politisches und rechtliches System, das auf Eigentumsrechten und individuellen Freiheiten gründet, traditioneller Imperialismus, die Konsumgesellschaft und das, was Max Weber wohl fälschlicherweise als "protestantische" Arbeitsethik bezeichnete.

Einige dieser Dinge (die ersten beiden) hat China eindeutig kopiert. Andere wird es wohl mit einigen "konfuzianischen" Modifizierungen übernehmen (Imperialismus, Konsum und Arbeitsethik). Was die westliche Version von Recht und Politik anbelangt, so gibt es wenig Anzeichen, dass der Einparteienstaat diese übernehmen wird. Aber braucht China die gute alte Demokratie, um dauerhaften Wohlstand zu erzielen? Das kommende Jahrzehnt wird diese Frage beantworten.

Von Niall Ferguson
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Seite 2: Der Weg in die große Rezession
 
 
KOMMENTARE (10 von 42)
 
Oetker333 (06.01.2010, 18:06 Uhr)
@Garnet
Ich bestreite keineswegs ALLEs was sie sagen. Aber 95 % können angeblich nur ihre Ernährung bezahlen? Aber sorry denken sie mal scharf nach! Das müsste automatisch heißen dass sich nur 5% ein Auto leisten können. oder andere Haushaltsgeräte. Dann frag ich mich wem die ganzen Autos in Peking, Shanghai unsw. gehören? Den Taiwanesen?? Wer sind dann die Menschen der neuen Mittelschicht in China. Auch Taiwanesen?? Ich bezweifle stark dass 95% der Chinesen nur ihre Ernährung finanzieren können. Schon aus rein logischen Gründen.
max67 (05.01.2010, 13:52 Uhr)
500 Jahre!!!!
Wohl eher 50. schlecht geträumt mein lieber oder??
Hans-Holger (05.01.2010, 04:36 Uhr)
@LaoLu
wie lange leben Sie schon in China und wo?

Ich war 12 Jahre in China und lebe jetzt in Australien.
LaoLu (05.01.2010, 02:11 Uhr)
@Garnet, Sie sollten jemandem wie oetker333 (eine 3 mehr, bitte)
kein "saudummes" Gerede unterstellen. Nur, weil der eine andere Meinung zu China und zu den Chinesen hat als Sie.
Wenn ich Ihre Kommentare richtig interpretiere, sind Sie für ein (deutsches?) Unternehmen tätig, das die frühkapitalistischen Zustande im heutigen China zur Profitmaximierung nutzt.
Nebenbei: wie Sie das 4 Jahre ausgehalten haben, kann ich nicht nachvollziehen - Arbeiter in China ausbeuten bringt sicherlich noch viel weniger Spaß als dieselbe Tätigkeit indula.
Ich habe durch meiner Arbeit mit (!) chinesischen Kollegen (!) und durch das Leben hier eine ganz andere Einstellung zu diesem Riesenland und seinen gastfreundlichen Einwohnern aufgebaut.
Aquarius2 (04.01.2010, 19:13 Uhr)
@Bye-bye, USA! Jetzt kommt China!
Das sehe ich nicht so eng, denn die USA haben vorgesorgt:
"Nach eigenen offiziellen Angaben verfügten die USA im Jahr 2003 über mehr als 700 militärische Einrichtungen im Ausland. Hinzu kamen 96 in amerikanischen Überseeterritorien, wie etwa im Pazifik und in der Karibik. Eine Anzahl von Militärbasen, etwa in Afghanistan und im Irak, sowie Nutzungsrechte in zahlreichen Ländern sind in dieser Statistik jedoch nicht enthalten. Experten gehen daher davon aus, daß die Gesamtzahl der Stützpunkte, auf die die USA jederzeit zurückgreifen können, bei rund 1 000 liegt."(Quelle: AG Friedensforschung an der Uni Kassel 2004)
sportartmakler (04.01.2010, 18:38 Uhr)
wenn ich an sicherheitspolitik und die einhergehende einschränkung meiner bürgerrechte denke
ist doch die frage des 1. global players müßig. ob man als systemkritiker? (für manche auf platthirn "verschwörungstheoretiker" gennant ) nun offiziell oder inoffiziell mit immer weitreichenderen befuginnsen der staatsmacht beobachtet werde, spielt nun wirklich keine rolle....

ob china nun wirtschaftl den westen überholt oder unterwegs einbricht, können weder ich noch sog. experten mit zufriederstellender wahrscheinlichkeit sagen, die variablen muß man nicht aufzählen?
Garnet (04.01.2010, 18:23 Uhr)
@oetker33
Habe ein englisches key board. Und euro zeichen brauche ich nicht.
Wo ich den Mist her habe? 4 Jahre als Technischer Betriebsleiter in China. Betrieb mit > 200 Angestellten. Also oetker,
saudumm daher reden gilt nicht. Etwas Erfahrung sollte schon sein. Und ich kenne China nicht vom Mauerbesuch und Touristentour durch Peking.
paladin09 (04.01.2010, 18:14 Uhr)
Eine ablösung der
Vormachtsstellung des Westens oder westlicher Industriestaaten ist längst überfällig und auch gut so. Endlich bringen aufstrebende Staaten mal frischen, neuen Wind in die altbackenden Systeme des Westens. Der Westen wird sich warm anziehen müssen und sich auf neue Herausforderungen vorbereiten, wie sich endlich mal richtig bemühen müssen dagagen halten zu können. Lange wird China auch keine Billigproduzenten aus dem Westen mehr ins Land lassen und sich damit selber Konkurenz machen. Der Westen wird sich nach anderen Niedriglohnländern umsehen und vielleicht nach Südamerika oder Afrika ausweichen müssen. Asien ist abgegrast, hat den Anschluß an den Westen längst gefunden, den Westen teilweise schon überholt. So, werden für westliche Firmen die Lohnkosten auch in Asien steigen und unrentabel werden, da zu den Lohnkosten noch die Tranportkosten drauf kommen. Das wird sich schon bald nicht mehr rechnen und Schluß mit Billiglohnland China sein. Die Märkte werden sich global ohnehin immer mehr und weiter angleichen und China zur größten Wirtschaftsmacht - Militärmacht der Welt aufsteigen.
auwei (04.01.2010, 16:21 Uhr)
@NewWorld
Das Schöne: Anders als der "Westen" seinerzeit kann sich China Ignoranz gar nicht mehr leisten - die Wüste steht vor den Toren Bejings, der gelbe Fluß ist grün und die Luft schwefelgrau. Wenn man dazu die Einsicht in die Notwendigkeit des Binnenmarktausbaus inkl. entsprechender Wertschöpfungsverteilung (Wer will schon jede zweite Woche einen Bauernaufstand?) rechnet, ist China heute (zwangsweise) erheblich weiter als "wir" es bis vor kurzem noch waren. Wenn da bloß diese verdammten Menschenrechte nicht wären...
ikaron (04.01.2010, 15:48 Uhr)
mal andersrum
Mit welchem Recht wollen wir Schwellen- und Entwicklungsländern, und China ist ja schon längst aus einer der Kategorie raus, verbieten, auf genauso rücksichtslose Weise Profit zu machen wie wir das getan haben und immer noch tun?
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